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Azubi auf den zweiten Blick

Azubi auf den zweiten Blick

Antonis Gkolosis (28) hatte noch nie einen Lebenslauf verfasst. Jetzt wird er Mechatroniker.

Wuppertal. Im vergangenen Jahr blieben in Wuppertal 103 Ausbildungsstellen unbesetzt. Oftmals, so berichtet die Agentur für Arbeit, liegt das daran, dass die Betriebe Bewerbern mit schwachen Noten oder anderen „Ausschlusskriterien“ keine Chance geben. 2017 gingen nämlich gleichzeitig 17,5 Prozent der Bewerber leer aus. Die Agentur für Arbeit will mit der „Assistierten Ausbildung“ (AsA) die Schere schließen.

Von dem Programm profitierte Antonis Gkolosis. Der 28-jährige Grieche macht jetzt bei der Wuppertaler Firma Vonzumhoff seine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. Die assistierte Ausbildung machte das erst möglich. Gkolosis, der seit viereinhalb Jahren in Wuppertal lebt, berichtet: „Ich hatte noch nie in meinem Leben einen Lebenslauf verfasst.“ Auch seine Sprachprobleme führten dazu, dass seine diversen Bewerbungen zunächst ohne Erfolg blieben.

Über die Arbeitsagentur gelangte der Wuppertaler an den Bildungsträger „Internationaler Bund“ (IB), der ihn bei den Bewerbungen unterstützte und nicht nur dadurch seine Chancen auf dem Markt verbesserte. „Wir wollen Schwellenängste bei den Unternehmen abbauen“, sagt Martin Klebe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Dass ein Azubi vom IB unterstützt wird, gibt den Ausbildungsbetrieben Sicherheit. Weder für die jungen Anwärter noch die Betriebe entstehen durch die Assistenz Kosten.

„Die assistierte Ausbildung eröffnet den Betrieben die Möglichkeit, auch den zweiten Blick zu wagen und Jugendlichen eine Chance zu geben, die zwar keine ,Zwei’ in Deutsch oder Mathe haben, jedoch andere Fähigkeiten mitbringen“, sagt Klebe. Gkolosis war so ein Fall. Auf dem Papier konnte er wenig vorweisen — aber in seiner Heimat hatte er bereits eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker abgeschlossen. „Die wurde aber nicht anerkannt“, sagt der Lehrling. Nun bekommt er an der Simonstraße die Möglichkeit, seine theoretischen Kenntnisse — in der Heimat war die Ausbildung lediglich schulischer Natur — in der Praxis umzusetzen.

Marcus Jungmann, Geschäftsführer der Firma Vonzumhoff, hat nur gute Erfahrung damit gemacht, sich die Bewerber, die über die Agentur kommen, genau anzusehen. Lars Ronsdorf, Betriebsleiter der Firma Vonzumhoff, berichtet von einem anderen Azubi mit einer versehrten Hand, der nach 200 Absagen nun bei Vonzumhoff erfolgreich an Autos schraubt. „Den Jungen hat sich keiner angeguckt“, sagt Ronsdorf.

Für das Programm stehen im bergischen Städtedreieck insgesamt 48 Teilnehmerplätze zur Verfügung — wovon aktuell noch 19 Plätze frei sind, darunter elf in Wuppertal. Zielgruppe sind Jugendliche — in der Regel bis 25 Jahren —, die wegen ihrer Grundvoraussetzungen einen schweren Start haben. „Dabei geht es in letzter Zeit zunehmend um Sprachprobleme“, sagt Bettina Bigge, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit. Manchmal haben die Bewerber auch andere Mankos. Aber Martin Klebe von der Arbeitsagentur ist überzeugt: „Wir können es uns nicht leisten, schulisch schwächere Jugendliche zurückzulassen.“

Der Arbeitsmarkt hat sich verändert. Das hat man auch bei Vonzumhoff gemerkt. Chef Jungmann berichtet: „Vor zehn Jahren hatten wir auf unsere kaufmännischen Stellen noch jedes Jahr mindestens 50 Bewerbungen, heute noch höchstens fünf.“ Verkaufsleiter Knuth Jungmann würde sich wünschen, dass die duale Ausbildung mehr unterstützt werde: „Dass alle studieren sollen, hat sich aus unserer Sicht nicht bewährt.“

Die Assistierte Ausbildung kann auch ein Hilfsmittel für Lehrlinge sein, die bereits begonnen haben und im Alltag auf Schwierigkeiten stoßen. Ihnen kann mit Nachhilfe, Beratung, Krisenintervention und Elternarbeit geholfen werden. So soll Ausbildungsabbrüchen vorgebeugt werden.