Busse im Winter: Der Schnee ist weg — aber der Ärger bleibt

Busse im Winter: Der Schnee ist weg — aber der Ärger bleibt

Um die Linienwege wieder frei zu bekommen, haben die WSW etliche Autofahrer ermitteln lassen. Aber das war nur eines von vielen Problemen auf glatten und zu engen Straßen.

Wuppertal. Die Schneeberge sind Geschichte. Zunächst einmal. Für die Diskussionen um den Winterdienst und den Linienbusbetrieb gilt das aber noch lange nicht: Wie berichtet, stehen die Wuppertaler Stadtwerke massiv in der Kritik. So werfen die Ortsverbände des Fahrradclubs ADFC, des Fahrgastverbandes Pro Bahn und des Verkehrsclubs VCD den WSW Versäumnisse vor und bezeichnen die Fahrgast-Info als „Fiasko“.

In einer ersten Zwischenbilanz weisen die Stadtwerke im Gespräch mit der WZ die Kritik zurück: „Am Anfang des Winters hatten wir Probleme“, räumt WSW-Verkehrsmanager Christian Kindinger in der Busleitstelle an der Wartburgstraße ein. Danach habe man es aber in einem gemeinsamen Kraftakt mit dem Winterdienst der Stadt, dem Ordnungsamt und der Polizei geschafft, den Linienverkehr aufrecht zu halten — wenn auch mit Einschränkungen. Das gelte für die Hauptstrecken ebenso wie für die Anbindung von Stadtteilen zumindest mit Pendelbussen.

Wo es auf glatten oder zu engen Straßen nicht vertretbar war, habe man den Betrieb einstellen müssen, um Fahrer und Passagiere nicht in Gefahr zu bringen. Kindinger: „Wir verleiten die Leute nicht dazu, in Busse einzusteigen, die nach 500 Metern liegenbleiben.“ Nach Ausrüstung aller Busse mit Winterreifen sei auch dieser Posten ausgereizt: Die Montage von Schneeketten sei bei einem Fuhrpark von 240 Bussen nicht zu bewerkstelligen — zudem sich diese nur für Straßen mit einer durchgängigen und befahrbaren Schneedecke eigneten. Andernfalls drohten Schäden auf Straßen und an den Ketten selbst, bei großem Verschleiß.

Um ein Jahrespensum von insgesamt 65 Millionen Buspassagieren zu bewältigen — bei der Schwebebahn sind es 27 Millionen Kunden — setzen die WSW unter anderem 160 Gelenk- und 80 Solobusse ein. Doch gerade für die langen und schweren Gelenkbusse sei auf glatten und engen Straßen schnell Schluss: Das habe er bei Testfahrten am Steuer selbst erlebt, erklärt Kindinger.

Abgesehen davon, dass die Zusammenarbeit mit dem Winterdienst verbessert worden sei, habe man mit Hilfe der Behörden etliche Besitzer von Autos ermitteln lassen, die zu weit auf der Straße parkten, so dass Busse nicht mehr durchkamen. Innerhalb von drei Tagen kamen bei Schwerpunkteinsätzen 30 bis 40 Wagen zusammen. Wo es die Handhabe gab, habe man Autos abschleppen lassen. Aber gerade auch das sei im Winter immer eine rechtliche Frage — etwa, wenn Verkehrsschilder und Markierungen nicht zu erkennen sind. Autos aus einem ganzen Straßenzug abzuschleppen, bezeichnen die WSW ebenso wie die Stadt als unangemessen — zumal man nie die Gewissheit habe, dass geräumte Flächen nicht sofort wieder zugeparkt würden.

Vorübergehende Halteverbote oder Einbahnstraßen einzurichten, scheitere auch an Vorgaben der Straßenverkehrsordnung, heißt es auf WZ-Nachfrage von der Stadt und den WSW. Schnee mit Radladern und Lastwagen zu räumen, eigne sich nur bedingt, um den Busverkehr wieder ins Rollen zu bringen, erklärt Kindinger. „Zuletzt ist uns in erster Linie das Tauwetter zu Hilfe gekommen.“

Unterdessen bleiben die Vereine bei ihrer Kritik: „Es kann nicht sein, dass man jetzt einfach wieder zur Tagesordnung übergeht“, erklärt Lorenz Hoffmann-Glaubig vom ADFC im Gespräch mit der WZ. Gebiete wie zum Beispiel die Lüntenbeck wochenlang nicht anzufahren, sei nicht tragbar. „Wir erwarten, dass man jetzt gemeinsam überlegt, was man beim nächsten Schnee besser machen kann.“

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