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Bei Trumanns unterm Tannenbaum

Bei Trumanns unterm Tannenbaum

Wie drei Generationen aus Vohwinkel gemeinsam Heiligabend feiern.

Vohwinkel. Vergangenes Jahr haben der Schnee und das anschließende Chaos auf den Straßen die Familie Trumann zur Improvisation gezwungen. Da gab es keinen „echten“ Weihnachtsbaum, kurzerhand wurde gemeinsam eine Papp-Variante gebastelt, angemalt und geschmückt. „Uns und den Kindern hat es gut gefallen, aber ich glaube Oma war ein bisschen überrascht“, erinnert sich Sylvia Trumann (32) lachend.

Dieses Jahr hat die fünfköpfige Familie den Baum vorsorglich schon am 4. Advent aufgestellt und geschmückt — mit einer bunten Mischung aus selbstgebasteltem und gekauftem Baumschmuck und alten Familienstücken. Genauso hält es die Familie auch mit den Feiertagen und den dazugehörigen Traditionen: Sylvia Trumann und ihr Mann Markus (31) lassen die schönsten Erinnerungen aus ihrer Kindheit weiterleben und vermengen sie mit der eigenen Vorstellung vom Weihnachtsfest.

So gehören das gemeinsame Singen, der Gang zum Gottesdienst und das Festessen mit der Großfamilie genauso dazu wie die Suche nach dem Nordstern — eine Erinnerung an Sylvia Trumanns Kindheit in Ostpreußen. Erst wenn Ari (6), Viti (4) und Pepe (2) an Heiligabend den Polarstern am Himmel gefunden haben und das Glöckchen geläutet wird, ist es Zeit für die Bescherung. „Für mich war das immer ganz aufregend, wer von uns Geschwistern den Stern zuerst gesehen hat“, sagt die dreifache Mutter und Architekturstudentin.

Die Kinder haben sicherheitshalber gleich zwei Wunschzettel geschrieben, einen an das Christkind und einen an den Weihnachtsmann. „Sie glauben an das Christkind. Der Weihnachtsmann ist eher der Ansprechpartner aus der Werbung“, sagt Markus Trumann, der im Bereich Medizintechnik arbeitet. „Wenn sie beim Christkind nicht landen können, haben sie ihn immer noch in der Hinterhand“, ergänzt er schmunzelnd.

Apropos Geschenke: Für Lukas Arjun (Ari) und seine Brüder Vinzent (Viti) und Philipp (Pepe) sind sie natürlich „das Tollste an Weihnachten“, da muss keiner der drei lange überlegen. Der Älteste hat seinen Wunschzettel detailliert mit Oma besprochen, damit „sie alles genau an den Himmel weitergeben kann“. Viti wünscht sich Spezial-Skier mit Feuerantrieb und der kleine Pepe steht auf Polizei- und Feuerwehrautos.

Mit Oma Gisela Trumann (74), die der jungen Familie ihr Haus vermacht hat und jetzt zwei Türen weiter wohnt, waren die drei Jungs in der Adventszeit am liebsten auf den Weihnachtsmärkten unterwegs: „Die lebendige Krippe in Elberfeld hat ihnen besonders gut gefallen“, sagt die Wuppertalerin.

Und worauf freuen sich die Großen am meisten? Für Sylvia ist es das entspannte Zusammensein mit der Familie. „Da kommt ein Stück von der alten Magie aus der Kindheit hoch.“ „Es ist schön zu sehen, wie die Kinder reagieren und sich freuen“, sagt auch ihr Mann. Für die Großmutter Gisela Trumann ist es schön zu sehen, dass alte Traditionen weiterleben. Auch die ruhigen Momente im Weihnachtstrubel sind ihr wichtig. „Wenn ,Süßer die Glocken nie klingen‘ gesungen wird oder wenn ich den Kindern eine Geschichte vorlese“, sagt sie.

Beide Familien passen nicht komplett unter einen Baum: Deshalb wird Heiligabend mit Markus’ Mutter und Schwester gefeiert und am zweiten Feiertag kommt dann Sylvia Trumanns gesamte Familie — mit der Uroma sind es 19 Personen — nach Vohwinkel. Unter den Erwachsenen wird gewichtelt und eine alte Tradition hochgehalten: „Auf dem Tisch liegt ein großes Stück Oblate, das wird reihum geteilt und jeder wünscht dem anderen etwas“, erklärt sie.

Seit die junge Familie in Markus’ Elternhaus wohnt, hat sie die Gastgeberrolle übernommen. Markus Trumann kocht gemeinsam mit seiner älteren Schwester. Auf dem Speiseplan steht ein aufwändiges Weihnachtsmenü mit Steinpilzsuppe, Wildschwein mit Süßkartoffeln und Lebkuchensoße und warmem Schokokuchen. Auf die Kochkünste ihrer Kinder ist auch Gisela Trumann wieder gespannt: „Bei uns früher war das sehr einfach. Es gab Kartoffelsalat mit Würstchen“, erinnert sie sich.