Beim 1. Mai in Wuppertal geht es auch um Europa

Arbeitnehmer : Am 1. Mai geht es auch um Europa

Gewerkschaften rufen zur Maikundgebung auf. Linksautonome Szene trifft sich auf dem Schusterplatz.

„Europa. Jetzt aber richtig!“ heißt das Motto für den diesjährigen Maifeiertag. Die Gewerkschaften fordern: „Auf die Straße für ein solidarisches und gerechtes Europa!“ Für einen Demonstrationszug durch Wuppertal treffen sich die Teilnehmer ab 10.30 Uhr am Unterbarmer Bahnhof gegenüber der IG Metall an der Elberfelder Straße 87. Von dort zieht der Zug ab 11 Uhr über die B7, Morianstraße, Neumarktstraße zum Laurentiusplatz.

Dort findet ab 12 Uhr die Maikundgebung der Gewerkschaften statt. Diese wird Guido Grüning, Vorsitzender des DGB-Stadtverbandes Wuppertal, eröffnen. Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Andreas Mucke und Beiträgen von Vertretern der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wird Clarissa Bader sprechen, die 1. Bevollmächtigte der IG Metall Wuppertal.

Forderungen der Gewerkschaften in Bezug auf Europa sind unter anderem Vorrang der Interessen von Bürgern vor denen der Unternehmen, europaweite Standards für gute Arbeitsbedingungen, gleiche Chancen für Frauen und Männer und Zukunftsinvestitionen für Europa. Die Redner wollen aber auch über die Wuppertaler Stadtpolitik sprechen und unter anderem auf die Situation der Kaufhof-Mitarbeiter eingehen, die sich über die Folgen der Fusion mit Karstadt Gedanken machen.

Nach der Kundgebung beginnt das Maifest

Im Anschluss an die Kundgebung beginnt das Maifest. 26 Organisationen machen mit, laden an Infostände und zu Aktionen, bieten Stärkung von Kaffee und Kuchen über Würstchen bis zu orientalischen Spezialitäten an. Für Kinder wird es Spiele, Schminkangebote, eine Hüpfburg und eine Fotobox geben. Die musikalische Begleitung des Festes übernehmen „Iris Panknin meets Fiesta Poets“.

Von bis zu 1000 gleichzeitigen Teilnehmern geht Guido Grüning aus – über den Tag verteilt seien es sicher mehr. Steigende Zahlen von Demonstrationsteilnehmern bei „Pulse of Europe“, „Fridays for Futute“ oder den Ostermärschen lassen ihn auch für die Mai-Demo auf höhere Teilnehmerzahlen hoffen.

Ältere Wuppertaler werden sich noch an Maikundgebungen auf dem Rathaus-Platz in Barmen mit mehreren 1000 Teilnehmern erinnern. „Damals war es eine Pflicht, dabei zu sein“, erinnert sich zum Beispiel Wilfried Michaelis, langjähriger Betriebsrat bei den Stadtwerken.

Die Gewerkschaftsveranstaltung wird wohl weitgehend ohne Konflikte verlaufen. Das könnte anders sein bei der Veranstaltung, zu der die linksautonome Szene auf dem Ölberg aufruft. Das Motto heißt hier: „Auf die Straße gegen Ausbeutung und Unterdrückung“. Für 14 Uhr wird im Internet zum Treffen am Autonomen Zentrum an der Markomannenstraße aufgerufen, anschließend zum selbstorganisierten Nachbarschaftsfest auf dem Schusterplatz.

2018 gab es
einige Festnahmen

Traditionell meldet die Szene ihre Kundgebung nicht an, viele Jahre lang zog trotzdem ein Demonstrationszug über den Ölberg, begleitet von Polizei und Staatsschutz. Im letzten Jahr bestand die Polizei darauf, einen Veranstaltungsleiter genannt zu bekommen, als das nicht erfolgte, ließ sie die Demonstranten nicht durchs Viertel ziehen. Als einige Personen durch die Polizeiketten zu brechen versuchten, gab es Festnahmen. Als Folge müssen noch drei Personen mit Prozessen vor dem Amtsgericht rechnen. Sie sind unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Landfriedensbruch angeklagt.

Auch in diesem Jahr gibt es bisher keine Anmeldung einer Kundgebung auf dem Ölberg bei der Polizei. „Wir gehen aber davon aus, dass eine Kundgebung stattfindet, und bereiten uns darauf vor“, erklärte Polizeisprecherin Simone Mellin. Nach welcher Strategie die Polizei mit wie viel Beamten vorgeht, könne sie aber nicht sagen.

Wer auf dem Ölberg fragt, wie die Anwohner die Ereignisse sehen, erhält sehr unterschiedliche Antworten. Von „Wir kommen gut miteinander hier aus, es geht familiär zu auf dem Ölberg“, was Tolga Temel, Vorsitzender des Vereins Sozialtal, erklärt, bis zu „Ich schicke die Kinder nicht raus“, was eine junge Mutter erklärt, die ihren Namen nicht nennen will. Eine Studentin findet den Aufmarsch nicht weiter beunruhigend, eine langjährige Ölbergerin (62) sagt zum Nachbarschaftsfest: „Ich feiere mit.“ Man müsse nur rechtzeitig gehen, bevor die Feiernden laut werden und randalierten. Und Monique Kerwath, Spielplatzpatin am Schusterplatz, sagt: „Das ist ein großes Spektakel“, dem sie gern zusehe. Es sei auch immer friedlich, „um 22 Uhr ist Ruhe und die räumen auch immer hinterher auf.“

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