Bergischer HC fühlt sich von der Stadt Wuppertal missachtet

Sportpolitik: BHC fühlt sich von der Stadt missachtet

In Wuppertal fehlt es an Unterstützung für den Leistungssport – so lautet ein Vorwurf, nachdem der BHC seine Kooperation mit Düsseldorf bekannt gegeben hat und der WSV in Finanzproblemen steckt. Der Oberbürgermeister widerspricht.

Der Handball-Bundesligist Bergischer HC kündigt an, dass er ab der kommenden Saison vier bis sechs seiner Heimspiele in Düsseldorf austragen wird. Fast zeitgleich gibt der Fußball-Regionalligist WSV bekannt, dass er innerhalb kurzer Zeit 260 000 Euro aufbringen muss, um die drohende Insolvenz zu abzuwenden. Das Sportjahr 2019 hat nicht gut begonnen. Wie ist es aber generell um die Sportstadt Wuppertal bestellt?

Der BHC hat mit der Ankündigung, den ISS Dome in Düsseldorf als dritten Heimspielort neben der Uni-Halle und der Solinger Klingenhalle zu etablieren, Diskussionen ausgelöst. Der FDP-Fraktionschef im Stadtrat, Alexander Schmidt, warf Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) und Dezernent Matthias Nocke (CDU) vor, den „Schlaf der Gerechten“ zu schlafen, da die Stadt es über Jahre versäumt habe, den Imageträger BHC in der Stadt zu halten.

Jörg Föste, Geschäftsführer und Gesellschafter des Bergischen HC, wählt mildere Worte: „Seit 1996 wird in Wuppertal und Solingen Bundesligahandball gespielt. Wenn in 22 Jahren von der Stadt keine administrativen Prozesse für den Profisport aufgebaut worden sind, dann stimmt das bedenklich“, sagt Föste, das gelte auch für Solingen. „Es gibt keinen Ansprechpartner für den Profisport, da ergibt sich ein Vakuum“, so Föste. Er vermisst, proaktives, also vorausplanendes Handeln der Stadt.

„Wir haben den BHC bei seinen Plänen zum Neubau einer Multifunktionsarena von Beginn an mit unseren Fachleuten des Sportamtes und unseres Bau- und Planungsbereiches und auch der Bergischen Gesellschaft unterstützt. Parallel haben wir zahlreiche alternative Flächen in Wuppertal auf ihre Eignung geprüft beziehungsweise vorgeschlagen und bewertet. Denn ein solches Projekt einer Multifunktionshalle hätte überregionale Strahlkraft gehabt. Deshalb haben wir den BHC auch darin unterstützt, Fördermöglichkeiten für dieses Vorhaben zu erschließen“, entgegnen Oberbürgermeister Mucke und Dezernent Nocke. Der Ausstieg aus dem Arena-Projekt sei bedauerlich, aber allein die Entscheidung des BHC, die die Stadt respektiere, sagt Mucke.

Hat der Leistungssport den Stellenwert, den er verdient?

Jörg Wolff hat den Verein Sportstadt Wuppertal vor drei Jahren mitgegründet. Nur noch in wenigen Sportvereinen in Wuppertal wird Leistungssport betrieben. Ob im Volleyball, Basketball oder Fußball - die Zeiten, als Wuppertaler Mannschaften Meisterschaften feierten, liegen weit zurück. Und von den wenigen Vereinen und Sportlern, die zum Beispiel im Tanz, Kanu-Rennsport, Leichtathletik oder Rollsport auf nationaler oder internationaler Ebene mithalten können, ist oft zu hören, dass es an der Unterstützung von Sponsoren und Stadt fehlt.

„Der Verein Sportstadt Wuppertal unterstützt die Leichtathleten des LAZ, die Beyeröhder Handballgirls, den Langerfelder TV, Triathleten und Boxer sowie den WSV, zählt Wolff auf. „Wir tun das im Rahmen unserer Möglichkeiten.“ Er ist der Meinung, dass die großen Unternehmen in der Stadt mehr für die Vereine tun sollten. „Das Sponsorenvolumen in Wuppertal beläuft sich gerade einmal auf vier Millionen Euro“, so Wolff. Die Stadt vernachlässige den Leistungssport und konzentriere sich zu sehr auf den Breitensport. „Um Konzepte entwickeln zu können, benötigen wir zunächst einmal eine umfassende Analyse der Situation“, schlägt Wolff vor. Die Sportvereine stünden angesichts des demografischen Wandels vor großen Herausforderungen. Das dürfe die Stadt nicht einfach auf sich zukommen lassen.

 Claudia Hastrich, Geschäftsführerin des SV Bayer, spricht von guten Rahmenbedingungen für die Spitzenschwimmer. „Im Schwimmsportleistungszentrum und in der Schwimmoper finden unsere Schwimmer sehr gute Trainingsmöglichkeiten vor, die wir als Verein kostenfrei nutzen können.“ Hastrich vermisst in der Zusammenarbeit mit der Stadt allerdings wie auch Jörg Föste, dass die Stadt Impulse gibt und aufnimmt. „Wir benötigen im Teilzeitinternat im Schulzentrum Süd einen zusätzlichen Raum als Rückzugsmöglichkeit für die Sportler. Mit dieser Bitte haben wir uns im vergangenen Jahr an die Verwaltung gewandt, bisher ohne Ergebnis. Junge Leistungssportler aus der Region werde der SV Bayer aber nur an sich binden können, wenn das Teilzeitinternat die erforderlichen Voraussetzungen biete.

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