Historie: Bahnhof Küllenhahn: Ein Ende und ein Anfang

Historie : Bahnhof Küllenhahn: Ein Ende und ein Anfang

Das historische Gebäude wird abgerissen. Bis 2022 sollen Wohnungen entstehen.

Sogar ein Intercity fand 1972 im Rahmen einer Sonderfahrt den Weg zum Bahnhof Wuppertal-Küllenhahn, und das 1897 eröffnete Gebäude war Jahrzehnte lang Zwischenbahnhof auf dem Schienenweg Wuppertal-Steinbeck bis Cronenberg, der zu der 1891 eröffneten und 1988 stillgelegten Samba-Bahnstrecke gehörte.

„Am 1. April 1891 fand dort die erste Fahrt statt“, weiß Michael Ludwig, Vorsitzender des Bürgervereins Küllenhahn. Bis zu den 1970er Jahren war der Haltepunkt auch Bestimmungsort für die Rohstoffe der damals wie heute florierenden Cronenberger Werkzeugindustrie, und 1988 hielt dort der letzte Personenzug.

Das ist mehr als drei Jahrzehnte her, und jetzt soll rund um das abrissreife Gebäude an der Sambatrasse neues Leben entstehen. Nämlich in Gestalt von zwölf bis maximal 20 Wohneinheiten für Menschen mit und ohne Behinderungen, wie Wolfgang Seidel, Vorstand des Vereins „Behindert – na und?“, anlässlich des öffentlichen Teils der jüngsten Mitgliederversammlung des Bürgervereins Küllenhahn berichtete.

Auf dem rund 4500 Quadratmeter großen Grundstück soll eine barrierefreie Wohnanlage gebaut werden, wo in 15 bis 20 Wohneinheiten Menschen mit und ohne Behinderung ein neues Heim finden sollen. „Wir streben eine Mischnutzung an, weil wir keine Ghettobildung wollen“, so Seidel, der betonte, dass man in der Planung noch am Anfang stehe und deshalb auch noch keine Modellaufnahmen vorstellen könne.

Die Sanierung hätte
1,5 Millionen Euro gekostet

Für den Verein, der seit 35 Jahren besteht, ist die sozial geförderte Maßnahme ein Erstlingsprojekt mit Velberter und Solinger Vorbild. Dort hatten die Pläne jeweils großen Anklang gefunden. „Was die geschafft haben, das schaffen wir auch“, ist Wolfgang Seidel voll guter Hoffnung für das ehrgeizige Projekt.

Damit findet eine langwierige Suche nach einer geeigneten Weiterverwendung des traditionsreichen, aber zuletzt nicht mehr ansehnlichen Areals ein glückliches Ende, an dem auch der Wuppertaler Landtagsabgeordnete Josef Neumann (SPD) erheblichen Anteil hat.

Der einstige Samba-Bahnhof, über den bis in die 1970er Jahre auch ein dort ansässiger Schrotthändler angeliefert wurde, bot trotz glanzvoller Vergangenheit zuletzt nur noch ein Bild des Jammers und ist derzeit in seiner Hässlichkeit schon fast wieder sehenswürdig. Dabei war das Fachwerkgebäude am 6. Januar 1992 in die Denkmalliste der Stadt Wuppertal aufgenommen worden. Doch als man den „Echten Hausschwamm“ dort feststellte und prognostiziert wurde, dass eine Sanierung rund 1,5 Millionen Euro verschlingen würde, wurde das Gebäude wieder von der Denkmalliste gestrichen.

 „Eine Sanierung ist wirtschaftlich nicht vertretbar“, hieß es, und Cornelia Ernenputsch, die Mitbesitzerin des Bahnhofes ist, beantragte zusammen mit Rolf Ernenputsch schweren Herzens den Abriss. Die Absichten, dort einen „Künstlerbahnhof“ entstehen zu lassen, hatten sich damit ebenso zerschlagen wie verschiedene andere Ideen, die von Bürgerverein und den Bürgern des Quartiers entwickelt worden waren.

Die angestrebte Wohnanlage findet nahezu ungeteilten Beifall in Küllenhahn, doch Kopfschmerzen bereitet sie Jennifer und Markus Cox, die in dem Schuppen im maroden Bahnhofsgebäude die Baumpflege Cox und den „Cox E-Bike & Service“ betreiben. Zur Unterbringung der Baumpflege hatte Rudolf Ernenputsch, Miteigentümer des Bahnhofsgebäudes, Markus Cox schon ein früheres Fabrikgebäude etwas oberhalb der Harzstraße zugesagt, das jedoch, so Jennifer Cox, das Unternehmen vor logistische und finanzielle Probleme stellen würde. Zu den Wunschvorstelllungen des Bürgervereins Küllenhahn gehört übrigens, dass an der Stelle des alten Bahnhofes eine kleinere Restauration entstehen würde, die das dann rundum erfreuliche Bild der Szenerie wirkungsvoll abrunden würde.

Doch noch ist es nicht soweit. Noch muss der Kaufvertrag fixiert und unterschrieben, dann der Bauantrag gestellt und der Bau in Angriff genommen werden. Erst etwa 2022 rechnet Wolfgang Seidel, der Geschäftsführer des Vereins „Behindert- na und?“, mit der Fertigstellung.

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