WZ-Kolumne „Begrabt mein Herz in Wuppertal“ Bittere Absage von der Fleischereifachverkäuferin

Uwe Becker stellt sich vor, wie die EM-Nominierungen auch ablaufen könnten.

 Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Foto: Joachim Schmitz

Also ich fand die Idee des DFB gut, die Nominierung einzelner Nationalspieler scheibchenweise über verschiedene Kanäle bekanntzugeben. Gemein wäre es natürlich, wenn Kandidaten, die es nicht geschafft haben, in ähnlicher Weise darüber in Kenntnis gesetzt worden wären. Stellen Sie sich vor, Niklas Süle von Borussia Dortmund bestellt in seiner Lieblingsmetzgerei einen schönen Ring Fleischwurst, und die Fachverkäuferin entgegnet ihm im Auftrag des Deutschen Fußballverbandes: „Nehmen sie doch gleich zwei, bei der EM sind sie ja nicht dabei, haha!“ Sorry, auf Facebook würde ich so einen bösen Witz direkt wieder löschen, das geht in der Zeitung leider nicht. Ein bisschen Spaß muss aber sein, oder? Nun gut.

Grundsätzlich könnte diese Art der Kommunikation gerne in anderen Bereichen eingesetzt werden. Ich habe mir überlegt, ob ich Sie ab sofort peu à peu darüber informiere, was ich in den kommenden Kolumnen thematisieren möchte. In der Kolumne der kommenden Woche, so viel kann ich Ihnen verraten, geht es um Wohnpsychologie. Da werden sich einige fragen, was ist das denn nun wieder für ein neumodischer Quatsch. Und genau diese Frage werde ich dann höchstwahrscheinlich beantworten. Im Juni und Juli werde ich überwiegend über schöne Ferienziele, geheimnisvolle Orte, unberührte Fleckchen Erde und hauptsächlich natürlich über meine Erfahrungen und Erlebnisse auf reizvollen Wanderwegen in den Weiten des Bergischen Landes berichten. Ich könnte Ihnen gerne scheibchenweise noch viel mehr, vorab verraten, spüre aber Ihre Neugier, Sie alle würden jetzt verdammt gerne wissen, was es mit dieser Wohnpsychologie auf sich hat. Mir brennt das Thema inzwischen ebenso auf den Nägeln, kann nicht mehr bis nächsten Mittwoch warten.

Klar ist, wenn es Wohnpsychologie gibt, dann muss es auch Wohnpsychologinnen und Wohnpsychologen geben. Viele Menschen unterschreiben schnell einen Mietvertrag, Hauptsache der Mietzins ist nicht zu hoch und das Haus hat ein Dach. Aber das ist falsch. Man muss sich die Frage stellen, so viel Zeit muss sein: Welche Wohnung passt zu mir? Was bin ich ich für einen Wohntyp? Will ich alte Nachbarinnen, denen ich die schweren Taschen hochtragen möchte? Wenn man die derzeit so angesagten bodentiefen Fenster möchte, muss man sich gut überlegen, ob man dann eine Erdgeschosswohnung mietet. Schnell kann es nerven, wenn viele Leute tagsüber am Fenster vorbei gehen. Meine Fenster sind zwar nicht bodentief, aber ich wohne Hochparterre, da kann ein langer Lulatsch schon reingucken, wenn er neugierig genug ist. Wenn ich mich unbezwingbar, bildschön und stark fühle, lass ich die Vorhänge gerne auch mal wochenlang auf. Es stört mich dann nicht, wenn ich alleine beim Tanzen beobachtet werde. Wenn ich eine kleine Krise habe und monatelang das Haus nicht verlasse, oder mich vorher zehnmal umziehen muss, bevor ich mich zum Supermarkt traue, dann schließe ich meine blickdichten Vorhänge auch gerne für eine gewisse Zeit.

Meine Wohnung suchte ich mir vor acht Jahren sehr gewissenhaft aus. Viele Kriterien mussten erfüllt sein. Doppelglasfenster sind für mich eine klare Bedingung. Hohe Decken absolut notwendig. Es gibt Tage, da wachse ich, daher sind Zimmer mit niedrigen Decken kontraproduktiv. Schön, aber keine absolute Bedingung wäre, wenn fussläufig ein hübsches Spielkasino erreichbar wäre. Die Vorstellung meine Ersparnisse zu verdoppeln oder alles zu verlieren, bleibt für mich ein Faszinosum. Aber egal.

Eine Wohnpsychologin
ist gut angelegtes Geld

Nicht unwichtig ist ein nicht einsehbarer großer Stauraum, wo ich Dinge lagern kann, die andere sofort nach Erhalt in die blaue Tonne entsorgen: Originalverpackungen von Markengeräten wie Mikrowellen, Videokameras oder Mixer, Pfannen oder Kochtöpfen. Eine Nische mit Vorhang reicht aus, meinte auch die Wohnpsychologin, die ich mir vor meinem letzten Umzug einfach mal gönnte, gut angelegtes Geld, wenn ich mir meine kleine Traumwohnung von innen betrachte, entspannt bei Cool-Jazz oder den dreizehn Uhr Nachrichten auf dem Sofa sitzend.

Aber lange kann ich mich nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen, dass ich wohntechnisch alles richtig gemacht habe. Denn, wie Sie es sich schon denken können, wartet auf mich Woche für Woche eine neue Herausforderung: Über welches Thema schreibe ich als nächstes, wie lautet beispielsweise die Überschrift zu meiner Kolumne am 16. Oktober 2024? Wobei die Headline immer von der Redaktion getextet wird, vielleicht schreiben sie irgendwann auch die ganze Kolumne. Schließlich bin ich Rentner.

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