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Azubi-Bewerber-Dating läuft in Wuppertal jetzt digital

Arbeitsmarkt : Azubi-Bewerber-Dating läuft jetzt digital

Ausbildungssuche und Online-Vorstellungstermine - durch Corona ist bei der IHK alles anders.

Auch die Ausbildungssuche läuft in Corona-Zeiten etwas anders. Die Last-Minute-Bewerber-Datings, die die Bergische Industrie- und Handelskammer sonst in ihrer Geschäftsstelle anbietet, fallen flach. Dafür gibt es jetzt eine Alternative – mit dem „Bergischen Azubi-Bewerber-Dating: voll digital“. Der neue Service der Bergischen IHK und ihrer Partner findet vom 27. Juli bis 21. August im Netz statt.

Schon in der vergangenen Woche konnten freie Ausbildungsplätze und Online-Vorstellungstermine für interessierte Bewerber eingestellt werden. „Wir sind frohen Mutes, dass wir ein spannendes Experiment starten“, sagt Carmen Bartl-Zorn, die bei der Bergischen IHK den Bereich Aus- und Weiterbildung leitet. Das Konzept komme bei den Unternehmen sehr gut an. Bartl-Zorn verweist auf die Freischaltung von mehr als 20 digitalen Stellenanzeigen in den ersten Tagen. Positiv hätten auch die ersten jugendlichen Nutzer reagiert: „Die Plattform ist total einfach.“

Wer es selber ausprobieren will, gibt die Begriffe „Bergisches Azubi-Dating“ in eine Suchmaschine ein. Auf der Plattform angelangt, kann man jeweils nach passendem Ausbildungsberuf, Unternehmen bzw. Ort recherchieren. Auf der Liste stehen bereits Büro- und IT-Jobs, aber auch Handwerksberufe wie Dachdecker und Fleischer. Die Angebote konzentrieren sich auf Wuppertal, Remscheid und Solingen.

Das Online-Vorstellungsgespräch
dauert eine Viertelstunde

Sobald man einen Ausbildungsplatz ausgewählt hat, lässt sich mit wenigen Klicks ein Termin mit dem potentiellen Arbeitgeber vereinbaren. Eine Mail bestätigt dem Bewerber den gebuchten Termin, eine zweite geht zur Erinnerung 15 Minuten vor dem Termin raus. Nicht länger als eine Viertelstunde dauert auch das Online-Vorstellungsgespräch.

Dabei wird so kommuniziert, wie es die Schülerinnen und Schüler kennen: per Telefon, Videochat oder WhatsApp. Deshalb spielt es keine Rolle, wo sich die Gesprächspartner in diesem Sommer aufhalten. „Die Unternehmensvertreter sind darauf eingerichtet“, erklärt Bartl-Zorn, „dass sich die Jugendlichen aus dem Urlaub bei ihnen melden.“ Ob es nach dem Erstkontakt weitere Gespräche gibt, bleibt dem Ausbildungssuchenden und seinem Ansprechpartner überlassen.

Was aber machen die, deren Interessen nicht zu den Angeboten des Bergischen Azubi-Datings passen? Die sollten sich an seine Mitarbeiter wenden, empfiehlt Martin Klebe von der Arbeitsagentur. Bei aktuell 1500 offenen Ausbildungsplätzen im Bergischen Städtedreieck gebe es genug Möglichkeiten. Gemeinsames Ziel müsse es sein, möglichst viele dieser Stellen auf die Azubi-Dating-Plattform zu bringen. „Wir wollen den Arbeitsmarkt 2020 zu einem guten Ende führen“, so Klebe. Gleichzeitig blicken die Organisatoren nach vorn, indem sie bereits Stellenangebote fürs kommende Jahr in die Liste aufnehmen.

Auch für Fred Schulz von der Kreishandwerkerschaft Remscheid kommt die Einrichtung der Plattform zur richtigen Zeit. Seit dem Shutdown im März seien die Kontakte der Handwerkerschaft mit Schülern und Lehrkräften unterbrochen.

Das „voll digitale“ Angebot lasse sich als Vorbild nehmen, ist sich Andreas Kletzander vom Jobcenter Wuppertal sicher. In diesem Sinne stecke in der Krisensituation durchaus eine Chance. „Corona ist auch ein Innovationstreiber und -beschleuniger. Da kann man einüben, flexibler, agiler mit den Jugendlichen zu kommunizieren.“ Kletzander sieht die Zukunft der Ausbildungsberatung, die verstärkt auf die digitalen Kompetenzen der Bewerber setzt, in „Hybridformen“. Entscheidend, betont er, sei aber nach wie vor das persönliche Gespräch.