Wuppertal: Bargeldlos: WSW rüsten Automaten um

Wuppertal : Bargeldlos: WSW rüsten Automaten um

Wuppertal zahlt gerne ohne Münzen und Scheine. Für Gastronomen ist die Entwicklung zweischneidig.

Bargeldloses Zahlen wird auch in Wuppertal immer beliebter. Inzwischen reicht dank der sogenannten „Nahfeldkommunikation“-Technologie das in die Nähe halten von EC-Karten oder des Handys, um Bezahlvorgänge abzuwickeln. Die Sparkasse bietet das neue Zahlverfahren mit Sparkassenkarte und App auf dem Android-Smartphone an. Der Kunde hält Karte oder Gerät an einen Sensor, dieser piepst einmal und schon wechseln Beträge bis 25 Euro ohne Pin-Eingabe den Besitzer. Die Deutsche Bank ist Kooperationspartner von „Apple Pay“, ebenfalls einem kontaktlosen Zahlverfahren fürs Handy.

Das Karten- und Handyzahlen liegt im Trend. Das zeigen die Zahlen der Stadtsparkasse Wuppertal. Rund 80 Prozent aller ausgegebenen Sparkassen-Karten verfügen heute bereits über die Funktion „kontaktloses Bezahlen“. Mehr als ein Drittel dieser Karten wurde von Kunden mindestens ein Mal dafür genutzt. Auch immer mehr Geschäfte im Tal akzeptieren das kontaktlose Bezahlen. Laut der Sparkasse Wuppertal befinden sich in ihrem Geschäftsgebiet rund 500 Terminals, die kontaktlos funktionieren.

Für die Gastronomie hat der Trend zum bargeldlosen Zahlen nicht nur Vorteile. „Früher hat man mit dem Bargeld auch gewirtschaftet und zum Beispiel sofort Lieferungen bezahlt“, berichtet Wuppertals Dehoga-Vorsitzende Marie Haus. Heutzutage hätten viele Gastronomen teilweise nur noch die Hälfte ihrer Umsätze in bar verfügbar, bis dann die monatliche Zahlung der Karten-Institute ansteht. Gerade in kleineren Betrieben könne diese Bindung des Bargelds ein Problem sein.

Auch bedeutet jede Zahlung mit Kreditkarte im Gegensatz zur Barzahlung einen kleinen Verlust im Centbereich, weil die Institute Gebühren von den Gastronomen verlangen, so Haus. Hinzu komme oft eine Leihgebühr für das Karten-Gerät. Damit erklären sich auch die unterschiedlichen Hausregeln in Wuppertal. Manche Restaurants und Kneipen lassen bestimmte Kreditkarten nicht zu, in anderen ist das bargeldlose Zahlen erst ab einer bestimmten Summe erlaubt. Und immer wieder sträuben sich Gastronomen ganz und nehmen ausschließlich „Cash“ an.

In den Bussen werden noch
einige Jahre Münzen akzeptiert

Auch für eine Fahrt im ÖPNV verlangen die Wuppertaler Stadtwerke noch immer Münzen und Scheine. Egal ob am Ticketautomaten an der Schwebebahnhaltestelle oder vorne beim Busfahrer: Karten werden nicht akzeptiert. Doch WSW-Sprecher Rainer Friedrich kündigt auf WZ-Anfrage eine baldige Änderung an: „Inzwischen gehen wir davon aus, dass sich das Zahlverhalten geändert hat. Noch in diesem Jahr werden wir neue Ticketautomaten einführen, an denen die Kunden auch mit EC- oder Kreditkarte bezahlen können.“ In den Bussen könne man jedoch auch weiterhin nur bar bezahlen. Aber: „Perspektivisch ist auch hier geplant, den bargeldlosen Ticketkauf zu ermöglichen. Dies wird aber erst in drei bis vier Jahren der Fall sein.“

In anderen Bereichen der Stadt ist man schon einen großen Schritt weiter. Das Hochschul-Sozialwerk hat an einer Kasse in der Zentralmensa und in der Cafeteria auf dem Campus Grifflenberg das kontaktlose Bezahlen per EC-Karte oder mit der Sparkassen-App per Handy eingeführt. Fritz Berger, Geschäftsführer des Hochschul-Sozialwerks, berichtet: „Seit Monatsbeginn haben an der Mensakasse fast 18 Prozent unserer Gäste bargeldlos bezahlt, die Hälfte davon nutzt dafür die App.“

Im Einwohnermeldeamt und Straßenverkehrsamt der Stadt ist das Bargeld schon längst ganz verschwunden. Hier ist bei anfallenden Gebühren nur noch die Kartenzahlung möglich. Stadtsprecher Thomas Eiting berichtet von den Vorteilen: „Wir müssen kein Kleingeld vorhalten. Außerdem ist mit der Automatenzahlung eine Fehlerquelle eliminiert worden.“ Bei dem Umgang mit Bargeld – das stellt jeder Gastronom bei der abendlichen Endabrechnung fest – passieren eben immer wieder Fehler.

Das Zahlen per Karte verändert aber auch die Art, wie Menschen mit Geld umgehen, berichtet Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin der Dehoga-Nordrhein. „Der Gast ist mit der Karte etwas freier und nicht mehr an das Bargeld gebunden, das er mit sich führt“, sagt sie. Das könne auch ein Vorteil für manchen Wirt sein – es wird unter Umständen mehr konsumiert. Andererseits gebe es immer wieder die Befürchtung, dass am Ende bei der Kartenzahlung das Trinkgeld auf der Strecke bleibt. „Das Argument zieht aber eigentlich nicht mehr“, sagt Hausmann. Viele Geräte haben bereits eine extra Trinkgeld-Funktion und machen den Kunden diskret auf diese Option der Belohnung aufmerksam.

Mehr von Westdeutsche Zeitung