Bildung: Unternehmer fordern Reformen

Bildung: Unternehmer fordern Reformen

Berufsbildung und Hochschulbildung sollen als gleichberechtigt wahrgenommen werden

„Wenn wir das Thema jetzt verschlafen, dann haben wir in zehn Jahren keine Fachkräfte mehr“: Zugespitzt fasste Gunar Rusack ein wichtiges Anliegen heimischer Unternehmer zusammen: Bildung und Ausbildung. Der Personalleiter der Schulte-Schlagbaum AG in Velbert war gestern einer von vielen engagierten Vertretern beim Bergischen Unternehmertag, denen das Thema auf den Nägeln brennt und die es — auch mit verstärkter Eigeninitiative — voranbringen wollen.

„Bildung neu denken“ lautete folgerichtig die Überschrift des Nachmittags in Wuppertal, zu dem rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in die Stadthalle am Johannisberg eingeladen waren. Veranstalter ist die Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände (VBU) in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber-Verband von Remscheid und Umgebung.

Vorbildliche Projekte zukunftsweisender Konzepte aus der Region standen dabei im Mittelpunkt: So beispielsweise die Kombination von Ausbildung und Abitur, die am Berufskolleg Hückeswagen — Privatschule Bergischer Unternehmen gGmbH unter anderem motivierte Realschüler sowohl in die Ausbildung als auch zum Abitur führen will. „Das ist auch für die Betriebe attraktiv“, sagt Geschäftsführerin Gabriele Döbler. Zu den Praxisbeispielen aus der Region, wie Unternehmen und Bildungseinrichtungen neue gemeinsame Wege beschreiten, gehört auch die Verbindung von Praxis und Studium am Campus Velbert/Heiligenhaus der Hochschule Bochum.

Rolf A. Königs, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände, stellte die künftige Textilakademie NRW vor, eine private Aus- und Weiterbildungsakademie der Textil- und Bekleidungsindustrie auf dem Campus der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach: Dort bilden wir alle Textilberufe aus, auch NRW-übergreifend.“ Denn qualifiziertes Fachpersonal sei im digitalen Zeitalter noch stärker gefragt. „Das können Berufsschulen heute oft gar nicht mehr leisten.“ Die Unternehmer kritisieren in diesem Zusammenhang veraltete Strukturen und fordern Reformen sowie die Anpassung teils veralteter Berufsbilder. Gastredner des Nachmittags war Professor Julian Nida- Rümelin, „der sich intensiv mit der Krise beruflicher und akademischer Ausbildung beschäftigt“, kündigte Jürgen Steidel von der VBU an. So gebe es so viele Studenten wie nie, verdeutlichte VBU-Geschäftsführer Frank Witte, gleichzeitig steige die Zahl der Studienabbrecher. Marcus Jankowski vom Arbeitgeber-Verband von Remscheid und Umgebung verweist auf die Wichtigkeit, Schülern schon früh Perspektiven aufzuzeigen, Professor Dr. Wolfgang Kleinebrink sieht Berufsvorbereitung als mit entscheidenden Aspekt.

Bessere Zusammenarbeit und weniger Bürokratie, auch vonseiten der Politik, sei nach wie vor gefragt — darin sind sich die Bergischen Unternehmer beim Thema Aus- und Weiterbildung vor dem Hintergrund ihres eigenen Engagements einig. Jörg Iseke, Geschäftsführer der Kalkwerke Oetelshofen in Wuppertal, brachte es auf den Punkt: „Wir fordern nicht nur, wir liefern auch.“

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