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Bürgerbeteiligung: 1,62 Millionen Euro für den Deweerth'schen Garten

Wuppertaler Stadtentwicklung : Bürgerbeteiligung: 1,62 Millionen Euro für den Deweerth’schen Garten

Der Park in Elberfeld soll umgestaltet werden. Der Förderverein wünscht sich mehr Grün - Anlieger wollen vor allem auch mehr Kontrollen.

Für die Stadt ist es eine der wichtigsten innerstädtischen Parkanlagen – und eine der am stärksten frequentierten: Jetzt soll der Deweerth’sche Garten in Elberfeld umgestaltet werden. 1,62 Millionen Euro, davon ein Großteil über Fördermittel, will die Stadt investieren und bei der Planung die Bürger einbinden. Schon im Herbst könnte es  Workshops geben. Die Stadt arbeite an einem Konzept, wie solche Veranstaltungen auch unter Corona-Bedingungen ablaufen können, heißt es. Wenn alles klappt, wird im kommenden Jahr geplant, folgt 2022  die Umsetzung.

Der Deweerth’sche Garten sei quasi ein Paradebeispiel für Bürgerbeteiligung, sagt Michael Gehrke, Abteilungsleiter Freiraumplanung im Rathaus. Zum einen, weil es viele unterschiedliche Nutzer gebe. Zum anderen eben weil er so gut angenommen werde. Gerade bei Studenten und anderen jungen Menschen sei die mit 8000 Quadratmetern eher übersichtliche Fläche sehr beliebt. „Für den langen Aufenthalt suchen sie die Hardt auf, für den kürzeren den Deweerth’schen Garten“, weiß Gehrke. Doch das Areal sei in die Jahre gekommen, vieles habe eben den klassischen 1970er-Jahre Charme. Deshalb  sei die Modernisierung fester Bestandteil der Qualitätsoffensive Innenstadt.

Anlieger wünschen sich mehr Kontrollen - auch abends

Es dürften einige Interessen sein, die die Stadt bei der Planung berücksichtigen muss. Der Förderverein Historische Parkanlagen hat zum Beispiel seit Jahren immer ein Auge auf den Park. Kein Wunder, war er doch 2004 als Förderverein Deweerth’scher Garten gegründet worden – als Bürgerinitiative und aus Protest gegen die Pläne, die dortige Tiefgarage noch einmal zu vergrößern. Letztendlich war der Widerstand vergeblich, die Garage wurde doch erweitert. Ein Gewinn blieb trotzdem: Wuppertal hat seitdem einen Verein, der sich für die Grünanlagen in der Stadt einsetzt – seit einigen Jahren auch im Namen erkennbar.

„Was auffällt, ist, dass immer noch eine große Fläche des ,Gartens’ gepflastert ist“, sagt Michael Felstau vom Vorstand des Vereins. Sein Wunsch: „Es müsste mehr Grün geben.“ Auch Vereinskollegin Birgitte Alexander hofft, dass die Umplanungen mehr in Richtung Parkanlage gehen und nicht Stadtpark. „Der Charakter darf nicht verloren gehen.“ Schließlich sei es die älteste noch existierende Parkanlage in Wuppertal - die allerdings schon mehrfach umgestaltet wurde.

Tischtennisplatte, Bouleanlage oder Spielplatz: Möglichkeiten, etwas im Park zu machen, gibt es einige. „Wir kommen gerne hierhin“, erzählt eine Mutter, die mit ihrer Tochter gerade das Klettergerüst testet. Gerade bei der Staudenfläche hinter den Spielgeräten sieht Gehrke noch Möglichkeiten, etwas zu verbessern. Ansonsten hält er sich mit Details oder konkreten Vorschlägen doch sehr zurück. Man wolle der Bürgerbeteiligung nicht vorgreifen und sei „gespannt auf die Ideen“.

Auch wenn die Flächen begrenzt seien, „der Deweerth’sche Garten hat Potenzial“, ist Felstau überzeugt. Warum die Boulefläche zum Beispiel die schöne Liegewiese beschneide, sei für ihn nicht nachvollziehbar. „Vielleicht lässt sie sich ja verlegen.“ Bürgerbeteiligung sei ja bewusst „offen“ gehalten und könne Prozesse anstoßen. Sie mache zum Beispiel nicht vor dem Thema Parkplätze halt, hat Felstau die angrenzende Luisenstraße im Blick. Und natürlich sei da der Wunsch nach öffentlichen Toiletten. „Die fehlen hier sehr.“

Interesse daran, wie sich der Deweerth’sche Garten entwickelt, hat Jörg Eckhardt Kuznik. „Der gehört praktisch zum Luisenviertel“, erklärt der Vorsitzender der IG Luisenstraße. Seine Hoffnung: Mit einer Umgestaltung würde sich vielleicht auch das Publikum dort etwas ändern. Denn da sind sich alle Beteiligten einig: Gerade in den Abendstunden gibt es immer wieder Probleme durch, wie einige es nennen, „Saufgelage“. Lärm, Müll, Vandalismus, mitunter Schlägereien und Polizeieinsätze inklusive.

Erst am vergangenen Wochenenden musste die Polizei in der Nacht zu Samstag gleich zwei Mal ausrücken. Anwohner sprachen von „Wild-West-Szenen“. Wie ein Polizeisprecher bestätigt, stand der Verdacht der gefährlichen Körperverletzung im Raum, mutmaßliche Täter „konnten festgestellt werden“. Natürlich habe bei zumindest einer der Taten Alkohol eine Rolle gespielt. Laut Polizei, aber auch städtischem Ordnungsamt, sei der Deweerth’sche Garten allerdings nicht auffälliger als andere öffentliche Anlagen. Die Anlieger selbst sehen das ein bisschen anders. Ein oft gehörter Wunsch beim WZ-Rundgang: „Es muss mehr Kontrollen geben, auch abends.“ Das Thema dürfte  bei der Bürgerbeteiligung eine Rolle spielen. Das Miteinander der unterschiedlichen Nutzergruppen funktioniere grundsätzlich gut, sagt Gehrke. „Aber es droht zu kippen.“ » S. 25