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Beethoven-Projekt der Musikschule läuft im Kino

Musikalisches Projekt : Beethoven-Projekt der Musikschule läuft im Kino

Die Hauptdarsteller sind die Kinder und Jugendlichen, die musizieren und als Handelnde auftreten.

Corona hin oder her – das Beethovenjahr 2020 wird im Gedächtnis bleiben. Dafür sorgt zum Beispiel das Projekt, das die Bergische Musikschule Wuppertal mit der Folkwang Musikschule der Stadt Essen gestemmt hat. Was als Jubiläumskonzert geplant war – gespielt von einem gemeinsamen Zupfensemble – wurde unter Pandemie-Bedingungen zum Musik-Doku-Film. „Beethoven – WoO.con.var“ (Werke ohne Opuszahl mit Variationen) heißt er und erlebt seine Premiere im Cinema in Oberbarmen.

Was hat denn der Wiener Klassiker mit Zupfinstrumenten wie Mandoline und Gitarre zu tun? Darauf haben Corinna Schäfer von der Bergische Musikschule und ihr Essener Kollege Peter Johnen natürlich eine Antwort: Vier Stücke gibt es, die der junge Beethoven für Mandoline und Cembalo geschrieben hat. Für „WoO.con.var“ arrangierten Schäfer und Johnen die Werke für Solomandoline bzw. -gitarre plus Zupfensemble. Aufführungen dieser Bearbeitungen bilden den ersten Teil des Films. Hinzu kommt die Dokumentation der Proben mit Wortbeiträgen der Beteiligten.

Doch damit nicht genug. Den beiden Initiatoren ging es auch darum, Beethovens Bedeutung für das Hier und Heute näher zu beleuchten. So landete man beim zeitgenössischen Komponisten Mauricio Kagel, der diesem Thema schon in seinem Film zum Beethovenjahr 1970, „Ludwig van“, nachgegangen ist. Eine Szene daraus lieferte die Inspiration für die Kulissen, die im Projekt-Film von Kameramann Hans-Ulrich Holst in Szene gesetzt werden. Holst ist es auch zu verdanken, dass die Bilder fernsehtaugliche Qualität haben.

30 Gegenstände, die
mit Beethoven zu tun haben

Das Wort „Musikzimmer“ kann man hier wörtlich nehmen. Denn alles in diesem Bühnenbild – Wände, Möbel, Gegenstände – ist mit den Noten der Stücke beklebt, die vom Zupfensemble der beiden Musikschulen eingespielt wurden. Dazu gehört auch das „Werk ohne Opuszahl“, das die ganze Welt als den Ohrwurm „Für Elise“ kennt. Zu den Dreharbeiten brachten die gut 30 Ensemblemitglieder eigene Gegenstände mit, die aus ihrer Sicht mit Beethoven zu tun haben oder in ein Musikzimmer von heute gehören. Besonders stolz ist Schäfer auf den mit Notenpapier beklebten Kontrabass. Das Instrument, das zum Wegschmeißen zu schade war, kam als Kunstobjekt zu neuen Ehren.

Von einem „großen Glück“ spricht Schäfer, wenn es um den künstlerischen Leiter des Projekts geht. Professor Karl-Heinz Zarius gilt nicht nur als Kagel-Experte. Der ehemalige Dekan der Wuppertaler Musikhochschule, so Schäfer, habe im Umgang mit den Musikern im Alter von acht bis 20 Jahren auch immer die richtigen Worte gefunden. Zudem hat er die Partitur für die Musikzimmer-Szenen erstellt. Seine Collage „Ludwig gezupft“ setzt sich zusammen aus von der Kamera eingefangenen Noten, Improvisationen und akustischen „Fundstücken“, die die Ensemblemitglieder beigesteuert haben.

Die eigentlichen Hauptdarsteller aber sind die Kinder und Jugendlichen, die nicht nur musizieren, sondern in einigen Szenen auch als Handelnde auftreten. Dass alle zwei Jahre bei dem Projekt dabei geblieben sind – „in einer Zeit, in der hier es nur digitalen Unterricht gab“ –, findet Schäfer an sich schon bemerkenswert.

Bei der Kinopremiere von „Beethoven – WoO.con.var“ soll es übrigens nicht bleiben. Angedacht sind Filmvorführungen an der Hofaue. Künftig wird die Musik-Doku wohl auch online zu sehen sein. Was vom Film auf jeden Fall bleibt, sind die Kulissen. Derzeit steht das von einer Essener Bühnenbildnerin geschaffene „Musikzimmer“ im großen Saal der Musikschule – und Schäfer hofft auf ein Theater, das daran interessiert ist. „Es wäre echt schade, wenn es auf den Sperrmüll kommt.“