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Bei der Stichwahl in Wuppertal geben die CDU-Wähler den Ausschlag

Kommentar zur Kommunalwahl : Den Ausschlag gibt die CDU

Nach der Wahl ist vor der Wahl - das gilt jedenfalls für Amtsinhaber Andreas Mucke (SPD) und Uwe Schneidewind, gemeinsamer Kandidat von CDU und Grünen, die es in die Oberbürgermeister-Stichwahl am 27. September geschafft haben.

Und alle, die nun sagen: Das war doch schon vor der Wahl klar, seien daran erinnert, dass es in den langen Wochen des Wahlkampfs etliche Propheten gegeben hat, die dem Kandidaten von CDU und Grünen eine krachende Bruchlandung vorhergesagt haben.

Nicht Fisch, nicht Fleisch und bis auf einen kleineren, inneren Zirkel der Stadtgesellschaft kaum bekannt - so wurde Uwe Schneidewind von seinen Kritikern beschrieben. Nun, die Bekanntheit des Herausforderers hat ausgereicht, um in die Stichwahl einzuziehen. Mit einem leichten Vorsprung vor Andreas Mucke.

Dass sich die Wählerstimmen so eindeutig auf zwei Kandidaten verteilen würden, ist keineswegs selbstverständlich. Da gab es zum Beispiel mit Marcel Hafke einen respektablen Kandidaten, der einen engagierten Wahlkampf betrieben hat. Politische Erfahrung, politisches Geschick und den festen Willen, es als selbsternannter einziger Kandidat des bürgerlichen Lagers in die Stichwahl zu schaffen, kann man ihm nicht absprechen.

Realistisch war Hafkes Vorgaben allerdings nicht, denn dann hätte er einer anderen Partei angehören müssen. Der Parteivorsitzende Christian Lindner hat seine liberalen Freunde nach der Bundestagswahl in die politische Wüste geführt, und Wuppertal ist keine FDP-Oase.

Der Genosse Trend macht auch SPD-Kandidat Andreas Mucke zu schaffen. Rote Rathäuser wird es nur noch in absoluten SPD-Hochburgen geben, Wuppertal ist schon lange keine mehr. Dennoch stand nie zur Debatte, dass Mucke die Stichwahl verpassen könnte. Seine Fünfjahresbilanz als Oberbürgermeister ist zwar keine Heldengeschichte, doch als bürgernahes Stadtoberhaupt durfte er auf Akzeptanz und Popularität bauen.

Uwe Schneidewind hatte mit CDU und Grünen die vermeintlich größte politische Macht im Rücken. Während die Grünen ihm konsequent den Rücken stärkten, war zumindest in konservativen Kreisen der CDU die Versuchung groß, dem Kandidaten in den Rücken zu fallen. Die in vielen Punkten zerstrittenen CDU-Mitglieder verzichteten allerdings darauf, den eigenen Kandidaten öffentlich zu demontieren. Allerdings würde sich dazu ja bei der Stichwahl am 27. September noch die Gelegenheit bieten. Muckes Vorgänger Peter Jung hat vor fünf Jahren die Stichwahl nicht etwa verloren, weil Andreas Mucke so viele Stimmen mehr bekam als im ersten Durchgang, sondern weil viele CDU-Wähler bei der Stichwahl nicht mehr den Weg ins Wahllokal fanden. Dieses Schicksal könnte auch Uwe Schneidewind ereilen, sollte die CDU-Basis das Vertrauen in den Kandidaten am Ende doch noch verlieren. Zwei Wochen lang darf nun spekuliert werden, wohin die Stimmen der anderen wandern. Offene Wahlempfehlungen - so war von den Linken, der FDP, der Partei oder den Freien Wählern zu hören, wird es nicht geben.

Unter dem Strich steht eine OB- und Kommunalwahl 2020, die trotz Corona unter regulären Bedingungen stattgefunden hat. Wahlkampf war möglich - wenn auch mit Einschränkungen. Bis auf wenige verbale Entgleisungen und rechtspopulistische Plakate wurde er fair geführt. Die Wuppertaler hatten die Wahl - und sollten am 27. September wieder von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.