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Kloster: Bruder Dirk: „Von mir aus könnte Weihnachten nur alle fünf Jahre sein“

Kloster : Bruder Dirk: „Von mir aus könnte Weihnachten nur alle fünf Jahre sein“

Für den Mönch sind die Feiertage im Kloster Beyenburg mit viel Stress verbunden.

Wer glaubt, dass Wuppertals letzter Mönch, Bruder Dirk, über die Weihnachtstage alleine in seinem Kloster sitzt und ein paar stille Tage genießt, der irrt gewaltig. Dirk Wasserfuhr hat rund um die Feiertage einen prall gefüllten Terminkalender. Das führt dazu, dass der Geistliche das Fest der Feste durchaus kritisch hinterfragt. Bruder Dirk sagt: „An Weihnachten passiert so viel drumherum - und für das Wesentliche hat man gar keine Zeit.“ Daher gesteht Bruder Dirk, dass sein eigentliches Weihnachten - also die Zeit der Besinnlichkeit und die Reflektion des christlichen Glaubens - erst am Nachmittag des zweiten Weihnachtstages beginnt. Bruder Dirk lacht: „Von mir aus könnte Weihnachten nur alle fünf Jahre sein.“

Schon längst haben für das letzte Mitglied des Kreuzherrenordens in Wuppertal die Vorbereitungen begonnen: Bäume, Krippe und Weihnachtsschmuck wollen akkurat und mit Gespür fürs Detail in der Klosterkirche arrangiert werden. Bruder Dirk weiß: „Die Leute erwarten, dass an Heiligabend alles perfekt ist.“

Am 24. Dezember um 15.30 Uhr ist der Mönch das erste Mal gefragt, denn dann leitet er in der Kirche St. Maria-Magdalena die Kinder-Krippenfeier. „Zu dem Zeitpunkt ist es hier immer brechend voll, da komme ich kaum noch durch die Kirche“, sagt der Geistliche. In dem Gotteshaus gibt es 180 Sitzplätze, doch jedes Jahr kommen bis zu 300 Besucher an Heiligabend. Zumindest die Predigt macht dem erfahrenen Bruder keine großen Kopfzerbrechen. „Ich mache mir zwar vorher Gedanken, aber ich schreibe nie etwas auf“, sagt er. Er merke es sofort, wenn ein Kollege mal „eine alte Predigt aus der Schublade geholt hat“. Um das zu umgehen, komme in seine Schublade erst gar keine Predigt.

Nach einem Liedersingen beginnt um 18 Uhr die Christmette. Dann sieht Bruder Dirk immer wieder Gesichter, die er ansonsten das ganze Jahr in der Kirche vermisst. Da scheut der Mönch keine kritischen Worte: „Ich habe das Gefühl, dass manche Menschen an diesem Tag in die Kirche kommen, sich zurücklehnen und sagen: Jetzt kann die heilige Show starten.“ Doch der Gottesdienst sei kein Fernsehprogramm. „Ich würde mir mehr Mitmach-Mentalität wünschen.“ Das fange schon beim Singen an. Der Bruder sehe genau, wenn da manche mit geschlossenem Mund intonieren.

Bruder Dirk wünscht sich nichts
und wird trotzdem beschenkt

Nach anderthalb Stunden ist der Zauber vorbei und für Bruder Dirk beginnt ein kleines Stück private Weihnacht. „Ich gehe dann zu meinem Bruder zum Essen“, sagt der Mönch. Was es gibt? „Zu viel“, antwortet er. Im familiären Rahmen werden auch kleine Geschenke ausgetauscht. Doch Bruder Dirk gibt zu, dass er schwer zu beschenken ist. Das hängt mit seiner Lebensphilosophie als Mönch zusammen: „Ich habe doch alles.“ Er zeigt auf seine Kutte: „Kleidung kann man mir auch schlecht schenken.“

Lange geht der Abend nicht, denn am Ersten Weihnachtstag ist frühes Aufstehen angesagt. Denn um 7 Uhr findet in Heckinghausen die Hirtenmesse statt. Anschließend kümmert sich Bruder Dirk - wie jeden Tag - um kranke Menschen. Derzeit pflegt er vier Beyenburger. Um 9.45 Uhr steht dann schon wieder die große Weihnachtsmesse in der Klosterkirche an. Danach sieht der Bruder noch den ganzen Tag über in der Kirche nach dem Rechten, denn viele Menschen besuchen an Weihnachten die Krippe in Beyenburg, die auch im Krippenführer des Erzbistums Köln hervorgehoben wird.

Den Abschluss des Programms stellt am Zweiten Weihnachtstag der Krippengang nach Hengsten dar. „Das ist eine etwa 15 Jahre alte Tradition“, sagt Bruder Dirk. Um 17.30 Uhr ziehen 100 bis 150 Beyenburger singend und mit Pechfackeln in der Hand zum Stall nach Hengsten. An der dortigen Krippe hält Bruder Dirk seine letzte Weihnachtsansprache, es gibt Glühwein, Kinderpunsch und ein Buffet der einladenden Hausherren. Zurück in Beyenburg splittet sich eine kleine Gruppe der Krippengänger ab und zieht noch um die Häuser  - Weihnachtslieder singen. Bruder Dirk berichtet: „Wir klingeln an den Häusern und singen so lange, bis wir einen Schnaps bekommen.“ Dass das der Lieblingsprogrammpunkt des Mönchs ist, kann er nicht verhehlen: „Da wird immer viel gelacht.“

Diese gelockerte Stimmung gefällt ihm gut. Er kennt sie auch von der Jahresschlussmesse am 31. Dezember. Dirk Wasserfuhr glaubt, dass das damit zusammenhängt, dass die Weihnachtstage hinter den Menschen liegen. „Für viele ist ja Weihnachten auch Stress“, sagt er. Er persönlich hätte nichts dagegen, Weihnachten mal ganz anders zu feiern. „Ich könnte mir vorstellen, am Zweiten Weihnachtstag einfach eine große Party zu schmeißen und damit an Weihnachten mehr der Freude einen Ausdruck zu verleihen“, sagt Bruder Dirk. Doch er wisse, dass das nicht so gut ankommen würde. „Die Leute würden mir den Vogel zeigen.“