Bonobo Bili: Taschenkontrollen bei Diskussion in Wuppertaler Citykirche

Citykirche : Taschenkontrollen bei Podiumsdiskussion über Bonobo Bili

Vor der Podiumsdiskussion in der Citykirche am Donnerstag wurden aus Sicherheitsgründen die Taschen der Besucher kontrolliert. Grund waren auch die Morddrohungen gegen Zoodirektor Arne Lawrenz.

Eigentlich soll an diesem Abend in der evangelischen City-Kirche über Tierschutz gesprochen werden, doch in Wuppertal ist das Thema – vor dem Hintergrund der Diskussion um das Schicksal des Bonobo Bili im Grünen Zoo – offenbar derart eskaliert, dass sich die Veranstalter Sorgen um den Menschenschutz machen. Am Eingang zum Kirchenraum werden die Taschen aller Besucher überprüft. So soll verhindert werden, dass jemand Waffen hineinschmuggelt. Immerhin hat Zoodirektor Arne Lawrenz nach den Vorfällen rund um Bili Morddrohungen erhalten. Dass Lawrenz zugleich mit Krücken in den Kirchenraum kommt, sorgt für eine zusätzliche symbolische Überhöhung.

Veranstaltet wurde die Diskussion am Donnerstag von dem bundesweit aktiven Verein Politiksprecher, der sich um eine streitbare und faire Debattenkultur bemüht. Dass die Situation in Wuppertal außergewöhnlich ist, verschweigt Moderator Marcus Kiesel nicht. „Es ist das erste Mal, dass wir Polizei und Security dazuholen mussten“, erklärt er. Von außen aufgerüstet, bemüht er sich zugleich um innere Diskursbefriedung. Er sei schon glücklich, dass alles „so zivilisiert“ abläuft, gesteht er.

Aus dem Publikum gibt es immer wieder lautstarke Zwischenrufe

In der Gesprächsrunde werden die Parteien nach Positionen getrennt: Links von Moderator Kiesel sitzen Lawrenz und der Göttinger Primatenforscher Sascha Knauf, rechts davon als Vertreter des Tierschutzes die Aktivistin Suzanne Heimrath und Thomas Schwarz, der für die im Düsseldorfer Stadtrat vertretene Fraktion Tierschutz Freie Wähler spricht. Zwischen den Lagern sitzt die Journalistin Nina Bossy – sie versucht erkennbar, eine vermittelnde Position einzunehmen.

Das Vermitteln zwischen den Lagern scheint dringend geboten und gelingt doch bestenfalls in Ansätzen – zu festgefahren sind die Postionen, zu groß bei manchem das Bedürfnis, die eigene Echokammer nicht zu verlassen. Vor allem aufseiten der Tierschützer scheint wenig Bereitschaft, die Einschätzungen und die „Expertise“ (Bossy) der anderen Seite anzuerkennen. So gibt es vor allem aus den Reihen der Tierfreunde im Publikum immer wieder lautstarken Widerspruch, vor allem wenn Lawrenz sich äußert.

Dabei hat der Zoodirektor an dem Abend doch scheinbar Positives zu vermelden. Der aus Frankfurt nach Wuppertal gekommene Bili integriere sich mittlerweile besser in seine Bonobo-Gruppe. Es gebe „extremst viele positive Aktionen“, die die Hoffnung nährten, dass die Eingewöhnung des neuen Männchens gelingt. Dazu hat Lawrenz auch Fotos und Videos mitgebracht. Gleichwohl sei nicht auszuschließen, dass es wieder Streit und Verletzungen in der Gruppe geben könne – das gehöre zum Sozialverhalten der Menschenaffen und komme auch in freier Wildbahn vor. Zudem verweist er darauf, dass die Tierhaltung in einem Zoo dem Artenschutz diene. Der Zoo sei ein „Bullauge zur Natur“ und schaffe eine „Reservepopulation“, um die vom Aussterben bedrohte Affenrasse zu erhalten.

Bei der Gegenseite verfangen diese Argumente freilich nicht. Heimrath bezeichnet die Situation im Affenhaus des Wuppertaler Zoos als „unter aller Kanone“. Wenn sie den Gorillas ins Gesicht schaue, sage ihr die Mimik: „Ich habe keinen Bock mehr!“ Auch für Mitdiskutant Schwarz ist ein Zoo „ein No-Go“. Für ihn hat Artenschutz außerdem „nichts mit Tierschutz zu tun“.

Mehr von Westdeutsche Zeitung