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Bruder Dirk plant eine besondere Prozession durch Wuppertal-Beyenburg

Christi Himmelfahrt : Bruder Dirk plant eine besondere Prozession durch Wuppertal-Beyenburg

Damit sich niemand ansteckt, wird es eine kleine Alternative für die Bewohner des Stadtteils geben.

Eigentlich ist Christi Himmelfahrt immer DAS Fest in Beyenburg. Die Straßen sind mit Blumen geschmückt, zahlreiche Gäste aus den umliegenden Stadtteilen kommen, um die festliche Prozession mit vielen Vereinen und Gruppierungen, Fahnen und uniformierten Schützen zu sehen. Kirmesbuden und -fahrgeschäfte sind aufgebaut, im ganzen Ort herrscht Feststimmung. „Dieses Jahr ist alles anders“, bedauert Bruder Dirk Wasserfuhr, Mönch des katholischen Kreuzherren-Ordens in Beyenburg. Menschenansammlungen sind wegen der Ansteckungsgefahr verboten. Deshalb haben sich die Gläubigen andere Möglichkeiten überlegt, ihre auf das Jahr 1447 zurückreichende Tradition zu leben.

Bereits am Mittwochabend feiern die Katholiken auf dem Friedhof Bilstein eine Vorabendmesse. „Unter freiem Himmel können wir uns etwas freier bewegen“, erklärt Bruder Dirk. Am Donnerstag hat er Sorge, dass viele Menschen aus Gewohnheit nach Beyenburg kommen, insbesondere bei schönem Wetter. Deshalb wurde der Gottesdienst auf diese ungewohnte Zeit verlegt.

Seit 1945 fällt die Prozession
das erste Mal aus

Eine kleine Variante von Prozession soll es auch am Donnerstag geben: Mit einem Cabrio wird die Monstranz durch Beyenburg gefahren. An 14 Stationen hält das Fahrzeug an und der Priester spendet den Menschen den Segen. „So können die Leute vom Fenster oder von der Eingangstür aus auf die Monstranz schauen“, sagt Bruder Dirk. Zu welchem Zeitpunkt die Fahrt stattfindet, hält er geheim – er möchte keine zusätzlichen Gäste anziehen. Diese besondere Prozession findet jedoch nur bei gutem Wetter statt.

Seit 1945 ist es das erste Mal, dass die große Christi Himmelfahrts-Prozession durch Beyenburg ausfällt. Damals hatten die Siegermächte die Versammlung verboten. Nach einiger Diskussion durften die Gläubigen schließlich dreimal um die Kirche ziehen. Seitdem fand die feierliche Prozession jedes Jahr statt. „Natürlich sind die Beyenburger traurig – das ist ein Stück Heimat, das dieses Jahr fehlt“, sagt Bruder Dirk.

Die Prozession ist nicht das einzige Ereignis, das abgesagt werden muss: Das Pfarrfest und das Schützenfest können nicht gefeiert werden. „Das wird ein Sabbatjahr“, sagt Bruder Dirk. Er ist froh, dass ab 20. Mai zumindest wieder Gottesdienste stattfinden können. Allerdings dürfen nur 30 Personen in die Klosterkirche.

Die Beyenburger Kirche steht Besuchern täglich von 10 bis 17 Uhr offen. „Wir haben versucht, so einladend wie möglich zu wirken“, betont Bruder Dirk. „Es ist erstaunlich, wie viele Menschen kommen.“ Gerade in den ersten Wochen der Pandemie seien deutlich mehr Radfahrer und Spaziergänger als in normalen Zeiten vorbeigekommen und hätten die Gelegenheit genutzt, in der Kirche zur Ruhe zu kommen. Auch die berühmte Eierkrone hängt noch bis Pfingsten in der Klosterkirche.

Vor der Kirche hat Bruder Dirk einen Ostergarten angelegt: Aus Steinen und Holzmehl hat er eine riesige Schnecke gelegt. Die Kinder des benachbarten Kindergartens haben zu Hause Steine hübsch bemalt und in diese Schnecke gelegt. „Das sind über 200 Steine, teils sehr künstlerisch gestaltet“. Zu Ostern hatte er für die Kinder auch eine Rallye gestaltet, die begeistert angenommen wurde. Jetzt hat Bruder Dirk auch für die Erwachsenen zwei Rallyes konzipiert.