Café Cosa-Ersatz liegt für Drogenszene ungünstig

Suchthilfe : Café Cosa-Ersatz liegt für Drogenszene ungünstig

Die Räume an der Friedrich-Engels-Allee in Unterbarmen sind freundlich, aber weit von der Szene entfernt. Die Leiterin sieht die neue Heimat als Übergangsstandort.

„Absolut geil“, findet Ingo das neue Café der Suchthilfe. „Jetzt fehlen nur noch die Gäste.“ Die haben sich bisher nur vereinzelt blicken lassen in den Räumen an der Friedrich-Engels-Allee 122. Seit Montag sind sie geöffnet.

Nachdem das Café Cosa für drogenabhängige Menschen sein Ersatzquartier am Kirchplatz schließen musste, hat der Verein Freundes- und Förderkreis Suchtkrankenhilfe das Café in Unterbarmen eröffnet.

Wichtigstes Ziel dabei war, die Menschen, die in einer Jobcenter-Maßnahme im Café arbeiten, weiter zu beschäftigen. Denn der Verein ist skeptisch, dass Drogenkonsumenten den Weg dorthin finden. „Wir sind gut angekommen“, sagt Garry Kasper, Vorstand und Geschäftsführer des Vereins. „Es sind schöne Räume, aber für die Zielgruppe am falschen Ort.“

Die beiden ineinander übergehenden Räume in einem nüchternen Gebäude sind hell und groß, durch die Fenster und eine große Glastür fällt viel Licht herein. Die Wände sind weiß, zwei in einem warmen Ockerton gestrichen. An alten Holztischen mit vielen Gebrauchsspuren stehen moderne schwarze Stühle, dazwischen ein paar Pflanzen. Es gibt eine Sofaecke und hinter der Theke wartet Sandra Wiese freundlich auf die Wünsche möglicher Gäste.

Das Café Cosa soll wieder am Hauptbahnhof eröffnen

Auch ihr gefällt das neue Café: „Es ist schön weit und groß, viel heimeliger als vorher.“ Sie gehört ebenso wie Ingo, der seinen Nachnamen nicht nennen will, zu den derzeit acht Teilnehmern der Qualifizierungsmaßnahme des Jobcenters. Diese ist gedacht für Menschen, die Drogen konsumieren oder konsumiert haben und Menschen mit psychischen Problemen, die schon lange nicht mehr gearbeitet haben.

„Dass sie abstinent bleiben, ist nicht unser erstes Thema“, erläutert Klaudia Herring-Prestin, Leiterin der Einrichtung. „Wir versuchen, zu stabilisieren und zur Gesundung beizutragen. Und das funktioniert.“

Das kann Volker Dörsam bestätigen. Er war erst Besucher des Café Cosa am Hauptbahnhof, fand hier Kontakte und Hilfe. Dann bewarb er sich für die Maßnahme. Und ist seither clean. So gut ihm die aktuellen Räume gefallen, so hofft er doch auf den Neubau im Wupperpark Ost. „Jeder hier freut sich drauf“, sagt er. Aber es gebe auch so viele negative Diskussionen, sagt er.

Klaudia Herring-Prestin sagt, der Standort Friedrich-Engels-Allee könne nur ein Übergangsquartier sein. Er soll auch nicht Café Cosa heißen, nach einem Namen suchen sie noch. Denn das Café Cosa sei von Anfang an eine Anlaufstelle für die Szene „auf der Platte“ am Hauptbahnhof gewesen. „Deshalb müssen wir dort auch wieder hin.“ Solange es den Drogenschwarzmarkt gebe, werde es auch eine Szene geben, sagt sie.

Am alten Standort hätten sich die Besucher oft den ganzen Tag im Café aufgehalten, es aber zwischendurch viele Male verlassen – für die Drogenbeschaffung, den Konsum, aber auch für Einkäufe. Das alles sei an der Friedrich-Engels-Allee nicht möglich: „Hier ist keine Infrastruktur.“ Sie warteten deshalb ab, ob sich die bisherigen Besucher auf den Weg dorthin machen. Oder ob sich neue Gäste finden. So sei eine Abgabestelle für Drogensubstitution nicht weit entfernt. Vielleicht könne man auch mit besonderen Aktivitäten wie Karaoke-Singen oder Spiele-Turnieren Besucher locken. Solche Veranstaltungen hätten sich die Besucher des Café Cosa häufig gewünscht.