Bergsteiger Holger Redecker: „Ich habe noch viele Berge im Kopf“

Wuppertal : „Ich habe noch viele Berge im Kopf“

Der Wuppertaler Holger Redecker ist begeisterter Bergsteiger. Zuletzt ging es nach Peru, 2019 vielleicht wieder nach Afrika.

Im Urlaub als Kind ging es fast immer an die Nordsee. „Dabei wollte ich immer schon in die Berge“, erzählt Holger Redecker und lacht. Doch als gebürtiger Osnabrücker war da nicht viel mit Bergen. Irgendwann hatte er seinen Eltern aber genug in den Ohren gelegen und brachte sie zu einem Trip in die bayerischen Alpen. Der Beginn einer bis heute andauernden Leidenschaft für die Gipfel. „Ich bin ziemlich bergbekloppt“, sagt der 49-Jährige. Wie viele er erklommen hat, lässt sich wahrscheinlich gar nicht mehr genau zählen. Der erste „richtige“ Berg, das war auf jeden Fall die Gamsspitze in den Alpen, gut 3000 Meter hoch und zur Venediger-Gruppe gehörend. Kein besonders interessanter, „aber mein erster Berg“, sagt Redecker, der seit 30 Jahren in Wuppertal wohnt, und grinst. „Und einer, von dem man runterfallen konnte.“

Mittlerweile ist er in deutlich höheren Sphären unterwegs, auch wenn er betont: „Ich bin kein Profi.“ Der Höchste: der Ojos del Salado in Chile mit fast 6900 Metern. Zuletzt war er im Oktober in Peru. Seine Ausbeute dort: ein Sechs- und zwei Fünftausender. Und die nächsten Ziele sind schon in Planung. 2019? „Möglicherweise wieder nach Afrika“, kündigt er an. „Ich habe noch viele Berge im Kopf.“

17, 18 große Touren haben er und seine Freunde — „meistens sind wir zu dritt“ — schon hinter sich, waren schon im Iran, Indien oder Tadschikistan. Einmal im Jahr, so der Plan, soll es irgendwo auf der Welt auf die Gipfel gehen. Wobei sich Redecker & Co. dann gerne abseits der Touristenströme aufhalten. In Peru zum Beispiel waren er, sein Wuppertaler Kumpel Markus Mutzberg und der lokale Guide praktisch allein am Berg. Ihr Ziel: einer der Sechstausender Südamerikas — aber eben nicht der höchste. Während am Primus, dem Aconcagua in Chile, die Bergsteiger mitunter Schlange stehen, hatten die Wuppertaler bei ihrem Trip zum Chachani den Berg für sich.

„Eigentlich genau das, was wir wollen“, sagt der Wuppertaler und schwärmt von den Blicken auf die kargen Landschaften, die sich boten. Natürlich dürfen die ebenso wie die obligatorischen Fotos vom Gipfel — inklusive der hoch gestreckten Peru-Flagge — auf dem Stick, den er beim Redaktionsbesuch dabei hat, nicht fehlen. Doch zu sehen sind auch Bilder von Machu Picchu, der legendären Ruinenstadt der Inka, einem lokalen Stadtfest, vom Meerschweinchen-Roulette, wo vorher getippt werden muss, in welche Box das Tierchen läuft, oder — zarte Gemüter sollten jetzt nicht weiterlesen — vom Barbecue, bei dem Meerschweinchen auf dem Grill lagen. „Ich esse die ganz gerne“, sagt Redecker. Überhaupt sei das Ziel von ihm und seinen Freunden, nicht nur „mal eben“ auf den Berg zu klettern, sondern auch das Land, die Leute kennenzulernen. Das sei natürlich besonders spannend vor ein paar Jahren im Iran gewesen, aber auch diesmal in Peru.

Schließlich hatte Redecker, der als Ingenieur unter anderem Brücken baut, so auch die Gelegenheit, in La Paz, dem Regierungssitz Boliviens, die Seilbahn zu testen. „Da hätte ich auch in Wuppertal Spaß dran.“ Dass möglicherweise zwischen Hauptbahnhof und Küllenhahn allerdings die teuerste der Welt entstehen könnte, sei dann noch ein anderes Thema, sagt er schmunzelnd.

Dass der Massentourismus das Bergsteigen mittlerweile eingeholt hat, ist die Schattenseite des Hobbys und Sports. Einen ausreichend gefüllten Geldbeutel vorausgesetzt, wird sogar der Mount Everest, der höchste von allen, zum Ziel für Leute, die bergsteigerisch eigentlich zu schlecht sind. „Man darf nicht vergessen, dass wir in Höhen unterwegs sind, wo der Mensch eigentlich nicht hingehört“, erklärt der 49-Jährige. Das gelte schon für die Sechstausender. Und Achttausender sind dann noch mal eine ganz andere Dimension. „Auch wir waren schon in Situationen, wo einem ganz anders wird“, erinnert er sich zum Beispiel an plötzliche Wetterumschwünge und ähnliches. „Man darf sich selbst nicht überschätzen.“ In letzter Konsequenz müsse man ein Unterfangen, auch wenn das weh tue, abbrechen – oder aufgrund der Wetterlage gar nicht erst angehen. „Ist uns auch schon passiert.“ Ein Flug von tausenden von Kilometern – und der Berg bleibt dann doch unerreicht.

Seine Frau sei kein großer Fan des Bergsteigens. Der Familienurlaub geht meistens an den Strand. Redecker lacht. „Eigentlich hasst sie die Berge.“ Denn wenn er teilweise mehrere Tage am Stück in den Höhen unterwegs ist, „bin ich nicht erreichbar“. Kein Handyempfang und manchmal wüsste nur der lokale Guid (der selbst mit auf der Tour ist), wo man gerade sei.

Damit nichts passiert, sei die Vorbereitung deshalb enorm wichtig, betont der Wuppertaler. Laufen, Ausdauer, fit halten. Und ein paar Monate, bevor es losgeht, wird das Training intensiviert. „Das Bergische Land ist ganz gut dafür.“ Nur die Höhe, erklärt Redecker, „die kann man nicht wirklich trainieren“.

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