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Bestseller-Abend: Ein Heimspiel für die Liebe

Bestseller-Abend: Ein Heimspiel für die Liebe

Plädoyer gegen die Trennung: Im Forum am Kipdorf sprachen Eva-Maria und Wolfram Zurhorst am Montagabend vielen ihrer Zuhörer aus der Seele.

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p class="text"><strong>Wuppertal. Da ist es wieder, das Scheinwerferlicht. Seit mehr als zwei Jahren kennen Eva-Maria Zurhorst und ihr Mann Wolfram es als steten Begleiter. So lange schon steht ihr Beziehungs-Ratgeber "Liebe Dich selbst, und es ist egal, wen Du heiratest" auf den Bestsellerlisten und scheint - ebenso wie das Licht der Bühnenscheinwerfer - diesen Platz nicht so ohne Weiteres aufgeben zu wollen. Im Forum richtet sich das Licht an diesem Abend auf zwei pechschwarze Ledersessel, in denen das Ehepaar aus Wuppertal Platz genommen hat, um über sein erstes gemeinsames Buch - ebenfalls bereits ein Bestseller - zu sprechen: "Liebe Dich selbst, und freu Dich auf die nächste Krise".

Der erste gemeinsame Auftritt in Wuppertal stellte alles auf den Kopf

Als ein "Plädoyer gegen voreilige Trennung" bezeichnet Christiane Gibiec punktgenau die Arbeit der Zurhorsts - die Wuppertaler Autorin moderiert den Köndgen-Leseabend im Forum, der kein Leseabend ist: Nach dem Eingangsinterview stellen Eva-Maria und Wolfram Zurhorst sich den Fragen der gut 100Frauen und Männer abseits der Scheinwerfer.

Dass die Herren der Schöpfung heute Abend in der Minderzahl sind, spielt überraschenderweise keine Rolle: Gleich fünf lassen sich das Mikro reichen, um mindestens ebenso offen über ihre Sicht der Dinge zu sprechen wie ihre Begleiterinnen.

Für kollektives Schmunzeln sorgt - auf Nachfrage eines Mannes - die Erinnerung an den ersten gemeinsamen Auftritt des Ehepaares bei einer Lesung im Oktober 2005 in der Börse, nach der Veröffentlichung des Erstlings: "Herr Zurhorst, ich habe gelesen, Sie sind fremdgegangen", fragte damals - ebenfalls - ein Mann im Publikum, in dessen erster Reihe unter anderem auch Zuhorsts Schwiegermutter und die gemeinsame Tochter des Ehepaares saßen. "Wie war das eigentlich?" Volltreffer.

Jetzt, zwei Jahre und viele Buchauflagen später, ist diese Begegnung eine Anekdote - damals allerdings war sie, nach Abklingen erster Schamesröte, so etwas wie eine Initialzündung: In der Börse habe sich ihm und seiner Frau mit Macht gezeigt, wie groß das Bedürfnis ist, den Thesen aus dem ersten Beziehungsbuch eine männliche Sicht der Dinge hinzuzufügen. Und genau das macht Wolfram Zurhorst mittlerweile - als Co-Autor, Beziehungscoach und "Übersetzer" zwischen Frauen und Männern.

Und auch im Forum kommen sie zur Sprache, die beiden Krisen, die die Zurhorsts nach eigenem Bekunden mit viel Arbeit an sich selbst hinter sich gelassen haben: Den privilegierten Job als Manager auf der einen Seite zu verlieren und sich auf der anderen Seite einer ausgewachsenen Ehekrise zu stellen, habe sich im Rückblick nicht als Zweifrontenkrieg, sondern als größte Chance ihres Lebens erwiesen, sagen Wolfram und Eva-Maria Zurhorst.

Die Bildsprache, der sich das nach diversen Talkshows längst öffentliche Ehepaar bedient, spricht vielen Menschen auf Sinnsuche aus der Seele. "Beziehungen sind wie Zahnräder", erklärt Eva-Maria Zurhorst, als es um die gemeinsame Bewältigung von Krisen geht. "Wenn ein Rädchen anders läuft, wirkt sich das auf alle anderen Räder aus."

Sich von seiner Frau als Bestsellerautorin zunächst einmal "links und rechts überholt" zu sehen, sei für ihn eine völlig neue Erfahrung gewesen, erinnert sich Wolfram Zurhorst an jene Zeiten, als er noch in den Trümmern seines alten Jobs steckte und sich als Ehepartner und Familienvater mit einem Mal neu orientieren musste: "Frauen sind nicht unbedingt schneller am Ziel, aber sie machen sich eher auf den Weg", sagt der Wuppertaler.

Genau diesen Weg zu gehen - Schuld und Angst abzustreifen, offen über Gefühle zu reden, anstatt sie auszublenden und mit Klischees oder Sprachlosigkeit zu überdecken - habe sich als Geschenk erwiesen: "Ich hatte lange Zeit den Respekt gegenüber meiner Frau verloren", gibt Zurhorst unumwunden zu. Immer noch im Licht der Scheinwerfer, die an diesem Abend ein Heimspiel für die Liebe ausleuchten - und das mit allen Höhen und Tiefen.