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Besinnliches zur Bedeutung des Sonntags in unserer Zeit

Besinnliches zur Bedeutung des Sonntags in unserer Zeit

Wuppertals Protestanten feierten den Beginn des Kirchenjahrs.

Wuppertal. Johann Sebastian Bach mit Jazzeinlage. „Ich steh an deiner Krippen hier“ ist die treffliche Zutat für eine pietistisch nüchterne Weihnacht, fand aber gestern beim Neujahrsempfang in der Citykirche Elberfeld eine swingende Auslegung. Überhaupt war die Feier, im Beisein von Wuppertaler Spitzenpolitikern, der gelungene Beweis dafür, dass der Evangelische Kirchenkreis Wuppertal viel Mut zur Moderne besitzt. Geringer schien indessen der Mut im Straßenverkehr, denn viele geladene Gäste hatten abgesagt.

Dass ein Neujahrsempfang so früh stattfand, liegt daran, dass das Kirchenjahr mit dem 1. Advent beginnt. Dieser vergangene Sonntag, der 2. Dezember, stand für gläubige Christen unter einem ungünstigen Stern, war er doch ein verkaufsoffener, also arbeitsreicher Feiertag und kein biblisch verordneter Ruhetag.

Von Superintendentin Ilka Federschmidt über Pfarrer Werner Jacken bis hin zum Referenten Jürgen Rinderspacher kreisten die Redner um das Problem des verkaufsoffenen Sonntags. Der aus Münster geladene Referent Rinderspacher, Professor am Institut für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften, lieferte dazu tiefschürfende Gedanken um das Thema Zeit.

Samstag und Sonntag hätten in der Nachkriegsära zu einer Symbiose gefunden und seien als Block ein echtes Freizeitgeschenk geworden. Daneben aber, so Ilka Federschmidt, stehe der Mensch, der mit sich selbst oft gar nichts anzufangen wisse und deshalb zur echten Ruhe gar nicht mehr fähig sei. Im Interview mit Werner Jacken zog Ronsdorfs Pfarrer Jochen Denker ein Resümee für Wuppertal. Die Kirchenvertreter der Stadt könnten noch vergleichsweise froh sein, denn zwischen ihnen und der Wuppertaler Geschäftswelt gebe es einen verträglichen Konsens über den Umgang mit dem Sonntag.

Wer nicht wolle, dass der heilige Tag mit Einkaufstrubel und dem Klingeln von Kassen überlagert werde, habe den Schlüssel zur Lösung selbst in der Hand: einfach nicht hingehen.