BAP: Diese Band hält jung

BAP: Diese Band hält jung

BAP gingen am Samstag mit „Radio Pandora“ in der Uni-Halle auf Sendung – mit vielen treuen Weggefährten.

Wuppertal. Es gibt Standards, auf die man bei einem BAP-Konzert zählen kann. Dabei spielt die Zahl Drei eine wesentliche Rolle. Drei Stunden Spielzeit, 30 Songs, drei Zugabenteile. Ein Rundum-Sorglos-Paket für die 2000 Fans, die am Samstagabend in die Wuppertaler Uni-Halle strömten, um Wolfgang Niedecken und seine nunmehr 33Jahre alte Band live zu erleben.

Das Publikum bekam einen Liederreigen geboten, der sich vornehmlich auf die jüngste Dekade der Band stützte, wobei rund ein Drittel der dargebotenen Lieder vom neuen Album "Radio Pandora" stammte. Und dem Geist dieser Doppel-Veröffentlichung - sowie der Zahl Drei - folgend, wurde genau ein Drittel des Konzerts akustisch vorgetragen.

Denn "Radio Pandora" erschien im vergangenen Jahr gleich zwei Mal: Als "Plugged"-Version sowie als "Unplugged"-Version, wobei die Setlist verschieden war: jeweils sechs Lieder befanden sich ausschließlich auf einem der beiden Alben. Was für das Konzert bedeutete, das die Anzahl der sattsam bekannten Hits wie "Verdamp lang her", "Frau ich freu mich" oder "Kristallnaach" am Samstag überschaubar blieb.

Kein Manko, denn schließlich gaben BAP erst vor zwei Jahren auf ihrer Jubiläums-Konzertreise ausschließlich Hits zum Besten. In der Uni-Halle ging es besinnlicher zu, ganz dem Flair einer Akustik-Show entsprechend. Dazu trug die als Special Guest fungierende Violinistin Anne de Wolff bei, eine ebenso versierte wie gefragte Musikerin, die auch schon mit Laith Al-Deen, Rosenstolz, Texas Lightning, Wir sind Helden und Bosse auf Tour war.

Wirklich laut wurde es nur bei den Gassenhauern. Lauthals wurde der Text zur "Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau" mitgesungen, bei "Do kanns zaubre" nahmen sich die anwesenden Pärchen zärtlich in die Arme und es verbreitete sich ein Leuchten - nicht nur in den Augen vieler Gäste. Diese rekrutierten sich vornehmlich aus Fans, die BAP seit ihren Gründerjahren Ende der Siebziger begleiten.

Alte Weggefährten eben, die aus jedem BAP-Konzert eine Art Klassentreffen machen. Und in diesem ist die Lust an BAP ungebrochen, denn wenn Wolfgang Niedecken sein Seelenleben ausbreitet und Sozialkritik musikalisch zelebriert, werden auch aus füllig und grau gewordenen Beamten wieder feiernde Oberstufenschüler, die früher Einträge ins Klassenbuch wegen unentschuldigter Fehlstundenzahl bekamen.

Ihren Fans gaben BAP mit "Für immer jung", der Coverversion des Alphaville Hits "Forever Young", mehr als nur einen letzten Ohrwurm mit auf den Heimweg. Es war Ausdruck eines Gefühls, das viele Gäste bei einem BAP-Konzert überkommt.

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