Bergische Werkzeughersteller protestieren gegen US-Strafzölle

Konjunktur : Bergische Werkzeughersteller sprechen bei US-Botschafter vor

Konjunktur schwächt sich ab - ein Grund sind US-Strafzölle.

Das Baugewerbe, die IT-Branche, Wirtschaftsprüfer, das Gastgewerbe, die Gesundheitswirtschaft sowie die Medien- und Kommunikationsbranche sind aktuell die Konjunktur-Lokomotiven der rheinischen Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommen die Industrie- und Handelskammern (IHK) im Rheinland, die 2930 Unternehmen zur Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden Monate befragten.

Die IHK-Bezirke Bergisch Land, Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Köln, Mittlerer Niederrhein und Niederrhein sind von den Turbulenzen auf den Weltmärkten unterschiedlich stark betroffen. Am 18. November fand in der Bergischen IHK ein Treffen der von US-Zöllen bedrohten bergischen Werkzeughersteller und dem außenpolitischen Sprecher der CDU, Jürgen Hardt, statt. Dabei wurde vereinbart, dass die IHK die Reise einer Unternehmerdelegation zum US-Botschafter Richard Grenell nach Berlin organisieren wird, um ihm die prekäre Situation zu verdeutlichen. Die US-Strafzölle richten sich mit einer gesonderten Warenliste für Deutschland gegen die deutschen Werkzeughersteller. Auf Zangen, Schraubendreher und Metallscheren werden bei der Einfuhr in die USA seit einem Monat Strafzölle in Höhe von 25 Prozent erhoben.

„Der Anteil der Industriebeschäftigten liegt in Düsseldorf bei 12 Prozent, im Bergischen sind mehr als ein Drittel in der Industrie beschäftigt“, erläuterte IHK-Geschäftsführer Uwe Mensch den Hintergrund der erhobenen Daten. Während die Metropolen Köln und Düsseldorf mit einer Konzentration auf den Dienstleistungssektor weniger gefährdet sind, leidet die exportorientierte bergische Wirtschaft stärker unter den politisch bedingten Handelsbarrieren als die Großstädte am Rhein.

Die Geschäftslage wird von den rheinischen Unternehmen insgesamt als noch relativ gut bewertet, wobei die Kurve des Geschäftsklima-Indexes, der neben dem aktuellen Stand die Erwartungen spiegelt, so stark abgeknickt ist wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Die Arbeitsmarktlage im Rheinland ist noch sehr gut, in vielen Branchen werden weiterhin Fachkräfte gesucht. Uwe Mensch ist überzeugt, dass sich das Beschäftigungswachstum nicht fortsetzen wird. Immerhin wollen aber knapp zwei Drittel der Unternehmen im Rheinland keine Mitarbeiter entlassen und etwa ein Fünftel neue Stellen schaffen. „Dass der Fachkräftemangel weiter als großes Konjunkturrisiko gesehen wird, ist Beleg dafür, dass es sich dabei um ein strukturelles Problem handelt“, sagt IHK-Referent Hagen Hintze. Neue Arbeitsplätze werden in der IT-Branche und aufgrund der Auftragslage im Baugewerbe erwartet. Die Bereitschaft vieler Unternehmen, in Kapazitätserweiterungen zu investieren, sei allerdings rückläufig.

Insbesondere die Metallindustrie, der Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die Kunststoffindustrie sind von den Handelskonflikten und dem voraussichtlichen Brexit betroffen. „Letzterer betrifft vor allem die Automobilindustrie. Dieser bedeutende Wirtschaftszweig kämpft zudem mit den Folgen eines tiefgreifenden Strukturwandels“, sagt Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen IHK. ab