Bravo-Rufe für junge Musiker

Bravo-Rufe für junge Musiker

Sinfoniekonzert der Musikhochschule beeindruckte mit hohem technischen Niveau und relativ modernem Programm.

Selten zu hörende Werke und eine ungewöhnliche Erstaufführung gepaart mit einem hohen technischem Niveau bot das Sinfoniekonzert der Musikhochschule in der Stadthalle. Die Volksbühne hatte die jungen Musiker eingeladen. „Ich freue mich sehr, dass der Saal so voll ist und das Publikum so begeistert“, lobte der Volksbühnen-Vorsitzende Michael Braun. Trotz des durchgehend relativ modernen Programms bejubelten die Zuschauer das Orchester der Wuppertaler Musikhochschule mit vielen Bravo-Rufen und lang anhaltendem Beifall. Mit Julia Jones leitete „zum ersten Mal seit 1994“ ein Generalmusikdirektor das Orchester, wie Musikhochschuldirektor Lutz-Werner Hesse erklärte.

Der in Elberfeld aufgewachsene Günter Wand wurde als Dirigent berühmt, besonders mit seinen Aufführungen von Bruckner-Sinfonien. Während seiner Zeit als Kapellmeister des Wuppertaler Opernhauses von 1932 bis 1934 komponierte er jedoch auch kleine Gebrauchsstücke. Lutz-Werner Hesse hat nun eine Ballettmusik op. 6 ausgegraben, die Wand vermutlich als Zwischenmusik für die Oper „Das Nachtlager in Granada“ des romantischen Komponisten Konradin Kreutzer schrieb.

Die drei munteren, kurzen Sätze sind klar gegliedert und von Schlagzeug dominiert. Wand moduliert kleine Motive und wendet sich dann der nächsten Stimmung zu. Das Moderato gestaltete Julia Jones sehr schön zart und klingend, mit schönen Harfen-Tupfern. Beim Presto furioso fehlte etwas die Wucht des „wütenden“. Insgesamt aber präsentierte sich die Ballettmusik als abwechslungsreiches und hübsches Stück.

Aufmerksamkeit erheischte das „Concert fantastique“ von Rolf Martinsson (*1956). Schrille Klangfarben, breite Klangwolken und aufgeregte Läufe bestimmen dieses Klarinettenkonzert. Andreas Hermanski aus der Klasse Nicolai Pfeffer gestaltete das Solo mit flinken Fingern, schnellem Zungenschlag und durchgehend schönem Ton — angesichts der pausenlosen Kaskaden und extremen Tonlagen eine beeindruckende Leistung. Mit seinen Solo-Kadenzen umschmeichelte er das Publikum. Das Orchester war Andreas Hermanski ein guter Partner. Trotz der vielen und durch alle Instrumentengruppen verteilten Floskeln hielt Julia Jones die Musiker gut zusammen.

Mit Frank Martins „Ballade“ für Flöte und Streichorchester mit Klavier und Harfe von 1939/41 präsentierte sich Richard Schwarz aus der Klasse Dirk Peppel dem Publikum. Konzentriert spielte er das exaltierte Werk mit sehr unterschiedlichen, aber immer wunderschönen Klangfarben; mal horchte er den Tönen nach, dann wieder blies er bestimmt und fordernd.

Nach der Pause dirigierte Julia Jones die Sinfonie Nr. 5 Es-Dur op. 82 von Jean Sibelius. Am Anfang fiel es dem Orchester schwer, den weiten, durchsichtigen Klang dieser nordischen Welt zu schaffen. Die jungen Musiker — sonst eher auf solistisches Spiel getrimmt — hatten Schwierigkeiten damit, die Begleitmotive unauffällig in das große Ganze einzufügen, sich in die Gruppe einzufühlen. Vieles klang sehr vordergründig, der geheimnisvolle Zauber von Sibelius wollte sich nicht einstellen.

Doch im zweiten und dritten Satz kamen die Musiker besser im Stück an. Die Pizzicati waren sehr gut zusammen und schön phrasiert. Gut nahmen die Instrumentalisten die vielen Tempowechsel von Julia Jones ab. Der spannungsgeladene, sirrende Klang des Allegro molto führte zu einem rauschenden Schlussapplaus, dem allerdings keine Zugabe gewährt wurde.

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