Chemiker zeigen Weihnachten an der Uni in einem neuen Licht

Weihnachtsvorlesung : Chemiker zeigen Weihnachten in einem neuen Licht an der Uni

Die Weihnachtsvorlesung kam in diesem Jahr mit Ironie daher.

Alle Jahre wieder begeistert die Chemie-Weihnachtsvorlesung des Jung-Chemiker-Forums Jung und Alt in den Hörsälen der Universität. Die diesjährige Vorlesung wurde von Chemiedidaktik-Professorin Claudia Bohrmann-Linde und ihrem Arbeitskreis gehalten. Sie widmete sich ganz dem Thema „Weihnachten in neuem Licht”.

Nico Meuter führte als Erzähler durch den Abend, an dem die Weihnachtsgeschichte neu erfunden wurde. Mit einem dicken Buch unter dem Arm wollte er „erstmal für die richtige Stimmung sorgen”. Für die nicht bibelfesten Hobby-Chemiker im Raum las er den Beginn der Weihnachtsgeschichte vor. Das Highlight dabei: Auf den Wuppertaler Höhen sei ein Christuskind geboren worden. Die drei Weisen, dargestellt von den Mitarbeitern des Arbeitskreises, machten sich im typisch weißen Laborkittel auf die Suche nach dem passenden Geschenk für das neue Christkind.

„Nachhaltige Geschenke nach EU-Norm”, war die nicht ganz so ernst gemeinte Devise der Chemie-Professorin. Gold, Weihrauch und Myrrhe seien zu schwer oder nicht lokal genug. Die drei Weisen einigten sich schließlich unter anderem auf einen Chemiebaukasten aus Bio-Plastik und ein Chemiebuch, gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Recyclingpapier.

Um den Weg zum Christkind zu finden, benötigten die Weisen Licht. Zunächst sollte eine brennende Kerze Abhilfe schaffen. „Stinkt nicht, knallt nicht, ist doch gar keine richtige Chemie”, beschwerte sich einer der Weisen. Claudia Bohrmann-Linde erklärte daraufhin die chemischen Prozesse, die in einer Kerze stattfinden und teilte die Flamme in Temperaturzonen ein. Das Äußere der Kerze sei etwa 1400 Grad heiß, das Innere betrage nur etwa 800 Grad. „Die Ökobilanz von Kerzenwachs ist allerdings schlecht”, sagte sie. Auf einer Tafel, die der Einstufung von Energieeffizienzklassen nachempfunden war, ordnete sie die Kerze ganz unten ein – die Kerze fiel im Test durch.

Chemie gibt es auch
ohne Knallen und Rauchen

Auch Methanol, das nach Zugabe weiterer Elemente wie Lithium verschiedenfarbige Flammen hervorgerufen hat, fiel aus gesundheitlichen Gründen durch. „Ihr habt einen Hang zu gefährlichen Substanzen, meine Weisen”, witzelte Bohrmann-Linde. Dafür lobte sie ein Experiment, bei dem ein Scherblatt eines alten Rasierers unter Spannung zum Glühen gebracht wurde: „Das nenne ich wissenschaftliches Upcycling.”

„Aesculin, ein Stoff in der Kastanienrinde, löst sich beim Eintauchen im Wasser auf”, erklärte Bohrmann-Linde. Ein solcher, in Wasser getauchter Kastanienzweig, sorgte für ein fluoreszierendes Leuchten. Sehr effektvoll, aber nur sichtbar unter einer UV-Lampe. Das Leuchten eines Teebeutels wurde auf das Chlorophyll in den enthaltenen Pfefferminzblättern zurückgeführt.

Den Test bestanden hat letztendlich eine Luminol-Reaktion, die im Gegensatz zu den anderen Reaktionen nur mit Luftsauerstoff auskam. Die drei Weisen fanden schließlich das neue Christkind, das sich dann aber doch nur als Grinch-Stofftier entpuppte.

„Tolle Experimente, tolle Vorlesung, tolle Leute”, lobte Nicolas Schulz, der die Vorlesung jedes Jahr gerne besucht. Svenja Schierle, Studentin der Lebensmittelchemie, freute sich besonders darüber, dass die Experimente auch erklärt wurden.

Chris Heintz, Regionalsprecher des Jung-Chemiker-Forums Wuppertal, zeigte sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung: „Es ist schön zu sehen, dass es Chemie auch ohne Rauch und Knallen geben kann”, sagte er.