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Bei den Wasserfreunden endet eine Ära

Sport : Bei den Wasserfreunden Wuppertal endet eine Ära

Die Vorstände Peter Schwafferts und Peter Nocke gehen nach zehn Jahren.

Seit einer Woche läuft bei den Wasserfreunden Wuppertal im Freibad Bendahl das „Badewasser ein“. Dank des im vergangenen Jahr angelegten neuen Brunnens fließt das gute Grundwasser, das aus 63 Metern Tiefe sprudelt, deutlich schneller ins 50-Meter-Becken als zuvor aus dem rund 20 Jahre alten und immer mehr versiegenden alten.

So sollte Ende der Woche dieser Vorbereitungsschritt auf die neue Saison abgeschlossen sein. „Wir bereiten alles so vor, als ob wir wie immer zum 1. Mai starten können“, sagt Peter Nocke, 2. Vorsitzender der Wasserfreunde, wohl wissend, dass aktuell derartige Zeitpläne leicht über den Haufen geworfen werden können.

Alles hängt davon ab, ob die Landesregierung ihre Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie bis dahin lockert, das heißt, die zunächst bis 19. April verordnete Schließung aller Sportstätten sowie Versammlungsverbote im Mai aufhebt. Nocke und sein Vorstandskollege Peter Schwafferts erwarten dazu in Kürze Hinweise und würden dann nicht nur mit der Chlorierung des Beckenwassers, sondern auch mit dem Anheizen beginnen, damit das Wasser innerhalb von zwei Wochen eine angenehme Temperatur hat.

Dass beide noch im Amt sind, hängt auch mit der Corona-Pandemie zusammen. Eigentlich sollte ihre Amtszeit mit der Jahreshauptversammlung am 2. April nach zehn Jahren enden. Einen neuen designierten Vorstand gibt es mit Harald Beyer, Timo Besse und Ellen Kineke (sie soll Lutz Vollmer im Bereich Finanzen ersetzen) bereits.

Doch die Jahreshauptversammlung musste verschoben werden, findet jetzt, so schätzt der 1. Vorsitzende Peter Schwafferts, frühestens im Juni statt. So nehmen Peter & Peter also noch einen kleinen Nachschlag, und sie tun das entspannt, halten das Feld für ihre Nachfolger für gut bestellt.

„Vor zehn Jahren haben wir hier in einer absoluten Notsituation begonnen, der Verein war in Insolvenzgefahr“, berichtet Ex-Spitzenschwimmer Nocke. Die Kosten liefen damals weg, die Mitgliederzahl war knapp unter 1000 gesunken, so dass die Beiträge bei weitem nicht mehr ausreichten. „Damals mussten wird zunächst schmerzhafte Einschnitte vornehmen“, erinnert sich Peter Schwafferts.

Das betraf vor allem den Bereich Spitzensport, denn bei dem ehemals erfolgreichsten Deutschen Verein mit zahlreichen Olympiateilnehmern gab es kaum noch Top-Schwimmer, aber noch ein Trainerteam. Von dem trennte man sich damals weitgehend, es gab die historische Absprache unter den Wuppertaler Vereinen, die bis heute gilt: Der SV Bayer bündelt den Bereich Schwimmen auf hohem Niveau bei sich, der SV Neuenhof den Bereich Damen-Wasserball und die Wasserfreunde konzentrieren sich auf Herren-Wasserball, wo man bis heute – inzwischen in einer Startgemeinschaft mit Solingen – ein Zweitliga-Team unterhält.

Investitionen in Technik
und die Außenanlagen

Um das Bad wieder attraktiver zu machen, wurde auch in nötigem Umfang investiert, vor allem in die Technik, aber auch in die Außenanlagen. Die neue Beckenabeckung für die kalten Nächte hilft kräftig beim Energiesparen. „Insgesamt haben wir mehr als 200 000 Euro investiert und gleichzeitig Verbindlichkeiten gesenkt“, sagt Schwafferts. Parallel stieg die Mitgliederzahl wieder auf heute 1440. „Sonst wäre das alles nicht möglich gewesen“, betont Nocke.

Und die nächsten großen Investitionen sind vorbereitet. Die Wasserfreunde hoffen auf Geld aus dem Förderprogramm Moderne Sportstätten 2022 der Landesregierung. Mit der Finanzierungszusage der Hausbank über 320 000 Euro ist inzwischen auch die letzte Voraussetzung erfüllt, den Antrag über den Stadtsportbund bei der Staatskanzlei abgeben zu können.

Da die gut 4,7 Millionen Euro, die für Wuppertal in diesem Paket vorgesehen sind, inzwischen laut Schwafferts durch Anträge von Vereinen aus der Stadt deutlich überschritten seien, könnte es zu einer Förderung der Maßnahmen eventuell nur zu 50 Prozent (möglich sind bis zu 80) kommen. Hieße für die Wasserfreunde: Sie könnten insgesamt 640 000 Euro investieren. Bei höherem Fördersatz (nicht ausgeschlossen, dass Vereine ihre Anträge bei nur 50-prozentiger Förderung zurückziehen oder reduzieren würden), hätten die Wasserfreunde entsprechend mehr Geld zur Verfügung, weil die Gesamtsumme auf weniger Antragsteller verteilt würde.

Nun heißt es also Warten: Auf die Förderung, auf den Saisonbeginn und dann auch auf das Ende der Ära Peter & Peter. Beide gehen nach „zehrenden Jahren mit hoher Verantwortung“ übrigens in völliger Harmonie und mit dem Versprechen, auch in Zukunft mitzuwirken, wenn ihr Rat gefragt ist. gh