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Barmer Verschönerungsverein erinnert an historische Personen

Erinnerungskultur : BVV erinnert an historische Personen

Die Ehrenamtler gründen eine Kommission für Erinnerungskultur, um an verdiente Mitglieder des Vereins zu erinnern.

Die Barmer Anlagen sind der zweitgrößte Park Deutschlands – zumindest wenn man diejenigen Parks betrachtet, die sich in bürgerschaftlichem Besitz befinden. Seit 156 Jahren kümmern sich Ehrenamtler des Barmer Verschönerungsvereins (BVV) um die Instandhaltung und Weiterentwicklung der Anlagen. Da aber unter den vielen Namen, die für den Verein in der Vergangenheit gewirkt haben, nicht jede Biografie aufgedeckt ist, hat der BVV jetzt eine neue Kommission eingerichtet. Die soll unter dem Titel „Erinnerungskultur“ dabei helfen, dass vergessene Lebensgeschichten wiedererzählt werden können.

30 Personen seien bislang als Paten registriert, berichtet Bernd Lamprecht voller Freude. Er hatte die Idee zur Gründung der Kommission und arbeitet bislang ehrenamtlich im Archiv des Verschönerungsvereins. Weitere 20 Personen, die künftig an den Biografien der Persönlichkeiten des BVV mitwirken, werden noch gesucht.

Anlässlich der Einberufung der Kommission trafen sich am Montag Initiator Lamprecht und andere Vertreter des Vereins mit Mitgliedern von Stiftungen, die sich jeweils ebenfalls mit historischen Persönlichkeiten aus Barmen auseinandersetzen. Die Gründung der Kommission war aber nicht das einzige Thema, das am Montag auf der Tagesordnung stand. Vielmehr ging es direkt auch um eine Persönlichkeit, die den BVV im 19. Jahrhundert besonders geprägt hat, wie Bernd Lamprecht erklärte. Otto Schüller (1829-1899), einst Schatzmeister und zweiter erster Vorsitzender des BVV, wäre am Montag 191 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Geburtstages gab es vor der Einführung in die Aufgaben der neuen Kommission einen Spaziergang durch die Anlagen. Lamprecht hatte zur Feier des Tages und in Anlehnung an die alten Gepflogenheiten Zylinder und Gehrock angezogen. „Ich stelle heute Geheimrat Wilhelm August Bredt dar“, erklärte er. Der Barmer Bürgermeister Bredt war ein guter Freund Otto Schüllers, führte Lamprecht weiter aus. Unter anderem dies hatte er während der vergangenen zwei Jahre, in denen er intensiv zur Biografien der Familie Bredt geforscht hat, herausgefunden. Volker Staab, der sonst Führungen im Namen des BVV leitet, stellte in ähnlichem Gewand den Unterbarmer Fabrikanten Ludwig Ernst Toelle dar.

Rote Tafeln sollen an die Mitglieder erinnern

„Das Ziel der Kommission ist, dass wir die Verdienste der Vorväter mehr in den Vordergrund rücken. Wir wollen an ihr Wirken erinnern“, betont Klaus Günther Conrads aus dem erweiterten Vorstand des BVV. „Viele verdiente Mitglieder gerieten in Vergessenheit.“ Als Beispiel nennt Conrads Otto Schüller, der seit Gründung des BVV im Jahr 1864 als Mitglied aktiv war. Für Schüller gibt es seit 1902 zwar ein Denkmal im unteren Bereich der Anlagen, da er sehr viel für den Verein als Schatzmeister und Vorsitzender geleistet habe. „Allerdings ist das Denkmal nur noch rudimentär erhalten“, weiß Conrads. Schüller setzte sich seinerzeit sehr für die Pflege der Anlagen ein. Er war außerdem Stadtverordneter in Barmen und wurde später zum Ehrenbürger ernannt. Die Ottostraße wurde zwar nach ihm benannt, sei aber lange nicht seinem Namen zugeordnet worden. Die BV Heckinghausen hatte sich schließlich dafür eingesetzt, dass das Straßenschild ergänzt wurde.

Im Freizeitpark im Fischertal sprachen die Vereinsmitglieder im Anschluss an den Spaziergang noch über die Zukunft der Kommission. Auch hier konnte direkt eine Verbindung geknüpft werden. Denn der Betreiber ist ein direkter Nachfahre von Otto Schüller. Jörg Schüller hat auch heute noch eine Verbindung zum Erbe des in Barmen bekannten Mannes, wohnt im 1864 errichteten Haus seines Vorfahren.

„Am Ende wollen wir den ehemaligen Mitgliedern rote Tafeln in den Anlagen widmen“, beschreibt Conrads ein weiteres Ziel der Kommission. Dazu soll ein ähnliches Aufbereitungskonzept wie bei der Barmer Bergbahn umgesetzt werden. Die Informationstafeln zur ehemaligen Bergbahn sind bei einem längeren Spaziergang durch die Anlagen kaum zu übersehen. Conrads hofft, dass sich aus den verschiedenen Informationen, die sich durch die historischen Forschungen der Paten sammeln lassen, hinterher vielleicht sogar ein Buch veröffentlichen lässt. Zunächst sei die Publikation der Ergebnisse aber nur online geplant. Die „Barmer Köpfe“, wie der BVV Persönlichkeiten wie Toelle, Schüller oder Bredt bezeichnet, sollen auf der Website der Barmer Anlagen zu finden sein – inklusive der Lebensgeschichten. Paten, die mögen, dürfen zudem bei künftigen Gelegenheiten auch in die Rolle historischer Persönlichkeiten schlüpfen, ähnlich wie Lamprecht und Staab am Montag.