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Bergischer Neustart am Döppersberg.

Offen gesagt : Bergischer Neustart

Das wird so nichts mit dem Döppersberg. Die Zeichen stehen auf Stillstand. Wann der irische Textilbilliganbieter Primark in das optisch ebenso interessante wie dominante Gebäude einzieht, ist immer noch ungewiss.

Dass die Bahn jemals ihr Gebäude auf einen Stand bringt, der wenigstens als ausreichend empfunden werden kann, ist angesichts fehlender schriftlicher Zusagen ein Spiel gegen die Bank. Und ein Factory Outlet Center wird es in der Bundesbahndirektion niemals geben. Daran dem heutigen Eigentümer Uwe Clees die Schuld zu geben, wäre allerdings ein bisschen unfair. Der umtriebige Wülfrather Immobilienunternehmer muss sich allenfalls vorwerfen lassen, zu lange gar keinen Plan für das imposante Gebäude gehabt zu haben. Dass ausgewiesene Fachleute die Bahndirektion als untauglich für Einzelhandel erklären, weil sich das Freizeit- und Konsumverhalten der Menschen nun einmal ändert, ist Clees nicht anzulasten.

Aber als Eigentümer des denkmalgeschützten Hauses trägt er eine Mitverantwortung dafür, was aus dem neuen Zentrum Wuppertals wird. Eigentum verpflichtet schließlich - erst recht jemanden, der aus dem Bergischen Land stammt und auch dem Bergischen Land seinen Wohlstand verdankt.

Nach all den Jahren des Stillstandes und des langen, aber nicht Erfolg versprechenden Versuches, aus der Direktion ein hochwertiges Schnäppchenparadies zu machen, ist es an der Zeit, neu über den Döppersberg und dessen prägendstes Bauwerk nachzudenken. Dafür wäre allerdings zunächst einmal die Erkenntnis notwendig, dass nach dem Ende des FOC-Traums am Döppersberg aus Sicht Wuppertals nichts mehr gegen ein Outlet-Center in Remscheid-Lennep spricht. Wenn selbst der Elberfelder Einzelhandel die Remscheider Pläne favorisiert, können die für Wuppertal nicht schädlich sein. Vielmehr wäre so ein Center ein Publikumsmagnet für die gesamte Region und böte zumindest die Chance, mehr Menschen von der touristischen Attraktion Wuppertals zu überzeugen, ganz abgesehen von den bis zu 1000 Arbeitsplätzen, die dort entstehen sollen und sicher nicht ausschließlich mit Remscheidern besetzt werden können.

Aus der Erkenntnis, dass juristische Auseinandersetzungen letztlich meistens nur Anwälten nutzen, müssten Remscheid, Solingen und Wuppertal die Konsequenz ziehen, etwas sinnvolles zu entwickeln – zum Beispiel den gemeinsamen Erwerb der Bahndirektion, um daraus ein Zentrum für Bergische Dienstleistungen, Bergische Kultur und/oder Bergische Geschichte zu machen. Womöglich wäre auch die Bergische Universität dankbar für Flächen in dem wunderschönen und für Studenten ideal gelegenen Gebäude. Und was spräche gegen eine endlich gemeinsame Volkshochschule der drei Städte in der Bahndirektion?

Wenn alle Beteiligten guten Willens sind und die IHK sich aus dem Ganzen heraushält, dann lässt sich aus der Not am Döppersberg eine Tugend machen, zumindest was die Bahndirektion angeht. Das Bergische Land kann einen Neustart dringend vertragen, und die Stadt Wuppertal wäre an einer zentralen Stelle ihres Jahrhundert-Projektes mit Hilfe von Solingen und Remscheid endlich einmal Herrin des Verfahrens.

All das kostet freilich Geld. Wahrscheinlich sogar einige Millionen Euro. Aber es wäre eine Investition in Wuppertals und erst recht in die gemeinsame Zukunft des Städtedreiecks – es wäre deutlich besser, zielführender und Erfolg versprechender als weiter Anwaltsrechnungen zu bezahlen.