Bergischer Geschichtsverein: Vom Expertenkreis zum Großverein

Bergischer Geschichtsverein: Vom Expertenkreis zum Großverein

Knapp 4000 Mitglieder im Jahr des 150-jährigen Bestehens.

Wuppertal. Ob nun die jüdische Alltagskultur im Herzogtum Berg, die Geschichte der Müngstener Brücke oder die Geschichte von Schloss Burg — kaum eine Institution hat sich im Bergischen Land um die Erforschung der Regionalgeschichte so verdient gemacht, wie der Bergische Geschichtsverein (BGV). Anlässlich seines 150-jährigen Bestehens wurde der Altertumsverein selbst zum Gegenstand eines Vortrages. Professor Volkmar Wittmütz zeichnete in der Zentralbibliothek die Entwicklung des Vereines nach.

Gegründet wurde der Geschichtsverein am 13. März 1863 auf einer Zugfahrt von Elberfeld nach Düsseldorf vom Gymnasiallehrer Karl Friedrich Bouterwek und dem Altphilologen Karl Kraft zur „Erforschung der politischen und der Kirchen-Geschichte der ehemaligen Herzogthümer Jülich, Cleve und Berg sowie der dazu gehörigen und angrenzenden Lande“. Damit sei der Geschichtsverein ursprünglich ein Zusammenschluss von Experten gewesen, die vorwiegend die Reformationsgeschichte im Rheinland erforschen wollten, erklärt Wittmütz, emeritierter Professor für Regionalgeschichte an der Bergischen Universität.

Mit der Reformationsgeschichte im Herzogtum Jülich-Cleve-Berg — das im Rahmen der konfessionellen Auseinandersetzung zwischen Protestanten und Katholiken einen Mittelweg beschritt — habe der Geschichtsverein ein Alleinstellungsmerkmal besessen. Inzwischen sei das ganze Bergische Land im Fokus des Geschichtsvereins. Heute zählt der Verein knapp 4000 Mitglieder. Exkursionen und Vorträge prägen das Vereinsleben. „Die gesellige Seite gehört dazu“, weiß Wittmütz. Internationale Kontakte habe man durch die „Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins“ knüpfen können. Zudem zählt die Vereinsbibliothek, die in der Zentralbibliothek beheimatet ist, rund 25 000 Bücher.

Bundesweit genieße der Verein hohes Ansehen, sagt der Forscher. Doch auch ein Geschichtsverein muss sich der Zukunft stellen — und da wird Wittmütz nachdenklich: Die Identifikation mit dem Bergischen Land habe spürbar abgenommen, beobachtet der Historiker.

Am Sonntag, 1. September, ist in der historischen Stadthalle ein Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Geschichtsvereins geplant.

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