Bücher-Box: Ein Geben und Nehmen am Laurentiusplatz

Bücher-Box: Ein Geben und Nehmen am Laurentiusplatz

Wuppertaler können seit Dienstag Bücher in einen Schrank stellen und andere mitnehmen.

Elberfeld. Für Bücherfreunde und Leseratten gibt es eine neue Anlaufstelle in der Stadt. Wer auf der Suche nach frischem Lesestoff ist, der kann seit dem heutigen Dienstag an der Bücher-Box fündig werden, die auf dem Laurentiusplatz gegenüber der Buchhandlung v. Mackensen steht.

Michael Kozinowski, Inhaber der Buchhandlung, sieht in dem Schrank eine Bereicherung und keine Konkurrenz.. „Ich freue mich über jeden, der liest.“ Damit es immer mehr Bücherfreunde werden, finanzierte die Wolf-Erlbruch-Stiftung den öffentlichen Bücherschrank. Am Düsseldorfer Rheinufer hat Wolf Erlbruch einen Prototyp gesehen und daraufhin beschlossen, diese Idee auch in Wuppertal zu verwirklichen. „Es ist ein sozialer Schrank. Das Ganze funktioniert wie ein Tauschgeschäft, bei dem ein Ausgleich zwischen Geben und Nehmen entstehen soll“, erzählt Erlbruch.

Jeder kann sich Bücher ausleihen und lesen und natürlich auch eigene Exemplare hineinstellen. Damit möglichst viele Leser direkt in einen Dialog mit einem Buch treten können, sind momentan schon etwa 300 Bücher im Schrank deponiert — Spenden der Erlbruch-Stiftung, der Wuppertaler Tafel, der Stadtbibliothek oder von Privatpersonen. Schon bei der Einweihung kamen Passanten mit einem Buch unter dem Arm vorbei, um es in den Schrank zu stellen.

„Beim Lesen ist man gefordert, sich mit den Gedanken anderer zu beschäftigen und es entstehen eigene Bilder im Kopf“, sagt Erlbruch. Damit dieser Dialog mit dem Buch möglichst früh beginnt, ist den Initiatoren die Nähe zu Kindern besonders wichtig.

Ingeborg Hanten von der Grundschule Marienstraße ist mit einer vierten Klasse bei der Einweihung dabei und übernimmt vorerst die Betreuung des Schrankes. Denn offen ist man für grundsätzlich für jede Spende, Grenzen setzen jedoch der Jugendschutz oder das sittliche Empfinden.

Erlbruch ist ganz zufrieden mit dem Auftakt: „Die Eröffnung war ganz prima, es waren viel Leute da, die auch noch zwei Stunden später am Schrank standen:“ Jetzt will Erlbruch abwarten, wie sich das Konzept in Wuppertal entwickelt. „Es ist ein Pilotprojekt für die Stadt, aber es wird sich irgendwann einspielen.“ Wird die Box ein Erfolg, könnte sich Erlbruch auch weitere in Wuppertal vorstellen.

Je nach dem Umfang der Bücher fasst die Bücher-Box zwischen 400 bis 500 Exemplare. Rund 6000 Euro kostet die kleine Version, 8000 Euro die Groß-Box. Entworfen und hergestellt hat sie der Kölner Architekt Hans-Jürgen Greve, der in Kürze seine sechzigste Box aus wetterfestem Stahl in Düsseldorf aufstellen wird.

2005 sah Greve in Bonn einen Bücherschrank, der dort 2003 aufgestellt wurde. „Der war beschädigt, da habe ich gedacht, dass das eigentlich zu schade ist.“ Der Architekt entwarf seinen Prototypen mit Schiebetüren, die er seit 2006 produziert. Damit die Idee funktioniert sind Paten wie die Wolf-Erlbruch-Stiftung wichtig. „Es stellen zwar viele Leute Bücher in den Schrank, aber die Paten müssen aufpassen.“ Das schlimmste sei, wenn keiner mehr die Box besucht, weil nur mindere Qualität drinsteht.

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