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Beyenburger Anwohner wollen um ihren Bäcker kämpfen

Umfrage : Beyenburger kämpfen um Bäcker

Bürgerbüro oder Brot? Am WZ-Mobil setzten viele Bürger aus dem Stadtteil Prioritäten.

Schon im Vaterunser heißt es „Unser täglich Brot gib uns heute“, wobei das in Beyenburg, wo es nur einen Bäcker, nämlich Christoph Fries in der Straße Am Kriegermal gibt, gefährdet erscheint. Als nämlich bekannt wurde, dass dessen Pachtvertrag ausläuft, da war die Sorge, wo man dann täglich Brot, Brötchen und andere Backwaren kaufen könne, vor allem unter den älteren Bürgern groß.

Christoph Fries („Meine Umzugspläne habe ich schon vor einem Jahr geäußert“) möchte jedoch gern umziehen, ein paar Häuser weiter, wo auf der anderen Straßenseite das ehemalige Bürgerbüro mit großzügigerem Raumangebot auf eine sinnvolle Nutzung wartet. Das wurde zwar vor geraumer Zeit von der Stadt aufgegeben, dennoch hat Bezirksbürgermeister Eberhard Hasenclever noch die Hoffnung, dass dort wieder eine Anlaufstelle für das Ausstellen von Ausweisen und Bescheinigungen entstehen könne.

„Zum Bäcker gehe ich ein- bis zweimal pro Woche, zum Bürgerbüro nur alle paar Jahre“, hatte Karl Böcker schon im Vorfeld per E-Mail eindeutige Prioritäten gesetzt, und dieser Meinung schlossen sich am WZ-Mobil vor Ort nahezu alle Besucher vor der Bäckerei an.

Ronald Tann hatte auch einen Vorschlag bezüglich einer Anlaufstelle für die behördlichen Bedürfnisse der Bürger: „Hier am Kriegermal steht die ehemalige Gaststätte ,Zur Linde’ schon ewig leer. Die wäre wegen ihrer zentralen Lage ideal für ein Bürgerbüro. Aber der Bäcker muss bleiben.“

Daran lässt auch Karin Siebecke aus dem Vorstand des Beyenburger Bürgervereins keinen Zweifel: „Ein Bäcker hier ist ein Muss, und wir vom Bürgerverein unterstützen Herrn Fries, wenn er in das ehemalige Verwaltungsgebäude einziehen will.“

„Wir sind doch froh, dass er da ist“, so ihr Ehemann Axel, Schatzmeister im Bürgerverein. „Hier stehen doch die Menschen am Samstagmorgen vor dem Geschäft Schlange. Das zeigt doch, wie dringend wir den Bäcker für die Nahversorgung brauchen. Und auf dem ehemaligen Schulhof des früheren Bürgerbüros wäre zudem ein idealer Parkplatz für Kunden, die mit dem Auto kommen.“

„Wir haben doch hier sowieso nur ein bisschen Nahversorgung. Die ist wichtiger als ein Bürgerbüro, das sowieso nicht kommt, wie man immer wieder hört“, stößt Bezirksvertreter Klaus Frische (CDU) in das gleiche Horn und meint, dass in dem Gebäude sicher auch noch Platz für die Stadtbücherei wäre.

„Ich bin zwar aus Laaken, komme aber jeden Tag hierhin, weil ich im Ruderverein am Stausee bin. Was nützt uns hier die dörfliche Idylle, wenn wir kein Brot kaufen können?“, fragt Rolf Reisinger.

„Ehrlich gesagt, ich bin erstaunt über die Frage ,Bäcker oder Bürgerbüro?’ Wir brauchen doch beides, doch unsere Frage, ob wir hier noch mal ein Bürgerbüro bekommen werden, hat Dezernent Nocke schon verneint. Er hat uns in Aussicht gestellt, dass hier eventuell ein Bürger-Computer installiert werden würde, den wir dann allerdings selbst bedienen müssten. Das wäre angesichts der vielen älteren Bürgerinnen und Bürger in Beyenburg sicher auch keine ideale Lösung“, meint Barbara Hembeck aus dem Bürgerverein.

Natürlich war auch Bezirksbürgermeister Eberhard Hasenclever (SPD) zum WZ-Mobil gekommen. Er hatte Neues zu berichten: „Bei Besichtigung des Gebäudes haben wir festgestellt, dass in dem alten Schulgebäude ausreichend Platz für Bäcker und Bürgerbüro ist. Aber die Verwaltung ist an einem Bürgerbüro hier nicht interessiert. Allerdings weiß ich, dass an der Porta Westfalica ein Netto-Markt geplant ist. Wenn es da einen Bäcker geben würde, hätten wir plötzlich zwei in Beyenburg. Und, ob für beide Verdienstmöglichkeiten bestehen würden, das bezweifle ich.“