Caritas fordert: Mehr Geld von der Stadt Wuppertal gegen Spielsucht

Spielsucht : Caritas: Mehr Geld gegen Spielsucht

Der Verband ist enttäuscht, dass die Stadt die Unterstützung nicht aufstockt.

In einem offenen Brief an Oberstadtdirektor Johannes Slawig hat Caritasdirektor Christoph Humburg kritisiert, dass im Haushalt der Stadt Wuppertal für die Jahre 2020 und 2021 keine Aufstockung der Finanzierung für die Spielerfachstelle um 30 000 Euro pro Jahr vorgesehen sei. „Das irritiert mich“, heißt es in dem Schreiben.

Schließlich sei der Caritasverband seit Jahren mit Vertretern von Rat und Verwaltung hierzu im Gespräch. Der Sozialausschuss der Stadt Wuppertal unterstütze das Anliegen der Förderung der Spielerfachstelle einhellig und habe bereits vor Jahren in einem einstimmigen Beschluss die Verwaltung beauftragt zu prüfen, wie eine Finanzierung für die Spielerfachstelle zu bewerkstelligen ist, ist in dem Brief aufgeführt.

Im Wortlaut heißt es weiter: „Sie haben in mehreren Gesprächen behauptet, dass es nicht möglich sei, einen Teil der Einnahmen aus der Wettbürosteuer für eine Finanzierung der Spielerberatung zu verwenden. Diese Aussage wurde im letzten Sozialausschuss durch den SPD-Stadtverordneten Kring wie folgt kommentiert (aus dem Protokoll): ,Herr Kring stellt fest, dass die Vergnügungssteuer teilweise den Offenen Ganztag finanziert, aber ein anderweitiger Einsatz der Steuer nicht möglich sei. Er findet dies politisch fatal.’“

Erstaunlich sei es tatsächlich, dass die Finanzierung des Offenen Ganztages aus der Steuer möglich sein soll, die Finanzierung der Spielerfachstelle jedoch nicht.

„Abschließend sei mir die Bemerkung erlaubt, dass der Caritasverband Wuppertal/Solingen die einzige Spielerfachstelle in Wuppertal vorhält. Die fatalen Folgen der Spielsucht für die Betroffenen bis hin zur Suizidalität sind schon so häufig thematisiert worden, so dass ich darauf hier nicht weiter eingehe, sondern sie als bekannt voraussetzen darf. Aus meiner Sicht ist es nicht länger verantwortbar, der Spielerfachstelle eine Förderung in Höhe der noch dringend benötigten 30 000 Euro pro Jahr zu verwehren.“

Hilfe für Spielsüchtige
ist keine Pflichtaufgabe

Nach Informationen der Stadt wartet der Caritasverband seit Jahren darauf, dass die Förderung der Stadt auf 60 000 Euro verdoppelt wird, um eine Vollzeitstelle und die Nebenkosten zu finanzieren.

Stadtkämmerer Johannes Slawig (CDU) erkennt die Berichtigung der Forderung an. „An dem fachlichen Bedarf gibt es keinen Zweifel, aber im Gegensatz zu dem angeführten Beispiel des Offenen Ganztages handelt es sich dabei nicht um eine Pflichtaufgabe der Stadt.“ Die Einnahmen von 6,9 Millionen Euro über die Vergnügungssteuer seien im Haushalt schon anderweitig verplant.

„Sollten die Ratsparteien andere Prioritäten setzen wollen, dann müssen sie Vorschläge zur Gegenfinanzierung machen“, so Johannes Slawig. Weitere Sparmaßnahmen zu finden, sei aufgrund der seit Jahren angespannten Haushaltslage schwierig.

Die Stadt habe die Einführung einer Bettensteuer daher mit dem Ziel vorgeschlagen, unter anderem auch die Wohlfahrtsverbände, zu denen der Caritasverband zählt, mit zusätzlich 100 000 Euro pro Jahr zu unterstützen.

Der Jahresetat der Stadt beträgt aktuell rund 1,4 Milliarden Euro, wobei jedoch der Großteil der Summe für Pflichtaufgaben wie Sozialleistungen und Personalkosten ausgegeben werden muss. Der Stadt bleiben in den kommenden beiden Jahren nur etwa 70 Millionen Euro, um freiwillige Aufgaben zu finanzieren.

Die Zahl der pathologischen Spieler in der Stadt ist schwer zu ermitteln. 2016 nannte die Stadt eine Zahl von 700 bis 3500 - je nachdem, welche Studie zugrunde gelegt wurde.

(ab)
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