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Berufsberatung soll stärker in Sprockhöveler Schulalltag integriert werden

Wirtschaft : Berufsberatung baut ihr Angebot aus

INTERVIEW Jasmina Schnotale erklärt das neue Konzept der Arbeitsagentur Schwelm.

Frau Schnotale, Sie sind als Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur in Schwelm für das Projekt „Lebensbegleitende Berufsberatung“ zuständig. Was verbirgt sich hinter dem Namen?

Jasmina Schnotale: Die Lebensbegleitende Berufsberatung setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: Zum einen aus der Beratung vor dem Erwerbsleben: Dahinter verbirgt sich der Ausbau des Angebots der beruflichen Orientierung und der Beratung für Schülerinnen und Schülern. Als zweites gibt es das Selbsterkundungstool: Das ist die Einführung eines frei zugänglichen Online-Angebots zur beruflichen Orientierung für Jugendliche und Erwachsene. Momentan richtet sich das Selbsterkundungstool an Jugendliche, die mit Hilfe von psychologischen Testverfahren Erkenntnisse gewinnen, welche Fähigkeiten, Interessen und Stärken sie haben und welche Studienfelder und Ausbildungsberufe hierzu passen können. Zum Dritten kommt noch die Beratung im Erwerbsleben und der Ausbau des Beratungsangebots für Arbeitslose mit erweitertem Beratungs- und Orientierungsbedarf. Für die Einführung dieses Bausteins ist die Zeitschiene noch nicht bekannt. Auch die Inhalte werden noch abschließend erarbeitet.

Seit wann gibt es das Projekt?

Schnotale: Die Lebensbegleitende Berufsberatung wurde im Jahr 2016 auf den Weg gebracht und in ausgewählten Agenturen für Arbeit in Deutschland getestet. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Hagen, zu der die Schulen in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis gehören, startete es in diesem Schuljahr.

Wieso wurde das Projekt ins Leben gerufen?

Schnotale: Der Arbeitsmarkt wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. Schlagworte wie „Demografischer Wandel“ und „Digitalisierung“ sind derzeit in aller Munde. Beschäftigte werden künftig länger im Erwerbsleben stehen. Arbeitsplatzwechsel, aber auch die Notwendigkeit von beruflichen Veränderungen und Weiterbildungen nehmen zu. Durch die Lebensbegleitende Berufsberatung soll eine frühzeitige berufliche Orientierung junger Menschen erfolgen, auch um Fehlentscheidungen in Bezug auf die berufliche Laufbahn zu verringern. Jugendliche und Erwachsene sollen hierbei über das gesamte Erwerbsleben hinweg durch berufliche Beratung und Orientierung unterstützt werden.

Was ist der neue Ansatz gegenüber der bisherigen traditionellen Beratung?

Schnotale: Mit der Lebensbegleitenden Berufsberatung vor dem Erwerbsleben sollen Angebot und Präsenz der Berufsberatung ausgeweitet werden. Der Zugang zu den Angeboten soll so erleichtert werden, dass möglichst alle Jugendlichen erreicht werden. Berufsorientierende Veranstaltungen, Sprechzeiten und Beratungen werden intensiviert und möglichst dort angeboten, wo sich die Schülerinnen und Schüler befinden – in der Schule.

Welchen Mehrwert hat das Projekt?

Schnotale: Die Angebote der Beratung vor dem Erwerbsleben beginnen frühzeitiger, das heißt bereits in der 8. Klasse oder in der 9. Klasse an Gymnasien. Beratungen und Sprechzeiten sollen verstärkt direkt an den jeweiligen Schulen stattfinden. Neben den Einzelgesprächen mit Schülerinnen und Schülern führen die Berufsberater auch Veranstaltungen zur Berufsorientierung im Klassenverband durch. Diese sollen zukünftig noch adressatengerechter gestaltet werden. Hierfür haben sich zum Beispiel Kollegen in einem Arbeitskreis ausgetauscht. Ein Thema war unter anderem, wie das Smartphone sinnvoll bei solchen Veranstaltungen eingesetzt werden kann. Durch die Einführung des Selbsterkundungstools steht den Jugendlichen daneben  ein Testverfahren zur Verfügung, durch welches man herausfinden kann, wo die Stärken und Fähigkeiten liegen und mit welchen Ausbildungsberufen und Studienfeldern man sich bei der Berufsorientierung näher beschäftigen sollte.

Wie sind bislang Ihre Erfahrungen zu dem Projekt?

Schnotale: Ich halte gerade die regelmäßige Präsenz an den Schulen, die durch die Lebensbegleitende Berufsberatung ausgebaut wird, für sehr wichtig. Schüler aus Sprockhövel haben zudem einen langen Anfahrtsweg in mein Büro in die Agentur für Arbeit nach Schwelm. Daher ist es für mich viel sinnvoller, die Gespräche in der Schule zu führen. Konkrete Rückmeldungen von Schulen liegen mir bislang noch nicht vor.