Bergische Firmen sollen voneinander lernen

Wirtschaft : Bergische Firmen sollen voneinander lernen

Anita Ranzan und Ferihan Steiner wollen Unternehmern den Weg in die Digitalisierung ebnen.

Als Unternehmensberaterinnen reisen sie in Sachen Digitalisierung kreuz und quer durch die Republik. Dabei ist die Solingerin Ferihan Steiner in den Bereichen Talentmanagement und Führungskräfteentwicklung tätig, ihre Wuppertaler Kollegin Anita Ranzan verfolgt das Ziel, mutig und kreativ neue digitale Innovationsmodelle für Unternehmen zu erschaffen. Seit gut einem Jahr arbeiten die 47 Jahre alte Wuppertalerin und die sieben Jahre jüngere Solingerin zusammen – und an einer gemeinsamen Mission: „Wir wollen die Digitalisierung im Bergischen voran - und dafür die Unternehmen zusammenbringen“, sagt Ranzan.

Dass dies möglich ist, hat die Wuppertalerin unter anderem bei der Entwicklung des Konzepts und der Software für die Ohligs-App erfahren. In der Regel ist ihr Wissen allerdings nicht in der Region gefragt. So gehörte beispielsweise der Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 zu den Ersten, die ihre Software genutzt haben. Die meisten ihrer Kunden haben ihren Sitz noch weiter entfernt. Ähnlich ergeht es Steiner, die – wie Ranzan – bei ihren Kursen und Seminaren oftmals feststellen musste, dass ein Großteil der Teilnehmer und Referenten ebenfalls die lange Anreise aus dem Bergischen, aus dem Ruhrgebiet oder dem Großraum Düsseldorf in Kauf genommen haben.

„Das ist eine Verschwendung von Lebenszeit“, sagt Steiner. Es zeige ihr aber auch, dass es in der Region ebenso viele Experten mit Erfahrung in der Digitalisierung wie wissensdurstige Unternehmer gibt, die in dieser Hinsicht einen Nachholbedarf in ihrer Firma ausgemacht haben. Den sieht die Solingerin in vielen Branchen, denn Digitalisierung sei nicht nur die technische Seite, auch die Bereiche der Mitarbeiterführung und „Neue Arbeitswelt“ zählen dazu.

„Es gibt Prinzen und Totalverweigerer“, beschreibt die Solingerin die Bandbreite der Bereitschaft, sich auf die Herausforderungen der neuen Entwicklungen einzulassen. Aus Sicht der beiden Beraterinnen liege es da nahe, beide Seiten zum Erfahrungsaustausch zusammenzubringen – zum beiderseitigen Nutzen.

„Prinzen und Totalverweigerer“ sollen zusammengebracht werden

Ihnen schwebt dabei eine regelmäßige „Bergische Speakers Night“ vor. Vertreter von Unternehmen mit weit fortgeschrittener Digitalisierung könnten dort als Experten in kurzen Vorträgen von ihren Erfahrungen berichten. Davon gibt es gerade im bergischen Städtedreieck genug. Schließlich sei beispielsweise Solingen der Sitz des 3-D Start-up Campus NRW und die Zentrale des mitgliederstärksten 3-D-Netzwerkes in Deutschland.

Netzwerken sei auch das eigentliche Ziel, das Ranzan und Steiner mit ihrer Idee der Bergischen Speakers Night verfolgen. Gleiche Erfolge ließen sich ihrer Ansicht nach auch mit einem Experten-Talk erzielen, bei dem sich zwei oder mehrere Kenner vor Publikum über ihre Erfahrungen mit der Digitalisierung unterhalten. Beide Formate hätten den Vorteil einer niedrigen Hemmschwelle für die Zuhörer. Niemand im Publikum, so Steiner, müsse dabei zugeben, „dass er völlig planlos ist“.

Die Erfahrungsberichte könnten laut Ranzan dazu beitragen, „die wachzurütteln, die etwas bewegen und umsetzen wollen“. Womöglich stelle ein Teilnehmer sogar fest, dass die Lösung seines Problems nur wenige Türen weiter zu finden ist. Letztendlich gehe es aus Sicht der Wuppertalerin vor allem um die Bereitschaft, neugierig zu sein. „Ausprobieren, testen und sehen, wie etwas funktioniert“, beschreibt Ranzan das Gebot der Stunde. Denn so sicher, wie die neuen Entwicklungen die Zukunft der Arbeit beeinflussen werden, sei auch die Tatsache, dass es bei der Digitalisierung keinen Zaubertrank gebe, der in allen Fällen wirke. Vielmehr brauche jedes Unternehmen eine individuelle Lösung, die es erst noch zu finden gelte.

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