Bücherei in der Wuppertaler Johanneskirche feiert 50-jähriges Bestehen

Jubiläum : Bücherei in der Johanneskirche feiert ihr 50-jähriges Bestehen

Die öffentliche Einrichtung wird von Ehrenamtlichen betrieben, die für das Schmökern brennen.

Ende der 60er Jahre wurden zahlreiche Büchereien gegründet. Die Menschen waren satt und hatten Arbeit, es gab eine Aufbruchstimmung für mehr Bildung. 1969 wurde in Elberfeld die Evangelische Öffentliche Bücherei Johanneskirche gegründet. Sie feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Drei Büchereien in der Gemeinde gibt es hingehen bereits nicht mehr. Das liegt daran, dass Ehrenamtliche fehlen, die sich engagieren wollen.

Eine, die seit fast 25 Jahren den Betrieb der Evangelischen Öffentlichen Bücherei Johanneskirche aufrecht erhält, ist Ursula Schwöbel. Die Leiterin der Bücherei engagiert sich seit 1995 in Sachen Lesen. Unterstützt wird sie dabei von einem Team aus zehn Ehrenamtlichen. Auf 42 Quadratmetern bietet die Öffentliche Bücherei in der Johanneskirche 3000 Medien an. „Angefangen haben wir mit Büchern, schnell kamen Spiele dazu. Als Kassetten ins Repertoire aufgenommen werden sollten, gab es fast einen Aufstand“, sagt Schwöbel, die seit 2000 die Bücherei leitet. Ausgeliehen werden können auch CDs und DVDs für Kinder und Erwachsene.

Die Medien werden regelmäßig ausgetauscht, so dass alte und wenig gelesene Bücher aussortiert und neue aufgenommen werden. „Manche Bücher, die nicht gelesen werden, stellen wir manchmal besonders in den Fokus, weil wir finden, dass sie noch gelesen werden müssten“, sagt Ursula Schwöbel. Das Team arbeitet auch mit Empfehlungen. „Wir kennen unsere Leser und überlegen uns, wer was gerne lesen könnte.“

Kooperationen sollen
Kinder ans Lesen heranführen

Denn Lesen gehört für Ursula Schwöbel einfach dazu. Schmökern, wie sie selbst am liebsten sagt. Es ist für sie die Möglichkeit, in andere Welten einzutauchen. „Wenn mir die Sprache und die Geschichte gefällt und diese dann in einen historischen Kontext eingebettet ist, dann ist Lesen auch ein Stückchen Bildung, durch die man sich entwickeln kann“, sagt Schwöbel.

Deshalb bemüht sich das Team um Ursula Schwöbel bereits früh um neue Leser. Die Bücherei arbeitet mit dem evangelischen, dem katholischen und dem deutsch-französischen Kindergarten zusammen. „Wir lesen den Kindern vor, anschließend können sie noch schmökern oder ein Buch ausleihen“, sagt sie. Die Kinder sollen möglichst früh an das Lesen herangeführt werden, damit sie mit dem „Lesefieber“ infiziert werden. Für die Schüler der zweiten Klasse der GGS Kuellenhahner Straße bietet die evangelische Bücherei Klassenführungen an. Der Junior-Lese-Club soll die Schüler motivieren, in den Sommerferien mindestens drei Bücher zu lesen und anschließend zu erzählen, worum es geht. „Da bricht manchmal auch ein Wettkampf aus. Die Spitze war ein Kind, das in den Ferien 20 Bücher gelesen hatte“, so Schwöbel. Für die Teilnehmer gibt es eine Abschlussfeier mit Preisverleihung.

„Neben der Ausleihe macht die Öffentlichkeitsarbeit die Hauptarbeit aus“, sagt sie. Anregungen, wie junge und alte Menschen zum Lesen bewegt werden können, bekommen Ursula Schwöbel und ihr Team von der Büchereifachstelle der Evangelischen Landeskirche im Rheinland. „Tagungen und Fortbildungen geben uns Impulse, wie wir die Büchereiarbeit lebendig halten können“, sagt Schwöbel. Qualifizierte Arbeit könnten die Ehrenamtler nur leisten, weil sie diese Unterstützung bekommen. „Deshalb ist es sehr schade, dass die Büchereifachstelle wegfallen wird.“ Die Evangelische Landeskirche im Rheinland hatte im Rahmen der Haushaltskonsolidierung beschlossen, die Stelle 2022 zu streichen. „Es soll aber adäquate Ersatzlösungen geben, um die öffentlichen Büchereien weiter zu unterstützen“, sagt Wolfgang Beiderwieden, stellvertretender Pressesprecher der Evangelischen Landeskirche im Rheinland. Wie diese aussehen wird, sei aber noch unklar.

Zunächst steht aber das 50-jährige Bestehen der Öffentlichen Bücherei Johanneskirche im Mittelpunkt und wird mit zwei Festen gefeiert: Am 10. März findet im Gemeindezentrum an der Altenberger Str. 25 ein „Büchereifest für Klein und Groß“ statt. Höhepunkt ist die Verleihung der Preise für Geschichten des Schreibwettbewerbs zum Thema „Eule, Buch und Sonnencreme“. „Die schönsten Geschichten werden vorgelesen“, sagt Schwöbel. Anschließend führt Müllers Marionettentheater das Märchen vom gestiefelten Kater auf. Zwei Wochen später, am 24. März, widmet sich ein Literaturgottesdienst anlässlich des Jubiläums dem Buch „Das Labyrinth der Wörter“ von Marie-Sabine Roger. Darin kommt auch das Thema Entwicklung durch Lesen vor – ein Herzensthema für Ursula Schwöbel.