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BOB-Campus Wuppertal läuft für eine Woche im Testbetrieb

Workshop : BOB-Campus läuft für eine Woche im Testbetrieb

Bevor die Bauarbeiten an der alten Textilfabrik Bünger beginnen, sollen die Nachbarn einen Eindruck von der künftigen Nutzung des Gebäudes erhalten.

Noch haben die Bauarbeiten in dem künftigen BOB-Campus – der ehemaligen Textilfabrik Bünger – nicht begonnen. Doch einen ersten Einblick, wie ab spätestens Ende 2021 in dem ehemaligen Fabrikkomplex an der Nordbahntrasse gelebt, kommuniziert und gearbeitet werden soll, wird es in der letzten Septemberwoche geben. Vom 23. bis 28. September lädt die Urbane Nachbarschaft BOB gGmbH zur Lab-Werkstattwoche ein. „Wir wollen den BOB-Campus eine Woche im Testbetrieb laufen lassen, bevor die Bauarbeiten hier starten“, sagt die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Trägergesellschaft, Johanna Debik. Es gehe darum, den Nachbarn aus dem Quartier vorzuführen, wie der Betrieb im BOB-Campus „in der Praxis“ aussehen soll.

„Werkstattwoche“ hört sich vielschichtig und vielseitig an – und entsprechend bunt ist auch das Angebot, das zum „Ausprobieren, Produzieren und Selbermachen“ bittet. Da können Werkzeugkoffer aus Restholz gebaut werden, „coole Brands für verrückte Unternehmen“ entworfen werden, Teilnehmer können sich am kreativen Siebdruck versuchen oder den 3D-Druck erlernen. Auch eine „Zeitung fürs Quartier“ kann angefertigt werden. Man hoffe pro Tag auf insgesamt etwa 50 bis 100 Teilnehmer für die Workshops. Zwischen sechs und 15 Kreativkurse stehen pro Veranstaltungstag auf dem Programm, zudem gibt es für die jüngsten Besucher Kinderworkshops. Ziel sei es, den Menschen zu zeigen, „dass sie ihre Nachbarschaft, ihre direkte urbane Umgebung mitgestalten können“, sagt Debik.

Alle Workshops sind kostenfrei, das Angebot ist vielfältig

Alle Workshops sind für die Besucher kostenfrei. Neben dem Bildungsangeboten möchten die Verantwortlichen des künftigen BOB-Campus den Gästen aber auch die Gestaltung der künftigen Räume – zumindest in Grundzügen – vorführen. Im Erdgeschoss – wegen der Hanglage des Geländes spricht man von Ebene 3 – soll eine mobile Küche aufgebaut werden, die von dem Kochteam der „Weißen Herzen“, einer Selbsthilfegruppe der Flüchtlingshilfe Nord-
stadt und Geflüchteten betrieben wird. Das gemeinsame Essen solle die Besucher „zusammenführen“ und dafür sorgen, dass man sich besser kennenlernt, betont Debik.

Im Stockwerk darüber – der sogenannten Ebene 4 – werden die Workshops veranstaltet. Dort wurden in den vergangenen Tagen auch provisorische Wände aus Holzpaletten errichtet. Zudem wurde der geplante Konferenzraum in der Mitte der 1100 Quadratmeter großen Etage aus Polykarbonatwänden nachgestellt – jenem Material, aus dem auch die künftige Fassade des Gebäudes bestehen soll. Das lichtdurchlässige, aber nicht komplett transparente Material werde dafür sorgen, dass mehr Licht in die Etagen gelange, sagt Architektin Vassilissa Airaudo von den Raumwerk-Architekten aus Köln. Airaudo wird auch während der Werkstattwoche dabei sein und die Workshops begleiten. Aus den Ergebnissen der Aktivitäten soll dann eine kleine Ausstellung entstehen, die am Nachmittag des 28. September zu sehen ist.

Zudem stehen bei der Werkstattwoche Vorträge an, die an den Abenden das Programm beschließen. Für Aufmerksamkeit soll auch ein Vortrag des Architekten und „Karma-Ökonomen“ Van Bo Le-Mentzel sorgen, der am Abschlusstag ab 14 Uhr über „Hartz-IV-Möbel“ referieren und ein solches Möbelstück gleich live vor dem Publikum anfertigen wird.

Derzeit wird das Programm für die Werkstattwoche im Quartier verteilt. Wer sich für die Workshops interessiert, sollte sich „auf jeden Fall vorher anmelden“, rät Gaby Schulten von der Urbane Nachbarschaft BOB gGmbH. Das sei auch deshalb wichtig, um die Versorgung im Vorfeld zu planen.

Wann die Bauarbeiten für den BOB-Campus beginnen, ist derzeit noch unklar. Man warte momentan noch auf die Genehmigung für den ersten Bauabschnitt, erklärt Debik. Wenn alles wie gewünscht klappt, sollen die Arbeiten möglichst noch im September starten. Zunächst sollen die beiden gründerzeitlichen Arbeiterhäuser auf dem Fabrikgelände zu Mietwohnungen umgebaut werden.

Die in Bonn ansässigen Montag-Stiftungen, die hinter der Trägergesellschaft stehen, werden einen „hohen einstelligen Millionen-Euro-Betrag“ in die Sanierung der Fabrik investieren. Hinzu kommen Mittel von Bund und Land. Und die Stadt plant für rund 1,2 Millionen Euro einen Nachbarschaftspark, der zwischen Wichlinghauser Straße und dem auf einem Hang gelegenen Fabrikgebäude entstehen soll. Dafür wird die Kommune 90 Prozent Förderung von Land, Bund und EU erhalten. Zudem soll in der obersten, dritten Etage der alten Fabrik eine Kindertagesstätte einziehen, auch Fachräume für die Max-Planck-Realschule sind dort geplant.