Casting: Von Wuppertal aus ins chinesische Fernsehen

Casting: Von Wuppertal aus ins chinesische Fernsehen

„The Voice of China“ wird international ausgetragen, zuletzt in Wuppertal.

Elberfeld. Meinte man, in Wuppertal würde nichts außer der Schwebebahn gehen, wurde man am vergangenen Sonntag eines Besseren belehrt. Spaziergängern, die entlang der Stadthalle den Sonnenschein genießen, bietet sich zunächst ein unauffälliges Bild — einzig ein paar sehr modisch und adrett gekleidete junge Menschen sowie ein Plakataufsteller im Treppenaufgang zum Mendelssohnsaal zeugen von etwas Besonderem: wegen Überfüllung kein Einlass mehr.

fast alle Besucher sehen asiatisch aus und nur sporadisch fällt ein deutscher Sprachfetzen, denn „The Voice“ die weltweit bekannte Casting-Show hat zum Vorausscheid geladen. Aber nicht für Deutschland werden junge Nachwuchstalente gesucht, sondern für China. „The Voice of China“ geht in die zweite Runde und sucht dazu nach jungen Musik-Talenten auf dem ganzen Erdball.

„Wir suchen neben den ostasiatischen Ländern auch in den Niederlanden, England, Frankreich oder den USA“, erklärte Produktionsleiter He Liang. Johr Zhou von der Wirtschaftsförderung ergänzte, dass gute persönliche Kontakte, aber auch Wuppertal als Engels Heimatstadt eine starke Rolle gespielt hätten, den bundesweiten Entscheid hier stattfinden zu lassen.

Die rund 300 Zuschauer werden still als Moderator Zhang Meng Chiao die Bühne betritt und die insgesamt 15 Kandidaten ankündigt. Aus ganz Deutschland habe man die Bewerbungen bekommen, insgesamt 223. Am Ende der Veranstaltung würden drei davon übrig bleiben und eine Chance auf die Teilnahme bei „The Voice of China“ erhalten. Jeweils eins der Lieder ist von den Veranstaltern vorgegeben, drei andere haben sich die Teilnehmer selbst ausgesucht.

So auch Sun Yung Peng, der stämmige junge Mann und gebürtiger Chinese mit Kurzhaarfrisur und Hornbrille studierte in München Elektrotechnik und fand bei einem bekannten Elektronikhersteller eine Anstellung, lebt und arbeitet nun in Düsseldorf. Auf der Bühne begeistert er das Publikum aber mit einer Akustik-Version von „What’s going on“ von den „4 Non Blondes“ und seiner sympathisch extrovertierten Art. Beeindruckend ist, dass Yung Peng dabei der Sprung über mehrere Tonlagen keine Probleme bereitet. Das Publikum quittiert es mit chinesisch vornehmem Applaus.

Begeisterung gab es auch für Zheng Ke. Der junge Physikstudent aus Wuppertal wusste mit sorgsam gewählten Pop-Balladen in seiner Heimatsprache zu überzeugen. Erfahren habe er von der Show wie alle anderen Teilnehmer auch: aus dem Internet. Nach seinem musikalischen Werdegang gefragt, antwortet der zurückhaltende Chemie-Student, er habe einfach „schon immer gesungen“.

Nach stilechtem Drama und viel Playback standen am Abend die drei Finalisten fest: Sun Yung Peng, Liang Xia aus Frankfurt und Royce Xia aus Leverkusen.

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