„Bei der Pflege gibt es viel nachzubessern“

WZ-Mobil : „Bei der Pflege gibt es viel nachzubessern“

Am WZ-Mobil fordern viele Wuppertaler eine bessere Bezahlung für Angestellte der Branche.

Die Pflege im Alter und ihre Kosten waren in dieser Woche Thema beim Gespräch der Bundestagsabgeordneten Claudia Moll und des Wuppertalers Helge Lindh (beide SPD) im Kontakthof. Dabei wurden die unterschiedlichen Ansätze im Gespräch mit dem interessierten Publikum erläutert.

Welche Meinung dazu hatten die Passanten am Laurentiusplatz, die am WZ-Mobil befragt wurden? In einem waren sich alle einig: Die Menschen, die diesen physisch und psychisch belastenden Beruf ausüben, müssen besser bezahlt werden und haben mehr Anerkennung verdient.

Regelrecht revolutionäre Gedanken dazu äußerte Friedhelm Appenrodt: „Wie wir den Pflegenotstand beseitigen? Ganz einfach, befreit die Menschen, die in diesen Berufen arbeiten, von der Lohnsteuer, oder gewährt ihnen zumindest einen größeren Freibetrag. Es ist doch ein Witz, dass der Staat denen Lohnsteuer abknöpft und von dem Geld in anderen Ländern versucht, Fachkräfte anzuheuern.” Dabei äußert er noch einen bemerkenswerten Denkansatz: „Und was ich noch wichtig finde: Befreit sie von den GEZ-Gebühren. Dann ist der Beruf so attraktiv, dass wir bald keinen Pflegenotstand mehr haben werden.“

Radovan Radic (72) zahlt zwar hier von seiner Rente in die Pflegeversicherung ein, ebenso wie seine berufstätige Frau, doch er befürchtet: „Wenn wir nach Kroatien zurückkehren, habe ich Zweifel, dass wir da im Bedarfsfall nach demselben Standard gepflegt werden wie hier.“

„Die Menschen werden
einfach zu wenig wertgeschätzt“

„Auf dem Gebiet der Pflege gibt es noch viel nachzubessern“, meint Anette Fank. „Die Mittel der Pflegeversicherung reichen nicht für einen Heimplatz. Es muss dann das Privatvermögen, für das ja schon Steuern bezahlt worden sind, herangezogen werden. Das finde ich fragwürdig, wenn dem betreffenden Menschen dann gar kein Erspartes mehr bleibt.“

Die mangelnde Attraktivität des Pflegeberufs ist für Margret Schmidt auch ein Grund für die Misere: „Die Menschen werden einfach zu wenig wertgeschätzt, dabei sind die Erwartungen an deren Arbeit sehr hoch, aber die Anerkennung und die Entlohnung dafür sind klein. Da muss sich dringend etwas ändern.“

Rundum zufrieden mit dem derzeitigen Zustand der Pflege zeigt sich Bettina Wagener: „Ich habe eine 98 Jahre alte Mutter und kann nur sagen, dass sie bestens versorgt und die Finanzierung auch fast komplett übernommen wird.“

Adele Teschlage findet zwar, dass es immer etwas zu verbessern gibt, doch sie als Bewohnerin eines Altenheims sieht keinen Grund zu klagen: „Mir geht es gut hier“, sagt sie und zeigt auf die Einrichtung nebenan am Laurentiusplatz.

Auch wenn sie selbst keine Probleme hat, sieht Sabine Orth doch Mängel in der Versorgung in den Alten- und Pflegeheimen. „Meine Schwester lebt in einem Heim und bekommt dort natürlich ausreichend zu essen und zu trinken. Aber es wäre gut, wenn sie dort auch Anregung zu mehr Bewegung bekommen würde.“