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Bergische Anleger entdecken Aktien für sich

Wirtschaft : Bergische Anleger entdecken Aktien

Die Umsätze mit Wertpapieren steigen. Anlageberater sehen den Grund dafür aber nicht unbedingt in der Corona-Krise, als vielmehr steigende Kurse. Dabei sei das nicht unbedingt der beste Kaufberater.

Ausgerechnet in der aktuellen Krise scheint es so etwas wie einen kleinen Aktien-Boom bei Privatanlegern zu geben. Zahlreiche Banken in Deutschland berichten von deutlichen Zuwächsen bei Depoteröffnungen und Trades. Ein Phänomen, das auch die bergischen Geldinstitute bestätigen können. „Unser Umsatz im Einzelaktienbereich ist 2020 gegenüber dem Vorjahr um 80 Prozent gestiegen“, heißt es zum Beispiel von der Volksbank im Bergischen Land. Und während sich bei der Stadt-Sparkasse Solingen der Umsatz mit Wertpapieren von 2019 auf 2020 um rund elf Prozent erhöhte, verdoppelte sich der darin enthaltene Umsatz mit Aktien fast, von 20 auf 38 Millionen Euro.

Dass es neben dem zeitlichen einen kausalen Zusammenhang gibt, sehen die bergischen Banker allerdings nicht. „Ich glaube nicht, dass das mit Corona zu tun hat“, sagt zum Beispiel Uwe Schmidt, Leiter des Private Bankings bei der Volksbank im Bergischen Land. Auch sein Kollege bei der Solinger Stadtsparkasse Dr. Florian Boes sieht die Ursache eher im Aktienmarkt selber: „Steigende Kurse führen dazu, dass die Leute Aktien interessanter finden.“

Dabei wäre eine gegenteilige Sichtweise oftmals besser, meint Boes. Kaufen sollte man eher, wenn die Kurse unten sind. „Das machen wir an anderer Stelle auch“, sagt der Leiter der Vermögensberatung. „Fernseher kaufen wir ja auch lieber, wenn sie im Angebot und damit günstiger sind.“ Das den Kunden aufzuzeigen, gehöre zu den Kernaufgaben seriöser Berater.

Und unter Umständen sogar, davon abzuraten, auch darin sind sich Boes und Schmidt einig. Einzeltitel, also Aktien einzelner Unternehmen, seien meist nur für Anleger mit relativ großen Anlagesummen geeignet, sagt Uwe Schmidt von der Volksbank. Denn nur dann sei eine ausreichende Streuung möglich. Ansonsten gelte: „Wenn ich Geld über habe und nicht jammere, wenn es weg ist, kann ich es mit risikobehafteten Aktien versuchen.“ Aber mit der Altersvorsorge zum Beispiel spiele man nicht. Und auch die eigene Liquiditätsreserve eigne sich nicht zum Spekulieren.

Der Grundsatz lautet
immer Diversifizierung

„Der Grundsatz lautet immer Diversifizierung“, sagt Schmidt. Also die Anlage, egal ob Einmalsumme oder regelmäßiger Sparbetrag, möglichst breit zu streuen. Für „normale“ Anleger sei die beste Lösung ein Investmentfonds, in dem mehrere Wertpapiere gebündelt sind. Die Fonds bieten Streuung und werden darüber hinaus oft von Experten gemanagt. Andere bilden auch Indizes wie den Dax oder den Dow Jones ab.

Bei der Auswahl müsse man manchmal auf die objektiven Empfehlungen der Berater vertrauen, statt aufs eigene Gefühl, sagt Dr. Florian Boes. Viele deutsche Anleger würden zum Beispiel zu stark in den deutschen Markt investieren. „Da kennt man sich aus, da fühlt man sich wohl.“ Doch das sei nur eine gefühlte Sicherheit, denn in Wirklichkeit schwanke der US-amerikanische Markt weniger als der deutsche. Und zudem lasse man sich so die Renditechancen in anderen Teilen der Welt, zum Beispiel in Schwellenländern, entgehen.

Den Trend zum Wertpapier begrüßt Volksbanker Schmidt wie Sparkassen-Berater Boes. „An Aktien führt kein Weg vorbei“, sagt Boes. „Die Alternativen dazu bieten meist einen unattraktiv niedrigen Zins oder ein vergleichsweise zu hohes Risiko.“ Und Schmidt sagt: „Das Sparbuch ist tot.“

Allerdings bringe eine Anlage in Wertpapiere zusätzlichen Aufwand mit sich, weil man mehr beachten müsse, gibt Uwe Schmidt zu bedenken. So sei es wichtig, unter den zahllosen angebotenen Fonds den richtigen zu finden, der zum Anleger und seinem zeitlichen Horizont passe.