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Bahndirektion: Lob für Pläne — aber auch viele Fragen

Stadtentwicklung : Drittes Rathaus: Die Idee kommt gut an

Bezirksvertretung hat aber noch einige Fragen – und will unabhängig davon eine Außenstelle des Meldeamtes.

Endlich Leben in der Bahndirektion: Die Pläne der Stadt, einen Teil der Verwaltung in dem seit Jahren leerstehenden Denkmal am Döppersberg zu konzentrieren, kamen in der Bezirksvertretung Elberfeld gut an. Stadtdirektor Johannes Slawig stellte die Idee, die manche auch schon als „drittes Rathaus“ bezeichnen, den Lokalpolitikern am Mittwochabend vor. Mit vielen Zahlen untermauert, machte er deutlich, dass nicht nur die Verwaltung, sondern vor allem der Bürger profitieren werde. „So eine Chance kommt nie wieder.“ Allerdings stellten die Bezirksvertreter auch einige kritische Fragen – und bekräftigten in einem Antrag die Forderung nach einer Dependance des Einwohnermeldeamtes im Verwaltungshaus Neumarkt, losgelöst von dem, was in der Bahndirektion seinen Platz finden könnte.

Denn auch, wenn Slawig die Vorzüge anpries, den der Einzug am Hauptbahnhof aus Sicht der Stadt hätte — Bündelung von bis zu 850 Mitarbeitern, 1500 Besucher pro Tag und eine Belebung Elberfelds — wurde doch deutlich, dass die Planungen sich noch im Anfangsstadium befinden. Ein Thema am Mittwoch: die Miete. Dass Wuppertal nun städtische Immobilien verkaufen will – zur Diskussion stehen Gebäude an der Alexanderstraße und am Willy-Brandt-Platz —, um die Miete an den Eigentümer der Bahndirektion, die Clees-Gruppe, zu stemmen, könne eigentlich nicht sein, sagte RMW Streuf von den Freien Wählern. Was das alte Thema wieder aufbrachte, warum die Stadt nicht damals selbst kaufte, als die Bahn das Gebäudeensemble loswerden wollte. Selbst im Rathaus, so ist zu hören, gibt es einige, die der verpassten Chance hinterhertrauern. Doch die ist längst vertan, und Slawig wies auch noch einmal darauf hin, dass die Stadt aktuell „keine Alternative in dieser Größe und Lage als Verwaltungsstandort hat“.

Eine Frage, die in diesem Zusammenhang immer gestellt würde, so Slawig, sei, warum die WSW aus wirtschaftlichen Gründen aus den Verhandlungen mit Clees ausgestiegen seien, es der Stadt aber offenbar nicht zu teuer sei. Die Anforderungen seien andere. Für die WSW sei praktisch eine Entkernung notwendig gewesen, bei der Stadt wäre es nur ein Umbau. Nach den Vorgaben der Verwaltung. Die Investitionen würden durch die Höhe der Miete berechnet und stünde deshalb noch gar nicht fest. Details, wer wohin in die Bahndirektion und die gut 10000 von 12000 Quadratmetern, die die Stadt anmieten will will, ziehen könnte, gebe es noch nicht. Ende des Jahres soll der Politik der Durchführungsbeschluss vorgelegt werden. Ende 2022, so der Plan, solle der Umbau abgeschlossen sein.

Im Erdgeschoss könnte
Gastronomie einziehen

Viel Raum also für Spekulationen. Und für einen Zwist zwischen Elberfeld und Barmen? Barmens Bezirksbürgermeister Hans-Hermann Lücke hatte bereits am Dienstagabend in der Sitzung seiner Bezirksvertretung bei Slawig angemahnt, dass man die Interessen Barmens nicht außer Acht lassen dürfe. Würden weitere Verwaltungseinheiten nach Elberfeld ziehen, wäre das ein Verlust, so Lücke. Viele spekulieren, dass das Einwohnermeldeamt eine neue Heimat am Döppersberg finden könnte. Der aktuelle Standort am Steinweg ist nicht optimal, zumal Sanierungsbedarf herrscht. Doch zu solchen Details wollte Slawig gar keine Stellung nehmen.

Fest steht allerdings, dass das Bergische Studieninstitut für kommunale Verwaltung (BSI) in die Direktion ziehen könnte. Aktueller Standort ist die Obergrünewalder Straße 27. Das Gebäude sei aber praktisch „abgängig“, hieß es. Das BSI ist eine Gemeinschaftseinrichtung der Bergischen Städte Wuppertal, Solingen, Remscheid, Leverkusen und des Kreises Mettmann.

Ebenfalls fest eingeplant: Gastronomie. „Bistroähnlich“ soll die werden, kündigte Slawig an, und im Erdgeschoss eingerichtet werden. Nicht im prunkvollen ehemaligen „Saal des Präsidenten“, den Klaus Lüdemann (Grünen) ins Spiel gebracht hatte. Der soll weiterhin als Veranstaltungsraum erhalten bleiben zum Beispiel für Sitzungen. „Vielleicht ja auch für die BV“, fügte Slawig an.

Die Aussicht, dass möglicherweise Meldeangelegenheiten bald am Döppersberg erledigt werden können, reichte der Bezirksvertretung allerdings noch nicht. Der gemeinsame Antrag mit den Kollegen der BV Elberfeld-West und Uellendahl-Katernberg für eine Außenstelle des Einwohnermeldeamtes am Neumarkt wurde einstimmig angenommen. Wobei Slawig und Dezernent Matthias Nocke wenig Hoffnung machten und mehrfach betonten, dass es sicher kein Bürgerbüro werden würde.