Bonobo Bili aus dem Wuppertaler Zoo verursacht Kolumnist Uwe Becker Albträume

Begrabt mein Herz in Wuppertal : Bonobo Bili aus dem Wuppertaler Zoo verursacht Kolumnist Uwe Becker Albträume

Das Drama um Bonobo Bili hat WZ-Kolumnist Uwe Becker einen kafkaesken Albtraum beschert.

Jetzt schreibe ich doch wieder über die Tierwelt, obgleich ich es nicht mehr wollte, sah ich mich doch in den letzten Tagen Anfeindungen von Tierschützern ausgesetzt, weil ich dem Wuppertaler Zoo den Rücken gestärkt hatte, da dieser an der Integration des Bonobo-Männchen „Bili“ festhält. Am Samstagmorgen las ich nämlich, dass der Zoo sich über prächtigen Nachwuchs freuen darf. Bereits Mitte Januar kam der kleinen Okapi-Bulle, den die Tierpfleger „Thabo“ getauft haben, komplikationsfrei zur Welt.

Die vielen Proteste gegen unseren Grünen Zoo, ihren Direktor und die Mitarbeiter, die am Ende auch in Morddrohungen mündeten, gingen mir entschieden zu weit. Ähnlich wie bei den Bonobos, geht es auch bei den Okapis vordringlich um Arterhaltung. Die Geburt des Okapi-Bullen ist ein wichtiger Erfolg für das europäische Erhaltungszuchtprogramm. Der Okapibestand in der Demokratischen Republik Kongo wird auf der Roten Liste der IUCN, auch Weltnaturschutzunion genannt, als stark gefährdet eingestuft. Würde man nur auf die radikalen Tierschützer hören, die Zoologische Gärten gerne abschaffen würden, dann gäbe es bald nur noch Goldhamster, Ratten, Hunde und Kätzchen auf unserer schönen Erde - lieben Drücker trotzdem für alle Tierfreunde und ihren gut gemeinten Einsatz!

Für mich leistet allerdings der Zoo einen erheblich wichtigeren Beitrag zur vielfältigen Tiererhaltung, das ist in meinen Augen schon nützlicher, als permanent Katzenvideos auf Facebook zu teilen, oder aus Unkenntnis zoologischen Fachkräften Tierquälerei zu unterstellen.

Ich möchte dieses Thema hier nun aber ein für alle Mal abschließen. Neben meiner Freude über die Geburt des kleinen Okapis „Thabo“, eines meiner Lieblingstiere im Grünen Zoo, freue ich mich auch sehr über die aktuelle, erfolgreiche Beseitigung meiner Herzrhythmusstörung, mithilfe einer Elektroschock-Behandlung. Ich denke, meine Beschwerden wurden ausgelöst, weil ich mir die unsachliche Kritik über meine Sicht der Dinge - was die Integration des Bonobo betrifft - sehr zu Herzen genommen habe. Die Beschimpfungen gingen ja wirklich bis tief unter die Gürtellinie („Wie der schon aussieht!“). Ach, jetzt fange ich doch wieder mit diesem Thema an.

Jedenfalls hat mir dieses ganze Affentheater in der einen Nacht, die ich in der Kardiologie am Arrenberg verbringen musste, einen tierischen und fast schon kafkaesken Albtraum beschert, den ich ihnen nicht vorenthalten möchte. Ich muss vorausschicken, dass ich zuvor einen Artikel in einer Illustrierten gelesen hatte, die ich in der Regel nur im Wartezimmer eines Arztes durchblättere oder halt im Bett eines Krankenhauses.

Es ging um einen erfolgreichen Professor aus Genf, nennen wir in Martin F., der 30 Jahre als Mann lebte und sich dann einer Geschlechtsumwandlung unterzog. Bis hierhin nicht ungewöhnlich. Als Katrin F. machte sie dann ebenfalls Karriere. Nach zehn Jahren entschloss sich Frau F. zu einer erneuten  Geschlechtsumwandlung, da sie doch wieder als Mann leben wollte. Ich dachte, natürlich passiert so etwas in der Schweiz, da haben die Leute anscheinend genug Geld zur Verfügung, um derart kostspielige Operationen mehrfach durchführen zu können.

Bevor ich den Bericht zu Ende lesen konnte, schlief ich ein und träumte folgende, schlimme Geschichte: In weiter Zukunft ist es möglich, sich durch eine Operation vom Mensch in ein Tier verwandeln zu lassen. Ein Rentner entscheidet sich für diesen Eingriff, weil er glaubt, seine Hündin benötigte daheim einen vertrauten Partner auf Augenhöhe. Die beiden Tiere verstanden sich aber leider überhaupt nicht. Die Integration des Rentners als Hund verlief aussichtslos, da sich beide Köter nur fetzten und anknurrten. Die Frau des Rentners, die sehr verärgert war, weil ihr Mann als Hund weiterleben wollte, begann damit, ihren Mann immer öfter zu schlagen, auch weil er die Hündin immer brutaler attackierte.

Nach einiger Zeit hatte die Frau genug von diesem ganzen Quatsch. Ohne sein Einverständnis ließ sie ihren Mann wieder vom Tier zum Mensch umwandeln. Später sah man das Rentnerehepaar wieder Händchen haltend spazieren gehen. Die Hündin lief gut gelaunt nebenher. Die Frau hat es aber beibehalten, ihren Mann zu schlagen.

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