1. NRW
  2. Wuppertal

„Bildung hat für mich eine doppelte Wirkung“

„Bildung hat für mich eine doppelte Wirkung“

Die Idee hat ihn überzeugt: Eugen Trautwein, Unternehmer, Stifter und Mäzen, über Bildung, die Junior Uni und deren Zukunft.

Herr Trautwein, warum ist Ihnen Bildung wichtig?

Eugen Trautwein: Das Thema Teilhabe und Förderung beschäftigt mich ein Leben lang. Ich komme aus dem Mittelstand und für mittelständische Unternehmen mit ihren flachen Hierarchien ist die Qualität der Mitarbeiter entscheidend für den Erfolg. Bildung hat für mich eine doppelte Wirkung: Sie ist zum einen gesellschaftlicher Kitt, sie verringert Ausgrenzung und fördert das Gemeinschaftsverhalten. Zum anderen trägt sie zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Der Einzelne erwirbt weitere Fähigkeiten, kann mehr Verantwortung übernehmen, was auch zu einem Mehr an selbstbestimmten Leben führt.

Warum ist bei Bildung auch privates Engagement wichtig?

Trautwein: In vielen Sektoren existiert privates und öffentliches Engagement nebeneinander: bei Hochschulen und Kitas, in der Entsorgung, im Gesundheitswesen. Das schafft einen wohltuenden Wettbewerb. Dabei hat privates Engagement mehr Freiheiten und kann schneller agieren als der öffentliche Bereich. Weil sich gesellschaftliche und technologische Veränderungen in einem hohen Tempo vollziehen, wird der Bildungsmarkt einer der am schnellsten wachsenden Märkte sein - da gibt es für öffentliche und private Vorhaben genügend Raum. Aber es muss auch etwas getan werden und der öffentliche Sektor tut viel zu wenig.

Wo sehen Sie da die Junior Uni?

Trautwein: Das ist eine tolle Einrichtung. Ich erinnere mich, wie mich Ernst-Andreas Ziegler 2007 um ein Gespräch bat. Wir sprachen lang und intensiv über den Verlust von Industrie in Wuppertal, verlorenes Wissen, Fachkräftemangel und mögliche soziale Brennpunkte. Und die Idee, mit der Junior Uni bei Kindern Interesse an Naturwissenschaft und Technik zu fördern und persönlichkeitsbildende Akzente zu setzen. Die Vision von Prof. Ziegler war überzeugend. Ich brauchte kein zweites Gespräch. Von einem Erfolg würden viele profitieren: die Kinder, die Stadt und die Wirtschaft.

Was konnten Sie für die Junior Uni tun?

Trautwein: Die EDE-Stiftung ist einer von drei Gründungsgesellschaftern der Junior Uni, sie ist durch mich auch im kaufmännisch-organisatorischen Beirat vertreten. Wir konnten zur Finanzierung der Junior Uni beitragen und für den Neubau einen wichtigen Beitrag leisten. Wir wollten das zunächst bestehende Provisorium überwinden, etwas Modernes und Farbiges schaffen. Das ist den Architekten und jetzt mit der Skulptur von Tony Cragg sehr gut gelungen. Der Neubau war der Durchbruch für die Junior Uni. Heute ist das Erreichte mehr als vorzeigbar. Es macht mich froh, dass wir einen Beitrag dazu leisten konnten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Junior Uni?

Trautwein: Die Bewahrung und Fortentwicklung des Pioniergeistes. Teamspirit auf allen Ebenen bleibt die entscheidende Kraftquelle für den Erfolg. Weiterhin eine lebendige Schar junger Forscher aus allen Schichten. Und dass die Junior Uni Nachahmer findet und ein starkes Netzwerk entsteht.

Wenn Sie jung genug wären, welchen Kurs würden Sie an der Junior Uni besuchen wollen?

Trautwein: Als Dozent würde ich einen Kurs über den Wert und Unwert des Geldes geben. Und als Student würde ich etwas Gesellschaftliches belegen, zum Beispiel Konfliktmanagement.