Stadtentwicklung Bis zu 700 neue E-Scooter auf Wuppertals Straßen

Der schwedische Anbieter Voi platziert seit Donnerstag seine Leihflotte im Stadtgebiet.

Auffällig rot: Die ersten E-Scooter des Anbieters Voi stehen schon bereit.

Auffällig rot: Die ersten E-Scooter des Anbieters Voi stehen schon bereit.

Foto: Andreas Fischer/Fischer, Andreas

Seit Donnerstagabend finden Roller-Fans mehrere hundert neue E-Scooter im Stadtgebiet. Ihr Betreiber ist der schwedische Anbieter Voi. Er ist nach Lime das zweite Unternehmen, das Wuppertal mit ausleihbaren E-Scootern und E-Bikes ausstattet. Lime hatte sein Angebot im Oktober vergangenen Jahres begonnen.

Mitbewerber Voi kündigte auf Nachfrage der WZ an, bis zum Wochenende „mit wenigen hundert Fahrzeugen“ zu beginnen und die Anzahl in der kommenden Woche zu erhöhen. Insgesamt sollen etwa 700 E-Scooter und zusätzlich eine E-Bike-Leihflotte zur Verfügung stehen, sagt Tim Schäfer, bei Voi für die Kommunikation im Raum Deutschland, Österreich und der Schweiz zuständig. Die Fahrzeuge werden über das gesamte Betriebsgebiet verteilt, das sich von Vohwinkel bis nach Langerfeld erstreckt.

Voi ist Neuling im Bergischen, aber schon in neun weiteren NRW-Städten vertreten. „Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass etwa 70 Prozent der Nutzer ihre E-Scooter-Fahrten mit dem Öffentlichen Nahverkehr kombinieren“, so Schäfer. „Wir streben an, auch in Wuppertal eine bessere Anbindung an das Nahverkehrsnetz zu gewährleisten. Gerade die Außenbezirke sollen davon profitieren.“

Voi will mithilfe der Nutzer die besten Parkflächen erschließen

Nach Einführung der E-Scooter in Wuppertal durch den Anbieter Lime gab es einige Kritik am Abstellverhalten der Nutzer. So kritisieren Bürger, dass die E-Scooter teilweise „auf den Bürgersteigen herumliegen, querstehen oder einfach dahingeworfen werden“. Auch wenn es manchmal so wirke, sei E-Scooter-Sharing kein Produkt von der Stange, betont Tim Schäfer von Voi. „Die Erfahrungswerte aus den über 100 europäischen Städten, in denen wir operieren, sind hilfreich, lassen sich aber nicht immer eins zu eins übertragen.“ Voi könne die bisher identifizierten Parkflächen weiternutzen. Die Einhaltung der Regeln werde über ein verpflichtendes Parkfoto in der zugehörigen App kontrolliert.

Um die Stadt bei der Suche nach geeigneten Flächen zu unterstützen, habe das Unternehmen die Initiative „Wunschparkfläche gesucht” ins Leben gerufen, „die im Prinzip der Schwarm-Intelligenz helfen soll, die besten Flächen zu festzustellen. Damit kann sich jeder Wuppertaler für die Einrichtung ausgewiesener Parkflächen aussprechen.“

Sollte es dennoch vorkommen, dass ein Scooter im Weg steht, könne dieser über eine Hotline, die Website oder den Melder des Branchenverbandes PSM gemeldet werden. Darin sind sowohl Voi als auch Lime organisiert. Lime arbeite ebenso daran, das System zu verbessern. „Dabei setzen wir viel auf Kommunikation mit unseren Nutzern“, stellt Anika Reinshagen, Betriebsleiterin für die Region, klar. „Mittlerweile haben wir eine eigene Parkregel-Seite für Wuppertal erstellt, auf die jede Person in unserer App hingewiesen wird.“ Einfach dahingeworfene Scooter seien laut Tim Schäfer von Voi in den meisten Fällen „das Ergebnis von Vandalismus und damit nicht auf das Verhalten der Nutzer zurückzuführen. Vandalismus verurteilen wir auf Schärfste.“

Wuppertal sei mit seiner geologischen Lage am Rande des Rheinischen Schiefergebirges besonders anspruchsvoll, bekennt Marcel Brys, Städte-Manager bei Voi. Daher komme ein Modell zum Einsatz, das sich besonders für die steilen Wuppertaler Straßen eigne. Voi kündigt an, dass die E-Scooter eine Reichweite bis zu 110 Kilometern haben. Doch diese Zahl sei als relativ zu betrachten, unterstreicht Anika Reinshagen von Mitbewerber Lime: „Die Reichweite einer Batterie hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel den gefahrenen Strecken im Gefälle, dem Gewicht der Nutzer, Wetterbedingungen und dem Alter der Batterie.“

Mikromobilität stellt eine emissionsfreie Ergänzung dar

Den Markteintritt von Voi nur sechs Monate später empfindet Lime übrigens nicht als überraschend: „Im Rahmen einer Sondernutzung steht es jedem Anbieter rechtlich zu, einen Antrag auf Genehmigung zu stellen“, erklärt Reinshagen. Tim Schäfer von Voi ergänzt, er sehe in Wuppertal einen hohen Bedarf nach flexibler individueller Mobilität, „der bisher nicht gedeckt werden konnte“. Laut Mobilitätsbefragung der Stadt lag der Anteil des Radverkehrs im Jahr 2020 bei nur acht Prozent. „Landesweit soll er bis zum Jahr 2025 eigentlich bei 25 Prozent liegen.“

Die Kommunen haben rechtlich keine Entscheidungshoheit über die Zulassung von sogenannten Freefloatern, betont Stadtsprecherin Martina Eckermann. Daher sei es von vornherein klar gewesen, „dass weitere Anbieter dazukommen können“. Das Land NRW habe in seinem Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz den Anbietern von E-Scootern und E-Bikes eine klare Rechtsgrundlage gegeben: Die Städte dürften ihnen zwar Rahmenbedingungen vorgeben. „Diese dürfen sich jedoch nicht so auswirken, dass der Betrieb unwirtschaftlich wird.“ So habe der Anbieter ein gesetzlich verbrieftes Recht auf eine Sondernutzungserlaubnis. „Diese wurde auf Antrag nun auch Voi erteilt.“

Zudem sei die Form der Mikromobilität „als emissionsfreie, günstige Ergänzung gewollt“. Zu den Auswirkungen der Freefloater auf die Gesamt-Mobilität läuft derzeit ein Forschungsprojekt der Bergischen Universität.

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