Baisch und Buntrock bringen Geigenmusik nach Ghana

Wuppertaler weltweit : Baisch und Buntrock bringen Geigenmusik nach Ghana

Der Chorleiter der Wuppertaler Bühnen und der Geigenbaumeister engagieren sich seit einigen Jahren in der Hauptstadt Accra.

„Wir gehen dahin, wo es weh tut“, sagen Markus Baisch und Erhard Buntrock und meinen damit nicht ihre Tätigkeiten als Chorleiter an den Wuppertaler Bühnen beziehungsweise als Geigenbaumeister in Wuppertal, sondern ihre Arbeit in der ghanaischen Hauptstadt Accra, wo sie im sozialen Brennpunkt Nima Kindern aus benachteiligten Familien eine musikalische Ausbildung ermöglichen möchten.

„2007 habe ich ein Konzert des dortigen National Symphony Orchestra (NSO) dirigiert“, berichtet Markus Baisch. „Und das brachte mich auf die Idee.“ Seit September 2013 werden vom Verein „Musiker ohne Grenzen“ Freiwillige nach Accra entsandt, wo inzwischen mehr als 40 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 18 Jahren in den verschiedenen Instrumenten unterrichtet werden. „Es ist viel Aufklärungsarbeit zu leisten, denn die Eltern der Kinder sind eher daran interessiert, den Kochtopf für die folgenden Tage zu füllen, als ihre Kinder Geige, Klavier oder Posaune spielen zu lassen“, so Baisch.

Musik zu machen ist dabei weit mehr als den Instrumenten Töne zu entlocken. „Musik ist die gemeinsame Sprache der Menschheit. Ein Instrument zu erlernen, beflügelt den Geist. Es zu beherrschen, fördert das Selbstbewusstsein. Gemeinsam mit anderen zu spielen, stärkt die Teamfähigkeit“, zählt der Chordirektor einige der Facetten auf, die mit einer musikalischen Ausbildung einhergehen. „Durch die Musik verbessern wir die Lebenswirklichkeit in den sozialen Brennpunkten und bieten Alternativen zu einer kriminellen Karriere und dem sozialen Abseits“, beschreibt der in Hamburg ansässige Verein „Musiker ohne Grenzen“ seine Nachwuchsförderung für das National Symphony Orchestra.

Buntrock hat in Ghana eine Reparatur-Werkstatt gegründet

Seit 2015 besteht eine enge Zusammenarbeit mit der einheimischen Musikschule „genius Hive“, mit der man gemeinsam versucht, ein ghanaisches Jugendsymphonieorchester aufzubauen, wobei das „Kinder Paradise“ zum Netzwerk gehört. Das ist der Name eines Waisen- und Straßenkinderheims, in dem die freiwilligen Helfer des Projekts neben den Lehrkräften von „genius Hive“ unterrichten.

Ähnliche Pionier-Arbeit hat der Wuppertaler Geigenbaumeister Erhard Buntrock auch schon in Nicaragua geleistet, wo er zwischen 2012 und 2015 zusammen mit der Bogenbauerin Juliane Schanzenbach aus Cremona unter anderem eine Reparatur-Werkstatt für Streichinstrumente und Bögen eingerichtet hat. Denn die Pflege und Reparatur der Instrumente muss gewährleistet sein, wenn die Musik zu einem Hörgenuss werden soll. „Es ist nicht allein, dass die Kinder nicht allzu pfleglich mit den Instrumenten umgehen.

Es sind auch die klimatischen Verhältnisse und die hohe Luftfeuchtigkeit, die dafür sorgen, dass sich das Holz der Saiteninstrumente wie Geigen und Celli verzieht“, sagt Buntrock, der 2012 zusammen mit dem Bratschen-Professor Werner Dickel von dem Projekt hörte, das arme Kinder mit Streichinstrumenten vertraut macht. „Wir hatten zwar gestiftete Instrumente und deren Zubehör, aber das war inzwischen unbrauchbar, und in Nicaragua war niemand, der die Instrumente reparieren konnte.“

Der Wuppertaler Geigenbaumeister und seine Kollegin Juliane Schanzenbach leiteten schon 2012 Workshops, in denen acht junge Männer bald in der Lage waren, einfachere Reparaturen selbst auszuführen und den Werkstatt-Betrieb aufrecht zu erhalten. Das Rüstzeug hierfür hatten die beiden deutschen Geigenbauer dem jungen Nachwuchs in täglich zwölfstündigem Unterricht vermittelt.

Sowohl Buntrock wals auch Baisch gelang es, Spender für ihr Anliegen zu sensibilisieren, die tägliche Arbeit vor Ort mit finanziellen Mitteln oder Sachspenden zu unterstützen. Da es vor Ort keinen Musikalienfachhandel gibt, bringt Buntrock die Materialien wie Holz, Spezialleim oder das geeignete Werkzeug aus Wuppertal mit.

Der nächste Besuch in Accra steht für Buntrock und Baisch im Juli an. „Dann ist dort Winter, und die Temperaturen sind mit 30 Grad auch für uns einigermaßen erträglich. Allerdings ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch, was weder den Instrumenten noch uns gut tut“, blicken Baisch und Buntrock voraus.

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