Busfahren war in Wuppertal früher zuweilen ein Abenteuer

Bilder erzählen Stadtgeschichte : Im Nadelöhr am Döppersberg war Busfahren ein Abenteuer

Ein Foto von Kurt Keil erinnert an die Platznot am früheren Busbahnhof.

„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“, heißt es in einem Lied der Arbeiterbewegung. Den eindrucksvollen Beweis lieferte in den 1990er Jahren die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, die mit einer Kundgebung auf der B 7 den Verkehr im westlichen Teil der Stadt zum Erliegen brachte. WZ-Fotograf Kurt Keil nahm das Foto von der Demo aus einem Zimmer des Hotels Kaiserhof auf.

Das Foto ist gleich in doppelter Hinsicht von historischer Bedeutung: Zum einen gibt es die ÖTV nicht mehr. Sie ist 2001 in die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgegangen. Und zum anderen zeigt das Foto noch einmal überdeutlich, mit welchem Provisorium als zentralem Busbahnhof sich die Wuppertaler über Jahrzehnte zufrieden geben mussten. „200 Busse auf einen Blick, da sieht man, warum Wuppertal auch noch eine Seilbahn braucht“, sagt Kurt Keil mit einem Augenzwinkern. 200 Busse waren es zwar nicht, aber mehr als 50 sind auf dem Bild zu erkennen. Die aktuelle Busflotte der WSW umfasst etwa 300 Busse.

Zum Glück für die Fahrgäste der Stadtwerke gab es im Alltag etwas mehr Luft auf dem Busbahnhof. Doch es ging sehr eng zu. Die Haltepunkte waren für die Fahrgäste alles andere als komfortabel und sicher zu erreichen, denn ursprünglich war die Haltestelle zwischen den Fahrspuren der B 7 in östlicher und westlicher Richtung für die Straßenbahn angelegt worden. Mit der Stilllegung der Straßenbahn waren dann ab 1987 noch mehr Busse auf der Talachse und am Döppersberg unterwegs.

Manchem ortsunkundigen Autofahrer wurde das Wirrwarr am Döppersberg zum Verhängnis. Immer wieder verirrten sich aus Barmen kommende Autofahrer auf dem Busbahnhof, weil sie der nach rechts verschwenkten Fahrspur nicht gefolgt waren. Bei einer Weiterfahrt wären sie auf dem Überflieger gelandet, über den die Busse in Richtung Stadthalle gelenkt wurden. Auswärtige taten sich aber auch bei der Suche nach den Bussteigen sehr schwer. Der Zugang zu den Buslinien in östlicher Richtung war nur über den Fußgängertunnel möglich, die Gelegenheiten, sich unterzustellen eher bescheiden. Kein Wunder, dass Ulrich Jaeger, Geschäftsführer der WSW mobil GmbH, gerne den Vergleich zwischen dem früheren zentralen Busbahnhof und dem neuen Busbahnhof direkt am Hauptbahnhof heranzieht.

Auf dem Foto ist zu sehen, dass sich die Demonstranten am Informations-Zentrum am Köbo-Haus versammelt haben. Das Info-Zentrum wurde im Zuge des Döppersberg-Umbaus abgerissen. An gleicher Stelle soll im Wupperpark Ost ein neuer Info-Pavillon entstehen. Außerdem sind dort das Café Cosa und ein Musik-Club im früheren Luftschutz-Bunker geplant - das hätte vor 20 Jahren sicher niemand für möglich gehalten.

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