Bio für den Kleiderschrank

Bio für den Kleiderschrank

Mode: Junge Wuppertaler haben eine Agentur für faire Mode gegründet. Wer ein Drei-Euro- Shirt kauft, sollte sich fragen, wo es herkommt.

Wuppertal. Dass ein Kilo Schweinefleisch zum Billigpreis nicht von der grünen Wiese stammen kann, sondern ein Produkt der Massentierhaltung ist, ist längst klar. Dass die Lebensmittelindustrie künstliche Aromen einsetzt, weil auf der ganzen Welt nicht genug Himbeeren für all die Joghurts und Puddings wachsen, ist auch bekannt.

Aber wie entstehen eigentlich Billig-Shirts für drei Euro das Stück? Und gibt es auch bei Mode ein Bio-Siegel für faire Arbeitsbedingungen und Umweltschutz? "Das gibt es leider nicht und das macht es auch so schwierig", sagt Christina König.

Die 24 Jahre alte Studentin der Wirtschaftswissenschaften hat an der Bergischen Uni gemeinsam mit neun weiteren Wuppertalern die Agentur "Lucid Laundry" gegründet. Die Unternehmensberatung ist ein Modellprojekt und hilft Designern, aber auch Klamottenläden dabei, faire Mode zu produzieren und anzubieten.

Faire Mode, das bedeutet für Christina König zum Beispiel, dass keine unnötige Chemie eingesetzt wird und kein Arbeiter für 65 Cent die Stunde arbeiten muss. Sie sagt: "Wenn ein Kleidungsstück aus einem Billiglohnland auf Reisen geht, wird es mit fünf verschiedenen Chemikalien behandelt, nur damit es seine Form nicht verliert und unterwegs keine Stockflecken bekommt. Diese Chemikalien schwemmen wir bei der ersten Wäsche in unser Abwasser."

Für den Endverbraucher sei es bis auf wenige, oft noch unbekannte Marken nur schwer möglich, faire Mode zu bekommen. "In Wuppertal bleibt da zurzeit nur der Second Hand Laden", sagt Daniela Ullrich, ebenfalls Mitglied der Lucid Laundry. Nachhaltigkeit bedeute für sie auch, ein Kleidungsstück nicht wegzuwerfen, wenn es aus der Mode geraten ist.

Und wie sieht faire Mode aus? Daniela Ullrich beruhigt: "Das sind ganz normale Klamotten, die in kleineren Margen hergestellt werden und dadurch teurer sind." So müssen zum Beispiel für ein T-Shirt des Fair-Labels "Armed Angels" zwischen 35 und 50 Euro investiert werden.

Im Juli reiste Christina König zur Modemesse Bread and Butter nach Berlin, um weitere faire Marken zu ermitteln und mit Produzenten zu sprechen. Die Lucid Laundry Homepage soll zu einer Aufklärungsplattform für faire Mode ausgebaut werden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung