Bühnen brauchen ein klares Bekenntnis

Bühnen brauchen ein klares Bekenntnis

Das erste Gutachten zur Zukunft des Wuppertaler Theaters hat eine Diskussion in Gang gesetzt, die Weg weisend ist. Was befürchtet wurde, hat sich bewahrheitet: Den Bühnen geht es an die Substanz. Nun gilt es, abzuwägen und Weichen zu stellen.

Wie wichtig ist Wuppertalern Kultur, Tradition und nicht zuletzt das eigene Image? Wer dafür ist, eine Sparte zu schließen, kann vielleicht eine andere langfristig retten, muss aber auch bedenken: Der Teil-Rückzug dürfte endgültig sein. Man kann keine Sparte schließen und nach einigen Jahren unversehens zu neuem Leben erwecken. Was einmal gestrichen wurde, ist weg.

Auch die Hoffnung, durch eingekaufte Tournee-Produktionen einen Teil der Lücke schließen zu können, ist trügerisch. Letzten Endes ist es eine Qualitätsfrage: Gastspiele können ein eigenes Ensemble nicht ersetzen. Sollte die Schauspiel-Sparte aufgegeben werden, ist das das Ende eines gerade begonnenen Aufbruchs. Wird hingegen die Oper aufgelöst, gibt es auch dort keine eigene Wuppertaler Note mehr. Aus Sicht des Publikums würden Identifikationsfiguren im Ensemble fehlen. Und wo der Spielplan schmilzt, schwindet auch das Publikum: Es ist anzunehmen, dass die Bühnen als Ein-Sparten-Haus einen Teil ihrer Zuschauer verlieren. Denn: Zwei Sparten haben mehr Vielfalt im Spielplan und damit auch eine breitere Zielgruppe. In Zeiten, in denen Bühnen ohnehin landesweit klagen, dass junge Gäste fehlen, wäre die Schließung einer Sparte ein womöglich finanziell unausweichlicher Schritt, aber auch ein fatales Zeichen.

Ebenso verhängnisvoll ist, dass auch der andere Weg keine Königslösung darstellt. Selbst wenn beide Sparten erhalten bleiben, muss der Spielplan drastisch gekürzt werden. Für Künstler wird es in jedem Fall einen geringeren Anreiz geben, im Tal Theater zu machen. Weniger Vorstellungen bedeuten weniger Einsätze, weniger große Rollen und weniger Renommee. Es dürfte in Zukunft erheblich schwieriger werden, ein qualitativ hochwertiges Ensemble zu halten. Auch deshalb muss die Entscheidung, ob die städtischen Zuschüsse tatsächlich, wie geplant, stark gekürzt und welche der durchgespielten Einschnitte dann Realität werden, gut überlegt sein. Am Ende sollte sie kein fader Kompromiss, sondern ein klares Bekenntnis sein - entweder zu einem Ein- oder Zwei-Sparten-Haus. Ein ebenso deutliches Bekenntnis müsste dann auch eine mögliche Kooperation sein.

Mehr von Westdeutsche Zeitung