Brötchen und Kaffee satt: Bäcker boomen am Bahnhof

Hauptbahnhof: Brötchen und Kaffee satt: Bäcker boomen am Bahnhof

Mit der Eröffnung von Büsch gibt es jetzt den vierten Anbieter von Backwaren. Kommen noch mehr?

. Erst schien sich in der Bahnhofshalle am Wuppertaler Hauptbahnhof nichts zu tun. Jetzt im Oktober gibt es doch Imbissläden, ein Pressegeschäft, ein Reformhaus - und Bäckereien.

Rechnet man das BackWerk-Geschäft kurz nach dem Ausgang der Bahnhofs-Mall dazu, gibt es jetzt mit der Eröffnung der Bäckerei Büsch zusammen mit den Filialen von Kamps und Ditsch den vierten Backwarenanbieter am Bahnhof.

„Für mich ist das schwer nachvollziehbar“, sagt Ralf Engel, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Wuppertal. „Die werden sich aber schon was dabei denken“, sagt er.

Nach Meinung von Wirtschaftsförderer Marco Trienes machen die Bäcker das sogar ganz aktiv und bewusst.

„Ich glaube auch, dass wir da in dieser Hinsicht noch keinen hohen Besatz haben“, sagt er. Mit Blick auf andere Hauptbahnhöfe sagt Trienes, dass es „noch Luft nach oben“ gebe.

Für Trienes hat das mehrere Gründe. Da ist einmal der Trend zum verstärkten Konsum von Convenience-Produkten, also verzehrfertigen Lebensmitteln. Diesen Trend würden die Bäckereien natürlich nutzen und befördern, meint Trienes.

Auf der anderen Seite stehe die relative Marktmacht der Convenience-Food-Anbieter. „Ich denke schon, dass zum Beispiel der Mietpreis in der Bahnhofs-Mall auch eine selektive Wirkung hat“, sagt Trienes. Franchise-Unternehmen, wie beispielsweise im Backbereich, hätten dabei schlicht eine höhere Finanzkraft.

Büsch: „Wir haben nur
eine Pause eingelegt“

„Und man muss auch sehen, dass sich solche Konzepte in den Bahnhöfen einfach bewährt haben“, sagt Trienes. Vermutlich verfolge die Bahn daher ein bestimmtes Mall-Konzept. Und natürlich nicht nur mit den Backwaren-Anbietern zusammen. Welches Konzept die Deutsche Bahn als Vermieterin der Bahnhofshalle verfolgt, ist allerdings unklar.

„Aber wir wussten natürlich, wer da noch reinkommt“, sagt Siegrid Baum, Unternehmenssprecherin der jetzt neu eröffneten Bäckerei Büsch. „Und wir waren ja auch schon vorher am Wuppertaler Hauptbahnhof aktiv und haben nur eine Pause gemacht“, sagt sie. Der Mietvertrag habe aber weiter bestanden. „Und natürlich gehen wir davon aus, dass wir auch in Zukunft wieder so erfolgreich sein werden wie vor dem Umbau“, sagt Baum. Sie führt den Erfolg darauf zurück, dass Büsch dort als „einziger handwerklicher Backbetrieb“ eine Nische besetze.

Marco Trienes von der Wirtschaftsförderung hat eine simplere Erklärung. „Es gilt immer noch, dass bei einer hohen Passantenfrequenz natürlich auch die Kauffrequenz steigt“, sagt er. Und gerade der Döppersberg entwickle sich zu einem Hochfrequenz-Bereich. „Und das wird noch deutlich mehr werden, wenn Ende des Jahres der Busbahnhof Döppersberg fertig wird und irgendwann Primark öffnet“, sagt Trienes.

Durchaus möglich also, dass dann noch ein weiterer Anbieter von Backwaren die Bahnhofshallen-Bühne betritt. Für Siegrid Baum von der Bäckerei Büsch kein Problem. „Wir sind die Konkurrenz, gerade an den Bahnhöfen, gewöhnt und machen uns keine Sorgen“, sagt sie.

Mehr von Westdeutsche Zeitung