Wuppertal: Bergische Sonne: Viele Ideen für das Spaßbad — aber noch kein Käufer

Wuppertal: Bergische Sonne: Viele Ideen für das Spaßbad — aber noch kein Käufer

Die Vermarktung der Bergischen Sonne erweist sich als schwierig. Zukunft als Spaßbad scheint fast ausgeschlossen.

Lichtscheid. Der Interessent aus Köln hatte schon konkrete Pläne. Zwei große Festsäle, vor allem für türkische Hochzeiten, wollte er einrichten — und damit die Bergische Sonne, das Spaßbad, das seit Jahren im Dornröschenschlaf liegt, wieder beleben. Nicht als Bad, aber als Veranstaltungsraum. „Das hat sich dann aber leider zerschlagen“, sagt Makler Hans M. Stephan, der das Objekt betreut. „Obwohl es viele Gespräche gab.“

Lag es am Preis? Mehr als eine Million Euro dürften es sein, die Olga Kharitonova, Gründerin der Finader GmbH und derzeitige Eigentümerin, für das Bad samt Grundstück haben will. Genaue Zahlen wollte Stephan nicht offenbaren. Dazu kämen aber auch noch nicht unerhebliche Umbaukosten. Wobei der Zustand, vielen Unkenrufen zum Trotz, doch deutlich besser als erwartet ist — und das nach jahrelangem Leerstand wohlgemerkt.

Das wurde auch beim Ortstermin am gestrigen Donnerstag mit der SPD, die auf ihrer Sommertour Station auf Lichtscheid machte, deutlich. Vor allem das Dach, hebt Stephan hervor, sei noch sehr gut in Schuss. Die Saunaräume laden praktisch zum Hitzebad ein, der typische Geruch liegt noch in der Luft, und auch sonst halten sich Schäden in Grenzen — auch wenn am Donnerstag natürlich der Wind durch das Gebäude, das von einem Sicherheitsdienst geschützt wird, pfeift. Einige Fensterscheiben sind im Laufe der Zeit dann doch zu Bruch gegangen.

Kaufanfragen habe es, seitdem 2016 Stephan die Vermarktung der Bergischen Sonne organisiert, einige gegeben. Gut 30, schätzt er, „seriöse“ wohlgemerkt. Also solche, die sich wirklich vorab informieren. Erst am Mittwoch, so erzählte er am Donnerstag, habe es eine lange Besichtigung gegeben. Vier Stunden habe sich der Interessent umgeschaut.

Allzuviel wolle er nicht verraten. Nur soviel: Badebetrieb habe dieser nicht im Sinn.. „Es hat mit Gesundheit zu tun“, so der Makler. Sauna, Massage und ähnliches sei geplant. „Das wäre eine schöne Sache für unsere Stadt“, ist Stephan überzeugt.

Was gebe es sonst noch für Möglichkeiten? Immer wieder wird ein Hotelbetrieb ins Spiel gebracht. Das hatten ursprünglich auch Olga Kharitonova und ihr damaliger Geschäftspartner im Sinn, als sie das Bad, das 2012 seinen Betrieb einstellte, kauften. Umsetzen ließen sich die Pläne allerdings nicht, weshalb das gut 20 000 Quadratmeter große Areal — zum Bad gehören noch einige Parkplätze — wieder einen neuen Besitzer sucht.

Theoretisch könnte der auch erneut ein Spaßbad dort einrichten. Allerdings ist die Konkurrenz in den Nachbarstädten gewachsen und, so sagen Experten, genügt der Gebäudeschnitt eigentlich nicht mehr heutigen Anforderungen für eine solche Nutzung. Zu klein, zu wenige Parkplätze — die andere, ebenfalls gut 20 000 Quadratmeter große Hälfte des Parkplatzgeländes gehört der Barmer — und keine Liegewiese. Die hatte die Bergische Sonne zwar damals im Badebetrieb, aber angemietet von einem angrenzenden Bauern.

Praktisch ausgeschlossen ist Wohnbebauung auf dem Gelände. Die Bergische Sonne ist Gewerbegebiet, hieß es am Donnerstag. Ein Neubau dürfte also nur für Büros oder ähnliches erfolgen. Wobei dann natürlich noch die Abrisskosten ins Gewicht fallen — schätzungsweise noch einmal 300 000 bis 400 000 Euro.

„Eigentlich ist das ein Jammer für diesen Standort“, meinte am Donnerstag SPD-Ratsmitglied Thomas Kring zum Leerstand. Hans M. Stephan bleibt aber optimistisch, einen neuen Eigentümer zu finden.

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