Bunker am Wuppertaler Döppersberg: Nun kommt der Deckel drauf

Planung : Bunker am Wuppertaler Döppersberg: Nun kommt der Deckel drauf

Der Club könnte in einem Jahr öffnen. Bis alles fertig ist, wird es eher bis 2021 dauern.

Noch gibt es ein großes Loch im Wupperpark Ost — über der künftigen Tanzfläche des Clubs unter der Erde. Auf rund 300 Quadratmetern wurde die dicke Decke des Bunkers aufgeschnitten, damit im Tanztempel unter einer hohen Decke die richtige Atmosphäre entstehen kann. Das Gießen einer neuen Decke gehört zu den nächsten Schritten auf der Baustelle. Bauherr Markus Riedel hofft, dass der Club im Herbst 2020 eröffnen kann, für die Pavillons wird es wohl noch etwas länger dauern.

Auf der Fläche an der B7 zwischen Brausenwerth und Geschäftsbrücke baut die Tiefbunker Brausenwerth GmbH & Co. KG um die Brüder Markus und Thomas Riedel den unterirdischen ehemaligen Weltkriegsbunker zu einem Club um – bevor überirdisch zwei Pavillons entstehen können. In den einen, genannt Info-Pavillon, sollen Wuppertal Marketing und eine Gastronomie ziehen und in den anderen das Café Cosa.

Von der Wirtschaftsförderung, die das Projekt eng begleitet, heißt es: „Alle notwendigen Rückbauarbeiten sind bereits umgesetzt.“ Nach dem Einschnitt in die Decke seien die übrigen Bereiche und Decken statisch verstärkt worden, auch die Leitungen für den Club und die Pavillons seien verlegt, „so dass wesentliche Schritte abgeschlossen sind“, erläutert Rolf Volmerig, Vorstand der Wirtschaftsförderung.

Bauherr Markus Riedel sagt: „Wir warten gerade auf den Beton für den Rohbau“. Damit meint er die neue Decke und einige zusätzliche Wände. Danach sollen die beiden Treppenhäuser inklusive Aufzug folgen, die vom Club in die Pavillons und beim Info-Pavillon auch auf die geplante Dachterrasse hinaufführen.

Markus Riedel erklärt, warum sie den Bunker aufgeschnitten haben: „Der Bunker war 2,60 Meter hoch, durch Installation an der Decke landen wir bei 2,30 Meter. Das funktioniert für einen Club nicht.“ Sie hätten entweder den Boden abtragen oder die Decke öffnen können. Und sich für letzteres entschieden, weil die andere Möglichkeit noch mehr Folgen für die Statik des Bauwerks gehabt hätte. Jetzt werden die Besucher auf der Tanzfläche vier Meter Höhe erleben.

Ab Januar sollen im Bunker Einbauten und Installationen folgen, „bis Mai geht es dann Schlag auf Schlag“, so Riedel, dann kämen Lüftung, Verkabelung und die Möblierung. Die Planungen für die Pavillons liefen schon seit einem halben Jahr parallel, der Bau-Antrag sei abgegeben. Nach der Genehmigung könnten die Arbeiten ausgeschrieben werden. Die Planung für die Parkanlage habe sich wegen der Diskussion um die Bäume nach hinten verschoben. Dabei betont Markus Riedel: „Wir haben die Diskussion sehr ernst genommen.“ Jetzt sollten zwei Bäume erhalten werden. „Ich finde die Entscheidung richtig und gut.“

Keine Festlegung auf Daten
für die Fertigstellung

Trotzdem gebe es Sorgen um die Bäume. Denn sie stünden sehr nah an den Ausgängen des Bunkers, die aber abgerissen werden, und könnten dadurch ihren Halt verlieren, erklärt Riedel. Geplant sei, großzügige Baumbeete zu bauen, deren Rand auch als Sitzgelegenheit dienen kann.

Eine besondere Herausforderung sei auch, auf der 50 bis 100 Zentimeter hohen Schicht über dem Bunker alle notwendigen Einrichtungen unterzubringen wie Lüftungsschächte, Rohre zur Ableitung des Regenwassers und andere Leitungen und dabei Platz zu lassen für eine Bepflanzung.

Auf Daten für eine Fertigstellung will sich Markus Riedel noch nicht festlegen. Er hofft, dass sie im Frühjahr ein konkretes Datum für die Cluberöffnung möglicherweise im Herbst 2020 nennen können. Für den Betrieb bräuchten sie bis zu einem halben Jahr Vorlaufzeit, um etwa DJs zu buchen. Bei den Pavillons ist er noch vorsichtiger, sehe deren Fertigstellung eher erst Anfang 2021.

Zu den Investitionen will sich Markus Riedel nicht äußern. Ihre Kostenschätzung habe sich auf dem Weg von einer ersten Idee bis zur Erkenntnis, wie komplex das Projekt ist, verdoppelt. Seitdem seien sie aber nicht mehr wesentlich gestiegen. „Wir suchen uns nicht immer die billigsten Firmen aus, sondern wollen, dass sie das auch gern machen. Und das funktioniert auch sehr gut.“

Dass sich die Eröffnung des Café Cosa möglicherweise weiter verzögert, „erfüllt mich mit großer Sorge“, sagt Sozialdezernent Stefan Kühn. Denn es fehle der Anlaufpunkt für Menschen aus der Drogenszene. Der Rat habe zwar zusätzliche Streetworker-Stellen genehmigt, aber es fehle ein Platz im Trockenen und die Möglichkeit des Wäschewaschens. Der Ausweichstandort an der Friedrich-Engels-Allee werde von der Szene nicht angenommen: „Das zeigt, dass wir einen solchen Punkt in der City brauchen.“

Kühn betont dennoch, das Projekt des Bunkerumbaus zu einem Club sei „total richtig und gut“. Der Clubbetrieb werde den Bereich beleben und für mehr soziale Kontrolle sorgen. „Das ist eine wahnsinnige Chance für Wuppertal.“

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