Christoph Maria Herbst: Heimspiel mit dem "Traumschiff"

Christoph Maria Herbst: Heimspiel mit dem "Traumschiff"

Der Autor und Schauspieler freut sich ein Heimspiel: Im November liest der Wuppertaler in Elberfeld — da werden Erinnerungen wach.

Herr Herbst, „Ein Traum von einem Schiff“ ist am 13. November in der Stadthalle zu erleben. Haben Sie auf einer Lesereise eigentlich ein Mitspracherecht, wo Sie vor Anker gehen?

Christoph Maria Herbst: Ja, Wuppertal war mein Wunsch. Am liebsten wäre es mir sogar gewesen, die Lesetour in meiner Heimatstadt zu beginnen. Das ist aber leider aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Jetzt starten wir in Bremerhaven. Das passt aber auch sehr gut — nicht nur wegen des Themas, sondern vor allem auch, weil ich dort vier Jahre lang am Stadttheater engagiert war.

Zwei Wochen nach dem Auftakt in Bremerhaven nehmen Sie Kurs auf Elberfeld. Erwarten Sie einen Auftritt wie viele andere — oder ein ganz besonderes Heimspiel?

Herbst: Mein Wunsch, in Wuppertal Station zu machen, wird sogar noch übertroffen: In der Stadthalle aufzutreten, ist ein phantastisches Ereignis. Ich werde mit bebender Brust lesen. Es wird für mich sehr emotional werden. Ich freue mich, weil ich weiß, dass Familie und Freunde im Publikum sitzen werden. Und weil ich in dem ehrwürdigen Gebäude schon als Schüler aufgetreten bin — zuletzt mit der „Missa brevis“ und dem Chor des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums. Neun Jahre lang bin ich dort zur Schule gegangen, und in der Schwimmoper habe ich Schwimmen gelernt. Die ganze Gegend ist sozusagen „herbstverseucht“.

Sind Sie noch oft in Wuppertal?

Herbst: Ja! Ich lebe in Köln, also nur einen Steinwurf entfernt. Meine Eltern und eine meiner Schwestern wohnen in Wuppertal. Anfang dieser Woche hatte mein Vater Geburtstag, und auch Ende der Woche bin ich hier — dann besuche ich einen Freund.

Haben Sie noch Kontakt zum TiC-Theater, das Sie ja mitgegründet haben?

Herbst: Zurzeit leider nicht. Aber ich habe mir fest vorgenommen, bald mal wieder eine TiC-Produktion zu sehen. Ich freue mich jedenfalls, dass das Theater dem ganzen Unbill der vergangenen Jahre getrotzt hat — weil es eine feste, kaum mehr wegzudenkende Institution ist.

Verfolgen Sie auch, welche Sparmaßnahmen den städtischen Ensembles droht?

Herbst: Immer wenn ich darüber etwas lese, zucke ich zusammen. Als damals das Cinemaxx neben dem Schauspielhaus gebaut wurde, dachte ich schon: Das Kino wird länger stehen, als auf der Bühne nebenan gespielt werden wird. Für mich ist diese Entwicklung sehr traurig. Ich hatte mich einst ja selbst an den Wuppertaler Bühnen beworben . . .

Weshalb klappte es nicht?

Herbst: Ich wollte vorsprechen, als ich noch im TiC spielte. Holk Freytag, der damalige Intendant, hat mich aber gar nicht erst vorgelassen — weil ich keine Schauspiel-Ausbildung habe. Paradoxerweise hat er mir nun — als Intendant der Festspiele in Bad Hersfeld — eine Hauptrolle angeboten. Es haute zeitlich nicht hin, zeigt aber, wie sich die Zeiten ändern. Denn eine Schauspiel-Ausbildung habe ich immer noch nicht.

Im Leben sieht man sich ja meistens zweimal . . .

Herbst: Ja, das stimmt, gerade in unserer Branche . . .

Apropos: Wie haben Ihre „Traumschiff“-Kollegen auf Ihr Buch reagiert?

Herbst: Es hat sich keiner gemeldet, weil sich keiner wiedererkennt — mit Ausnahme von Produzent Wolfgang Rademann natürlich. Es ging mir ja auch nicht um eine Kollegenschelte. Ich beschreibe einfach Leute, die es so gibt in der Branche.

Und was hat Wolfgang Rademann gesagt?

Herbst: Das Buch ist ja eigentlich auch eine Verbeugung vor Rademann. Als ich ihm die Texte vorgelesen habe, hat er sich die Lachtränen aus dem Gesicht gewischt. Er hat sich amüsiert und mir sogar geraten, es zu veröffentlichen. So kam ich überhaupt auf die Idee, ein Hörbuch daraus zu machen — dass es dann auch ein Buch wurde, war naheliegend.

Sind Sie denn nicht mit der Idee auf das „Traumschiff“ gegangen, ein Buch über die Dreharbeiten zu veröffentlichen?

Herbst: Nein, das entstand wirklich aus Langeweile. Ich hatte keinen geldgierigen Verlag im Nacken, der sich mit meinem Namen eine goldene Nase verdienen wollte.

Haben Sie geahnt, dass Ihr Roman so hohe Wellen schlagen könnte?

Herbst: Wenn ich gewusst hätte, dass es so viel Staub aufwirbelt, hätte ich es trotzdem geschrieben. Aber die Reaktion hat mich schon überrascht. Jeder Theatermacher wünscht sich einen solchen Skandal, auch wenn es aus meiner Sicht nur ein Sturm im Wasserglas ist. Ich freue mich, dass mein Debüt-Roman ein Bestseller geworden ist und ich mit ihm eine Bombe gezündet habe, auch wenn es vielleicht nur eine Stinkbombe ist.

Würden Sie denn noch einmal an Bord gehen?

Herbst: Privat ist es nicht meine Art des Reisens. Ich schnappe mir lieber meinen Rucksack und reise mit meiner Liebsten fünf Wochen nach Burma. Dort war ich übrigens auch, als die Episode ausgestrahlt wurde. Ich habe sie bis heute nicht gesehen. Aber wer weiß? Vielleicht gehe ich mit 75 noch einmal aufs „Traumschiff“ — als Kapitän.

Zurück nach Wuppertal: Wie konkret sind Ihre Pläne, im Film „King Ping“ mitzuspielen?

Herbst: Ich habe eine Zusage gemacht, aber von den Kreativen bislang noch nichts Weiteres gehört. Ich finde die Idee jedenfalls klasse. Ein Filmprojekt von Wuppertalern in Wuppertal — da möchte ich nicht fehlen.